Die Fichten und Tannen, die Bernhard Simon in seinem Schlegldorfer Unternehmen zu "Lebenshäusern" verarbeitet, sucht er in den Isarwinkler Wäldern selbst aus. Sie werden nach dem Mondkalender geschlagen. "Der Mond hat eine besondere Kraft, das sieht man an den Gezeiten", sagt der Firmenchef. Mit Esoterik hat das bei ihm nichts zu tun; der Zimmermeister und ausgebildete Baubiologe ist ein bodenständiger Mann - und ein Vorreiter in Sachen ökologischer Holzhausbau.
Im Ausstellungsgebäude seiner Firma Simon Haus und Holzbau sind Deckenelemente ausgestellt, die nicht mit Leim, sondern mit Buchenholzdübeln verbunden sind. Oder massive Nut- und Federkonstruktionen ohne Metallteile für Blockhäuser. Als Dämmmaterial wird reine Holzfaser verwendet, Styropor oder Hartschaum sind tabu. "Die Häuser könnten nach dem Abriss größtenteils kompostiert werden", sagt Simon, der vier Kinder hat und seit Jahren bei der CSU aktiv ist. Wenn es um Materialien wie Lacke, Folien, Kleber oder geleimte Spanplatten in Häusern geht, reagiert der 58-Jährige allergisch. "Mir geht es darum, die Leute für gesundes, schadstofffreies Wohnen zu sensibilisieren".
Vor 32 Jahren hat der gebürtige Lenggrieser seine Firma in einer Garage gegründet, seit dem Jahr 2000 befindet sich der Firmensitz mit drei großen Hallen auf dem Gelände eines ehemaligen Sägewerks in Schlegldorf. Zum Team gehören 40 festangestellte Mitarbeiter, darunter sieben Frauen. Sechs Lehrlinge haben heuer ausgelernt. Vier werden übernommen, zwei hängen ein duales Studium an. An Fachkräftenachwuchs fehle es ihm nicht, sagt Simon. Man gebe sich viel Mühe mit den Lehrlingen, außerdem sei ihm ein gutes Betriebsklima wichtig. Dass sein Unternehmen nun den Wirtschaftspreis bekommt, sei vor allem den Mitarbeitern zu verdanken. "Denn alleine kannst du das nicht schaffen."
An die 25 Häuser im Radius von 100 Kilometern baut das Schlegldorfer Unternehmen pro Jahr, die regelmäßig vom Institut für Baubiologie und Nachhaltigkeit(IBN) zertifiziert werden - was in ganz Deutschland nur "eine handvoll Betriebe" schafften, wie Simon sagt. Die Auftragsbücher für kommendes Jahr sind bereits voll, obwohl die Baupreise um mindestens 15 Prozent gestiegen sind und staatliche Zuschüsse für energieeffiziente Neubauten gestrichen wurden. Die "Lebenshäuser" werden nach den Vorstellungen der Bauherrn geplant, in den Werkshallen in Schlegldorf vorgefertigt und schlüsselfertig aufgebaut. Holz sei ein wunderbarer Baustoff, schwärmt Simon: Er wächst nach, speichert auch im verbauten Zustand Co2 und sei durch eine spezielle Fertigungstechnik atmungsaktiv und resistent gegen Schimmel. Außerdem brauche man für die Verarbeitung von Holz deutlich weniger Energie als bei Ziegel. Dass der Rohstoff knapp werden könnte, sei nicht zu befürchten. "Pro Sekunde wächst in Bayern ein Kubikmeter Holz nach", erklärt Simon, der auf Bäume aus heimischen Bergwäldern setzt. Das reduziere Transportwege. Außerdem wüchsen Bäume in höheren Lagen langsamer, dadurch sei das Holz widerstandsfähiger. Was ihm auch wichtig ist: Dass sich Neubauten in die Umgebung einfügen. Ein supermoderner Flachdachbau neben einem denkmalgeschützten Bauernhof - "da weigere ich mich."