NachrufTrauer um Wolfgang Czeczor

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Der Tod des renommierten Schauspielers Wolfgang Czeczor hinterlässt eine Lücke. Er lebte in Bichl im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und hat unter anderem im Grand Budapest Hotel neben Ralph Fiennes mitgewirkt.
Der Tod des renommierten Schauspielers Wolfgang Czeczor hinterlässt eine Lücke. Er lebte in Bichl im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und hat unter anderem im Grand Budapest Hotel neben Ralph Fiennes mitgewirkt. (Foto: Privat/oh)

Der Schauspieler aus Bichl ist mit 67 Jahren gestorben.

Von Claudia Koestler, Bichl

Der Schauspieler Wolfgang Czeczor ist tot. Er wurde 67 Jahre alt. Bekannt war der in Bichl wohnende Czeczor mit dem markanten Gesicht und den ungebändigten Haaren aus zahlreichen nationalen und internationalen Film- und Fernsehproduktionen. Unter anderem unterstützte der vielseitige Mime internationale Stars wie Ralph Fiennes, Jude Law, Jeff Goldblum oder Willem Dafoe in der Rolle eines Mönchs in der britisch-deutsch-amerikanischen Filmkomödie "Grand Budapest Hotel". Erst kürzlich wirkte Czeczor in einem Tatort mit und in Fatih Akins "Rheingold". Vielen wird er auch aus der rund um Wolfratshausen spielenden Reihe "Hubert und Staller" im Gedächtnis geblieben sein, wo er den Wirt darstellte. Oder aber aus einem Herzensprojekt nah am Wohnort, das er mit seiner Partnerin Amelie Kruse auf die Beine stellte: Im evangelischen Gemeindezentrum Bad Tölz brachte das Paar eine szenische Lesung nach der tragischen Komödie Friedrich Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame" auf die Bühne.

Geboren wurde Czeczor 1956 in Baden-Württemberg. Er wuchs in einem kleinen Dorf nahe Heilbronn auf. Es sei kein ausgesprochener Künstlerhaushalt gewesen, aus dem er stamme, sagte er einst in einem SZ-Interview. Wenn er Biografien seiner Kollegen lese - "ach", seufzte er damals leise -, da seien die Wege oft vorgezeichnet und vielleicht auch ein bisschen leichter: "Mutter Schauspieler, Vater Regisseur. Ich sage das nicht neidvoll, es ist eben so." Leicht hatte es Czeczor nicht immer, auch wenn der Wunsch, Schauspieler zu werden, schon früh aufkeimte. Etwa, als er in der Schule "Die Fliege" rezitierte und Gefallen daran fand, eine Bühne zu haben.

Kinobesuche weckten in ihm den Wunsch, selbst auf der Leinwand zu sein. Später dann ein Erweckungserlebnis: Rudolf Platte als Hauptmann von Köpenick, in einer Fernsehaufzeichnung eines Theaterstücks. Nach der Schule begann er jedoch zunächst eine Lehre bei der Deutschen Bahn. Glücklich machte ihn das nicht.

Doch es sollte nicht gleich klappen mit dem Wechsel ins Schauspielfach. Also nahm er erst einmal Gelegenheitsjobs an, um sich über Wasser zu halten. 1977 aber sah er "Des Teufels General" mit Curd Jürgens - und in seinem Kopf formierte sich ein klarer Vorsatz: "Irgendwann, da schaffst du es. Da kommst du raus aus dem vorgegebenen Leben."

1992 erhielt er die Chance, an der Schauspielschule des Theaters Tri-Bühne in Stuttgart anzufangen. Er lernte Amelie Kruse kennen, folgte ihr nach München und später nach Bichl. 1997 hatte Czeczor es zudem an die Michael-Tschechow-Schule für Schauspielkunst geschafft, die er 2001 erfolgreich absolvierte: Es folgten regelmäßige Engagements, zunächst vor allem am Theater. Molière, Schiller, Shakespeare und Kafka etwa, aber auch die Rolle des Don Camillo in "Don Camillo und Peppone". Über die Empfehlung eines ehemaligen Schauspiellehrers übernahm er als Deutscher sogar 2002 die Rolle des Ödipus in einer Inszenierung des Glasshouse Theatre in Birmingham. Auch die Film- und Fernsehproduktionen nahmen zu: im Tatort "Schneetreiben" als Pathologe etwa oder im Filmdrama "Anonyma" als Oberstleutnant der Wehrmacht. In jenem SZ-Interview sprach Czeczor davon, dass es noch viele Traumrollen für ihn gebe: King Lear etwa. Oder Macbeth. Nun ist der Vorhang für einen großen Schauspieler zu früh gefallen.

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