Wohnungsmangel:Auch die Wirtschaft klagt

IHK legt Umfrage über nachlässigen Wohnungsbau in Städten und Gemeinden vor

Von Felicitas Amler, Bad Tölz-Wolfratshausen

Im Großraum München hat die Politik nach Ansicht von Reinhold Krämmel "20 Jahre lang etwas verpennt": Der Vorsitzende des Regionalausschusses Bad Tölz-Wolfratshausen der Industrie- und Handelskammer (IHK) hält dies für die Ursache des Mangels an bezahlbaren Wohnungen. Krämmel nimmt dafür ausdrücklich Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik in die Pflicht. Bei der Sitzung des IHK-Regionalausschusses an diesem Mittwoch in Lenggries wird dazu eine Umfrage vorgestellt.

Krämmel erklärt, der IHK-Ausschuss habe alle 21 Bürgermeister im Landkreis angeschrieben, und etwa die Hälfte habe die Fragen beantwortet. Das Ergebnis sei im Grunde nicht neu: Der Mangel an bezahlbaren Mietwohnungen sei ein flächendeckendes Problem. Die Kommunen sähen überwiegend auch wenig Handlungsspielraum. Der IHK-Sprecher sagt, die Ursache des Mangels sei wiederum der Mangel an bezahlbaren Grundstücken. "Was Baurecht hat, ist teuer. Wenn es kein Baurecht hat, gibt es wieder Ursachen: Außenbereich oder Nähe zu Gewerbe etwa."

Krämmel hält der Kommunalpolitik vor, dass sie den Zuzug gefördert, aber nicht darüber hinaus gedacht und geplant habe: "Jede Gewerbeansiedlung, die gefördert wird, löst zwangsläufig einen Bedarf an Arbeitskräften aus, und dadurch wird ein Bedarf an Wohnraum ausgelöst." Der IHK-Regionalausschuss werde an diesem Mittwoch darüber diskutieren, wie er mit dem Umfrageergebnis umgeht.

So sei ein öffentliches Statement denkbar, es könnten aber auch konkrete Vorschläge unterbreitet werden. Krämmel erinnert an das Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen des Bundesbauministeriums: Das Programm enthalte zehn klare Handlungsvorschläge: "Solche Themen müssen wir verstärken." Die genannten zehn Punkte reichen vom verbilligten Bereitstellen von Bauland durch die öffentliche Hand über das Nachverdichten bis zum Sozialwohnungsbau.

Alle drei Städte im Landkreis, Bad Tölz, Wolfratshausen und Geretsried, hätten die Umfrage beantwortet, sagt Krämmel. Über die fraktionsübergreifende Initiative in Wolfratshausen ist der IHK-Sprecher informiert.

© SZ vom 19.10.2016
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