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Wirtschaft und Digitalisierung:Wolfratshausen will "smart" werden

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Die Stadt Wolfratshausen will gemeinsam mit dem Werbekreis und anderen regionalen Partnern eine digitale Informations- und Interaktionsplattform für die Stadt und den gesamten Wirtschaftsraum entwickeln.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Stadt und Werbekreis wollen eine digitale Interaktions-Plattform für Bürger, Gewerbe und Behörden entwickeln. Mit dem Konzept nehmen sie an einem Wettbewerb der Staatsregierung teil, die zehn Modellkommunen auswählt.

Von Konstantin Kaip

Die Stadt Wolfratshausen will gemeinsam mit dem Werbekreis und anderen regionalen Partnern eine digitale Informations- und Interaktionsplattform für die Stadt und den gesamten Wirtschaftsraum entwickeln. Mit dem Konzept hat sie sich beim Wettbewerb "Digital? Kommunal!" des bayerischen Staatsministeriums für Digitales beworben. Die erste Runde hat das Wolfratshauser Konzept im Februar bereits erfolgreich absolviert. Ende Juni sollen von einer Jury bayernweit zehn "smarte Kommunen" für die besten digitalen Lösungen ausgewählt werden und eine Förderung von insgesamt fünf Millionen Euro erhalten. Sollte Wolfratshausen dazugehören, soll die Münchner Firma Comm.Fact GmbH mit der Programmierung und Entwicklung der Plattform beauftragt werden. Das hat der Haupt- und Finanzausschuss im Stadtrat am Dienstag einstimmig beschlossen.

Mit der Plattform soll "die Standortgemeinschaft gebündelt präsentiert werden", erklärt Stadtmanager Stefan Werner. Wie das genau funktionieren soll, verrät er derzeit noch nicht. Die Präsentation werde wegen des laufenden Wettbewerbs nicht veröffentlicht. Es handle sich jedoch um eine "krisensichere Interaktions- und Informationsplattform sowohl für Bürger, als auch für Leistungsträger aus Gewerbe, Kommunalverwaltungen und Tourismus", verrät Werner. Man sei "im Gespräch mit relevanten Akteuren im Landkreis", auch mit dem Landratsamt.

Die Idee ist entstanden, als die "Mein WOR"-App, auf der sich zuletzt 56 Gewerbetreibende der Stadt präsentiert hatten, im vergangenen Sommer eingestellt wurde, weil der Partner City Points ausstieg. Bereits im Juli 2020 haben Stadtmarketing und Werbekreis nach einer Marktsondierung bei sechs Entwicklern eine Konzeptausschreibung gestartet. Von drei Angeboten hat dann im November ein Gremium aus privaten und öffentlichen Akteuren das Konzept der Münchner Comm.Fact GmbH als bestes ausgewählt.

"Ich bin zuversichtlich", sagt Stadtmanager Stefan Werner zur Bewerbung Wolfratshausens.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Wie der Werbekreis-Vorsitzende Hans-Joachim Kunstmann sagt, soll die neue App weit über das einstige "Mein WOR"-Angebot hinausgehen. Zwar hält auch er sich mit Details bedeckt. Dem Vernehmen nach wären auf der modular erweiterbaren Plattform aber auch Korrespondenzen mit Behörden, Buchungen und andere Interaktionen möglich. Das ist nicht nur in Pandemie-Zeiten interessant, sondern spart auch Wege und erfüllt so das Wettbewerbs-Kriterium der Nachhaltigkeit. "Etwas so Umfängliches existiert im Moment nicht", sagt Kunstmann zum Konzept der Plattform. Weil es auch von anderen Kommunen übernommen werden kann, hätte es auch den vom Ministerium geforderten Modellcharakter.

Laut Werner ist Wolfratshausen einer von 76 Bewerbern, die noch im Rennen sind. Bis zum 31. Mai muss die Stadt nun die letzten Antragsunterlagen einreichen, dann wählt eine Jury die zehn Modellkommunen aus - maximal drei aus einem Regierungsbezirk - die jeweils mit bis zu 500 000 Euro gefördert werden. Die Stadt müsste sich mit zehn Prozent an den Kosten beteiligen. Die Programmierung der Plattform soll zunächst etwa 106 000 Euro kosten. Im laufenden Haushalt haben die Stadträte vorsorglich 42 000 Euro bereit gestellt. Sollte der Zuschlag kommen, wird der Stadtrat auch über zusätzliche Personalstellen für die Umsetzung entscheiden müssen. "Ich bin zuversichtlich", sagt Werner zur Bewerbung der Stadt. In der Sitzung berichtete er von Vorgesprächen, in denen das Ministerium von einem "sehr runden Antrag" gesprochen habe.

Wird Wolfratshausen als "smarte Kommune" ausgewählt, soll die Plattform zunächst die Angebote der Stadt bündeln. Im wissenschaftlich begleiteten Projektzeitraum von drei Jahren soll sie dann auch im Einzugsgebiet verbreitet werden. "Sie vernetzt unseren Wirtschaftsraum und wird dadurch noch attraktiver", sagt Stadtmanager Werner. Auch in Geretsried ist das Interesse groß. Man befinde sich diesbezüglich bereits in einem "sehr engen Austausch" mit Wolfratshausen, sagt Rathaussprecher Thomas Loibl. "Im Sinne einer idealen Bündelung von Synergien im gemeinsamen Mittelzentrum" könne man sich künftig modular an der Plattform beteiligen, sobald sie in der Nachbarstadt etabliert sei.

© SZ vom 15.04.2021
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