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Wohnprojekt an der Birkenstraße:Klimaschutz contra Mieten

Penzberger Bauausschuss spricht über energetische Standards

Energiesparen und Klimaschutz sind zwei große Ziele, die sich auch die Stadt Penzberg auf die Fahnen geschrieben hat. Im Bauausschuss des Stadtrats kam es jüngst zu einer längeren Diskussion darüber, welche energetischen Standards die geplanten Wohnblöcke an der Birkenstraße haben sollen. 179 Wohneinheiten in sieben viergeschossigen Gebäuden sollen dort entstehen. Wohnungen, die die Stadt zu günstigen Mieten - möglichst unter zehn Euro pro Quadratmeter - an einkommensschwache Bürger abgeben möchte. Doch je teurer gebaut wird, desto höher muss die Miete veranschlagt werden. Weshalb im Gremium die Frage aufkam, ob ein niedrigerer Standard nicht doch ausreichend sei, um das Ziel "billiger Wohnraum" zu erreichen.

Architektin Gabriele Bruckmayer vom Münchner Büro H2M gab dem Gremium einen Überblick. Den Vorentwurf wollen die Planer in der März-Sitzung vorlegen. Bis dahin müssen sie noch einiges erledigen. Denn der Ausschuss sah sich nach dem Vortrag nicht in der Lage, den energetischen Standard festzulegen. Daher soll sich der erst im vergangenen Jahr vom Stadtrat beschlossene Fachbeirat Klimaschutz mit den Experten zusammen- und mit dem Thema auseinandersetzen.

Vorgesehen sind auf dem Hanggrundstück Drei- und Vierspänner mit Zwei-, Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen. Die Appartements im Erdgeschoss haben einen Garten. Die Gebäude verbindet eine Tiefgarage. 197 Stellplätze können die Planer dort nachweisen, benötigt werden allerdings 317. Wie die noch fehlenden 120 Stellplätze nachgewiesen werden können, wollte Thomas Keller (SPD) wissen. Bruckmayer hofft auf eine Änderung des Stellplatzschlüssels, den die Stadt selbst festlegen kann. "Wie sollen wir das schaffen?", fragte sich Keller - nicht der Einzige im Ausschuss, der diesen Punkt kritisch sah.

Im Übrigen sprach die Architektin davon, dass es sich um ein "Prestigeobjekt" handle. Die Bedenken im Gremium wegen der geplanten Begrünung der Dächer entkräftete sie. Ein "einfach begrüntes Dach" sei durchaus mit einer Photovoltaikanlage kombinierbar. Außerdem würden die Dächer durch Begrünung zu Wasserspeichern, was energetisch sinnvoll sei.

Länger diskutiert wurde über ENEV, KfW 40 oder KfW 55. Dabei handelt es sich um unterschiedliche energetische Standards. Die Crux: Je höher der Standard bei den Neubauten, desto teurer werden sie in ihrer Herstellung. Je mehr die Häuser kosten, desto höher müssen die Mieten kalkuliert werden. Und genau das will die Stadt Penzberg bei diesem sozial geförderten Wohnbauprojekt nicht. Die Fachleute verwiesen darauf, dass ein ENEV-Standard nicht mit dem der KfW-Varianten vergleichbar sei. "Die Ökobilanz bei hochwertig gedämmten Häusern muss nicht zwangsläufig gut ausfallen", sagte ferner Bauphysiker Frank Blessing. Das betonte auch Architektin Bruckmayer. Ihr sei die Auswahl der Baumaterialien wichtiger als die Festlegung auf einen der Standards, sagte sie. Johannes Bauer (Grüne) wollte daraufhin wissen: "Wieso überlegen wir, welchen Standard wir nehmen, wenn wir sie aufgrund verschiedener Rechenmodelle gar nicht vergleichen können?"

Es gebe noch zu viele offene Fragezeichen, war sich der Bauausschuss einig. Bis zur März-Sitzung sollen die Planer die Varianten durchrechnen, um sie vergleichen zu können. Auch will der Ausschuss Aussagen zu den Kosten haben. Der Fachbeirat Klimaschutz soll vorab hinzugezogen werden.

© SZ vom 17.02.2020
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