Zwei Jahre lange mussten sich die heimischen Unternehmen gedulden. Am Mittwoch war es dann soweit: In den Geretsrieder Ratsstuben ging der diesjährige Wirtschaftsempfang mit Speis und Trank über die Bühne, und Landrat Josef Niedermaier (FW) konnte die Freude nicht fassen: "Endlich können uns wieder zusammensetzen, feiern, und uns austauschen", sagte er gleich zur Eröffnung des Abends, an dem auch der Wirtschaftspreis 2022 vergeben wurde. Allerdings ließen der russische Angriffskrieg in der Ukraine und die aktuelle Energiekrise keine weiteren erleichterten Töne über die überstandene Pandemie zu, das wusste auch der Landrat. Er kam in seiner Rede daher sehr schnell auf die drängenden Herausforderungen zu sprechen. "In den vergangenen zwei, drei Jahren hatte ich das Gefühl, in eine Waschmaschine gesteckt worden zu sein", sagte er. "Dann steht man da und weiß nicht, wo vorne und hinten ist. Bei den Themen, die auf die Unternehmen und Verbände zurollen, wird mir ganz schwindlig", rief er in den Saal, in dem 300 Gäste aus Politik und Wirtschaft versammelt waren.
Klimawandel, Energieversorgung, Standortentwicklung: "Wer ein bisschen mehr Recht hat und wohin wir gehen, das ist die Herausforderung", sagte Niedermaier. Der Schleudergang habe seine Wirkung hinterlassen, jetzt gehe es darum, die Orientierung wiederzufinden. "Wir müssen demokratisch diskutieren und entscheiden. Diese Entscheidungen müssen wir dann auch akzeptieren. Das fällt gerade schwer", so Landrat, wohl mit Blick nach Berlin. Was öffentliche Verwaltung und Politik betreffe, beobachte er derzeit, dass beim Bewältigen der Energiekrise nicht alles zu 100 Prozent funktioniere. "Man hat das Gefühl, es darf keine Fehler geben." Die Aufgabe bestehe aber darin, den Lernprozess zu akzeptieren und Schlüsse aus den Fehlern zu ziehen. Niedermaier plädierte für eine offene Diskussion auch bei kontroversen Themen. Denn der gesellschaftliche Zusammenhalt sei auch "der Kitt für wirtschaftlichen Erfolg".

Als Vorzeige-Unternehmen ehrte der Landkreis dieses Jahr die Holz- und Metallmanufaktur DsignSolutions aus Bad Tölz, die HP Ingenieure mit neuem Betriebsstandort in Gelting, sowie die Firma Simon Haus und Holzbau aus Lenggries. Der Anerkennungspreis ging an den Kinder - und Jugendförderverein Wolfratshausen. Auf den ersten Blick erscheine es merkwürdig, einen gemeinnützigen Verein mit einem Wirtschaftspreis auszuzeichnen, sagte Klaus Heilinglechner, Bürgermeister von Wolfratshausen, in seiner Laudatio. Aber die Leistung, die der Verein für die Familien und damit für den Landkreis übernehme, sei enorm: Beruf und Familie ließen sich nur vereinbaren, wenn die Betreuung vor Ort gut organisiert sei. "Mittlerweile hat jedes Kind in Wolfratshausen einen Betreuungsplatz. Das verdanken wir dem Kinder- und Jugendförderverein und Geschäftsführer Fritz Meixner."
Was auffiel: Es sind beim diesjährigen Wirtschaftspreis fast ausschließlich Männer, die für ihr Unternehmertum prämiert werden. Das Duo Michael Mai und Fabrizio Bruno von DsignSolution, das in Tölz aus Holz und Metall Möbel herstellt, wurde für Nachhaltigkeitssinn und Beteiligung an sozialen Projekten geehrt. Das Architekturbüro HP Ingenieure, das Bauprojekte vor allem, aber nicht nur in Bayern plant und durchführt, wurde für Gestaltungswillen, Innovation und das soziale Arbeitsklima am Geltinger Firmensitz gelobt. Die Firma Simon Haus und Holzbau wiederum habe vor allem im nachhaltigen und biologischen Bauen seit 30 Jahren Vorbildcharakter, erklärte Jakob Bscheider, Obermeister der Zimmerer-Innung Miesbach/Bad Tölz-Wolfratshausen, in seiner Laudatio. Schadstofffreies Wohnen und Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen aus der Region machten Zimmermeister Bernhard Simon zu einem "Vorreiter in der Baubranche". Dafür bekam die Lenggrieser Firma auch schon diverse Gütesiegel verliehen. Mit dem Wirtschaftspreis des Landkreises kam nun eine weitere Ehrung hinzu.

