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Wohnprojekt in Geretsried:Vorläufiges Aus für Tiny-House-Siedlung

Keine ganze Siedlung, aber immerhin ein Anschauungsstück: das Tiny House bei Lengenwies. Von diesen wohnwagengroßen Mikro-Häuschen hätte Thorsten Thane gerne mehrere in Geretsried aufgestellt - doch die Stadt spielt da nicht mit.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Wegen rechtlicher Bedenken spricht sich der Geretsrieder Stadtrat gegen eine Gruppe mobiler Kleinhäuser bei der Ziegelei in Gelting aus.

Nach seiner krachenden Niederlage steht Thorsten Thane kopfschüttelnd draußen vor dem Geretsrieder Sitzungssaal. Während die Stadträte drinnen schon über das nächste Thema diskutieren, muss der ausgebremste Vorreiter erst einmal das vorläufige Aus für sein Minihaus-Projekt verdauen. Anderthalb Jahre Vorbereitung, Vereinsgründung, Lobbyarbeit - all das endete nun im gesetzlichen Dschungel. Der Konsens in seiner Gruppe: erst einmal was trinken gehen.

Zuvor hatte die Geretsrieder Verwaltung im Planungsausschuss am Donnerstagabend unmissverständlich klargemacht, dass sie für den alternativen Lebenstraum der Gruppe bei Gelting so keine Chance sieht. Zwar äußern viele Stadträte viel Sympathie für das geplante Kleindorf aus sieben "Tiny Houses", also mobilen Kleinhäusern, bei Gelting. Weil der Standort umstritten ist, ist das Projekt aber zumindest erst einmal vom Tisch.

Dass es darauf hinauslaufen wird, dürfte den hoffnungsvollen Besuchern gleich zu Beginn klar geworden sein. Bauamtsleiter Rainer Goldstein lieferte einen detaillierten Vortrag über baurechtliche Bestimmungen für Innen- und Außenbereiche, Ziele des bayerischen Landesentwicklungsprogramms und "Tiny House"-Siedlungen an anderen Standorten. Sein Fazit: "Es gibt nichts, woraus sich in irgendeiner Art und Weise ein Baurecht ableiten ließe."

Konkret argumentiert Goldstein folgendermaßen: Weil für mobile Kleinhäuser hierzulande das selbe Baurecht gilt wie für reguläre Häuser, müssten sie doch stehen, wo auch gebaut werden dürfte - also in zusammenhängend bebauten Ortsteilen, dem Innenbereich. Das angedachte Areal der Ziegelei liege aber im Außenbereich. Schließlich stünden hier bloß einzelne landwirtschaftliche Gebäude mit Bestandsschutz. Sie gehörten zu den rechtlich zulässigen Bauten im Außenbereich - mobile Kleinhäuser dagegen nicht.

Thorsten Thane (links) mit seinen Mitstreitern von der Tiny-House-Bewegung.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Eine Argumentation, die bei Initiator Thane und dem Grundstücksbesitzer auch am Freitag noch Kopfschütteln auslöst. Deren Meinung nach argumentiert die Verwaltung mit falschen Fakten. Das Bild, das sie von dem Areal zeichnen, klingt so ganz anders als die abgehängte, zerklüftete Darstellung Goldsteins eines landwirtschaftlich geprägten Ortsteils. "Es gibt in der gesamten Ziegelei keinen einzigen Landwirt mehr", sagt Grundstücksbesitzer Harald Koelichen. Alle Häuser seien privat bewohnt, inklusiv eines Neubaus mit Swimmingpool. Wasser, Strom, geteerte Straße - es sei alles da, was ein Grundstück benutzbar mache. "Was das alles mit Außenbereich zu tun hat, kann man nicht begreifen", sagt er.

Koelichen möchte einen Teil seines Grundstücks an die Gruppe verpachten. Geplant waren sieben mobile Kleinhäuser mit Terrassen, Gemüsebeeten, Sanitäranlagen, Versorgungsraum und Dorfplatz. Nebenan sollte Koelichens Sohn ein weiteres "Tiny House" bewohnen. Dabei gehe es ihm nicht darum, aus seinem Grundstück später viel Geld zu schlagen, indem er es jetzt bebaubar macht, betont Koelichen: "Hier sollen Menschen zusammenleben können, die einander sympathisch sind."

Es ist ein Konflikt, der Fragen aufwirft. Kann man die rollenden Häusl mit richtigen Häusern gleichsetzen? Kann sich die Verwaltung also überhaupt auf ein Baurecht berufen, das lange vor den "Tiny Houses" verfasst wurde? Dass es bei allem offenbar durchaus Interpretationsspielraum gibt, hat Bauminister Hans Reichhart (CSU) am Mittwochabend angedeutet. Als Thane ihn in einer BR-Talkshow mit seinem Projekt konfrontiert, sagte er: "Die Kommune müsste einfach einen Bebauungsplan aufstellen. Das kann man relativ einfach und unkompliziert machen."

Ein Statement, das die Geretsrieder Verwaltung nicht überbewerten mag. "Der Minister kannte den vollen Umfang nicht", so Goldstein im Ausschuss. Hat die Stadt also Angst, einen Präzedenzfall zu schaffen? "Es geht da draußen einfach nicht", sagt Goldstein dazu schlicht.

Dass es wohl doch irgendwie geht, wollen Thorsten Thane und seine Mitstreiter nun zeigen. Mut hat ihnen auch der Zweite Bürgermeister gemacht. Hans Hopfner (SPD) hatte zwar kein Grundstücksangebot im Gepäck, wohl aber ermutigende Worte: Wenn das Baurecht es hergebe, "dann steht es außer Frage, so ein Projekt zu verwirklichen", sagte er. Ob man sich nun ein Grundstück innerorts suchen will oder einen neuen Anlauf in Gelting wagen will, kann Thane am Freitag noch nicht sagen: Erst einmal wolle man sich wieder sammeln, um dann eine Lösung zu finden. "Wir werden nicht aufgeben", sagt er.