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Wohnen in Wolfratshausen:Petition für "Tiny Houses"

Der Wolfratshauser Filmemacher Thorsten Thane sammelt mit seinem Verein "Einfach gemeinsam leben" Unterschriften, um einen Bürgerantrag für Tiny Houses im Satdtrat zu erwirken. Für sein eigenes Haus auf Rädern, an dem er gerade baut, sucht er noch nach einem Stellplatz.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Thorsten Thane setzt sich seit Jahren für die alternative Wohnform im Kleinformat ein. Nun sammelt er Unterschriften für einen Bürgerantrag in Wolfratshausen. Das Ziel: ein klares Bekenntnis des Stadtrats.

Von Konstantin Kaip

Was Tiny Houses sind, muss man eigentlich nicht mehr groß erklären. Über die mobilen Minihäuser wird angesichts des Mangels an Wohnraum und Ressourcen schließlich seit Jahren viel berichtet. Für Thorsten Thane sind sie eine Aufgabe, denn er ist von dieser alternativen Wohnform überzeugt. Sein Traum von einer Siedlung im Geretsrieder Ortsteil Gelting ist zwar im vergangenen Jahr an den Bauvorschriften gescheitert. Mit seinem Verein "Einfach gemeinsam leben" macht er sich jedoch weiterhin bundesweit für mobile Kleinwohnformen stark - auch im Wolfratshauser Stadtrat. Im September hatte er die Fraktionen angeschrieben, sich für einen Grundsatzbeschluss zum Thema einzusetzen. Weil die gewünschte Resonanz aber ausblieb, sammelt er nun Unterschriften für einen Bürgerantrag. Die Forderung ist ein grundsätzliches Bekenntnis zu den mobilen kleinen Häusern, die ohne Bodenversiegelung Wohnraum auch für kürzere Zeiträume schaffen und so brachliegende Grundstücke nutzbar machen könnten. Etwa 200 Unterschriften braucht der Wolfratshauser nach eigenen Angaben, damit der Antrag im Stadtrat behandelt wird.

"Wir sehen in dieser Wohnform die Chance, zeitlich begrenzt Wohnraum auf Flächen zu schaffen, die ansonsten nicht genutzt werden", erklärt Thane. Dies könnten etwa große Gärten, das Umfeld von Höfen oder auch "Enkelgrundstücke" sein. Als "klare Vorteile" der Tiny Houses nennt er in der Begründung des Antrags, dass sie keinen Boden versiegeln, schnell eingesetzt und problemlos wieder entfernt werden könnten, sowie neue Gemeinschaftsformen ermöglichten, etwa ein "Wohnen für Hilfe". Man solle sie "da nutzen, wo es sinnvoll ist", so das Fazit des Filmemachers und seiner Mitstreiter. "Wir sehen mobile Kleinwohnformen nicht in Konkurrenz zu dringend benötigten hochgebauten Wohneinheiten, sondern als einen weiteren Lösungsansatz im Bereich der Wohnproblematik und als guten Weg, um soziale Anknüpfungspunkte zu schaffen." Es gebe viel Zustimmung, Grundstückseigentümer hätten jedoch auch Befürchtungen, weil die Wohnform Neuland sei, auch für Behörden. Wolfratshausen könne mit einem klaren Bekenntnis viele Hemmungen nehmen und "sich als 'Stadt am Puls der Zeit' präsentieren".

Wie Thane sagt, habe er die Fraktionen im Stadtrat Mitte September angeschrieben, sich für einen solchen Beschluss einzusetzen. Das sei jedoch "auf wenig Begeisterung gestoßen". Die CSU hat, wie sich auf Nachfrage herausstellt, das Schreiben zwar nicht erhalten. Weil sich auch die anderen Fraktionen aber entweder gar nicht zurückgemeldet hätten oder das Thema nicht aktiv angehen wollten, wolle man das Anliegen nun per Bürgerantrag in den Stadtrat bringen, sagt Thane. Wenn dieser von mindestens einem Prozent der Wahlberechtigten unterzeichnet wird, muss er dort behandelt werden. Das Bekenntnis der Stadt wäre laut Thane der "erste Schritt, um überhaupt in die Projektentwicklung zu gehen". Danach würde sein Verein auf Grundstückseigentümer und Interessenten zugehen.

Schmales Glück mit hohem Aufwand: Barbara Lexa musste für ihren Wohnwaggon Baumaßnahmen durchführen und Stellplätze nachweisen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Ein Grundsatzbeschluss verbessere zudem die Position des Vereins im Bemühen, bessere Rechtsgrundlagen für Tiny Houses zu schaffen - auch wenn das, wie Thane sagt, ein "dickes Brett" sei. Bisher sei Wohnen in Deutschland ausschließlich über das Baurecht geregelt, was "die zeitliche Nutzung eines Geländes ad absurdum führt". Ziel des Vereins sei es, für die mobilen Minihäuser so etwas wie ein "kleines Baurecht" oder ein "Stellrecht" zu ermöglichen, erklärt Thane, der selbst gerade an einem Tiny House baut und einen Stellplatz sucht. "Ich will ja keine Behörde mit ihren Vorschriften feindlich angehen, sondern am Ende eine Regelung, mit der alle zufrieden sind."

Wie schwierig die Lage derzeit ist, weiß Barbara Lexa. Die Musikerin wohnt schließlich im ersten genehmigten Tiny House des Landkreises, das im Wolfratshauser Ortsteil Farchet im Garten ihrer Eltern steht. "Das geht im Grunde genommen komplett an der Philosophie vorbei", sagt die bekannte Jodlerin. Ihr mobiles Häuschen auf Rädern des österreichischen Herstellers "Wohnwaggon" ist eigentlich auf Autarkie ausgelegt, mit Trockentoilette, Wassertank und Solaranlage auf dem Dach.

Doch weil es rechtlich als Gebäude der Klasse Eins gilt, musste es wie ein Einfamilienhaus genehmigt werden. Lexa musste zwei Stellplätze nachweisen und "große Baumaßnahmen" für Anschlüsse in die Wege leiten, die ihr Erspartes aufgebraucht haben, wie sie sagt. Über ihre Odyssee bei den Behörden hat sie ein Buch geschrieben, das sie im Eigenverlag vertreibt. Der Titel: "Tinyhouse, Träume und Tatsachen." Sie freue sich über Thanes Initiative für den Bürgerantrag. Ich bin sehr dankbar", sagt sie - "auch wenn es mir persönlich nicht mehr viel bringt". Von der erhofften Freiheit hat sie sich schon verabschiedet - ihr kleines Haus auf Rädern bleibt, wo es ist. Wenn sie es woanders hinbringen will, braucht sie nämlich eine Abrissgenehmigung.

Unterschreiben kann man im Laden "Ohnverpackt" (Obermarkt 29), bei "Keramik mal anders" (Untermarkt 45), in der Bäckerei Burger in Waldram (Weldenstraße 29), sowie am 6. Dezember zwischen 15 und 17 Uhr am Geschenkestand des Vereins vor der Loisachhalle. Den Antrag mit Begründung findet man auf der Internetseite www.einfach-gemeinsam-leben.info unter dem Reiter "Aktuelles"

© SZ vom 02.12.2020/aip
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