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Wirtschaft im Oberland:Geiger Automotive zieht nach Penzberg

Streik Hörmann Penzberg

Allen Protesten zum Trotz musste HAP im Sommer dieses Jahres schließen. Auf das Penzberger Werksgelände zieht nun Geiger Automotive.

(Foto: Manfred Neubauer)

Der Autozulieferer legt seine Standorte in Murnau und Ziemetshausen zusammen und übernimmt das ehemalige HAP-Gelände an der Seeshaupter Straße

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

Die Zukunft des ehemaligen Werksgeländes von Hörmann Automotive Penzberg (HAP) ist gesichert. In einer Pressemitteilung erklärt die Geiger Automotive GmbH, ihre beiden bayerischen Werke in Murnau und Ziemetshausen auf dem Areal an der Seeshaupter Straße zu vereinen. Der Mutterkonzern Sanoh mit Sitz in Tokio hat der Verlagerung zugestimmt. Bis zum 31. Dezember 2022 soll der Umzug abgeschlossen sein. "Ich freue mich sehr über diese Entscheidung", sagt Bürgermeister Stefan Korpan (CSU).

In der Vorstandssitzung der Muttergesellschaft Sanoh sei beschlossen worden, die beiden bayerischen Produktionsstätten zusammen mit dem Hauptsitz von Geiger Automotive in Penzberg zusammenzuführen, teilt Geiger-Geschäftsführer Martin Thorbjörnson mit. Er wisse von der Entscheidung schon länger, sagt Korpan auf Nachfrage. Dass der Umzug nun endgültig spruchreif sei, habe er Montag erfahren. Es habe im Vorfeld Gespräche zwischen Geiger, dem Landratsamt Weilheim-Schongau und dem Penzberger Bauamt gegeben. Der Autozulieferer mit Hauptsitz in Murnau könne die ehemaligen HAP-Hallen ohne große Probleme umnutzen. Und vielleicht, so der Penzberger Bürgermeister, entsteht sogar der ein oder andere neue Arbeitsplatz.

Etwa 400 Mitarbeiter sollen am Standort Penzberg eine Beschäftigung finden. Laut Geschäftsführer Thorbjörnson wird allen Angestellten in Bayern angeboten, ins neue Werk nach Penzberg umzuziehen. Hierfür sagt das Unternehmen seinen Mitarbeitern Unterstützung zu, etwa in Form von Umzugszulagen oder bei der Suche nach Wohnraum. Entsprechendes werde mit dem Betriebsrat und der Stadt Penzberg ausgehandelt. Allerdings sieht der Autozulieferer, dass für Mitarbeiter im Werk in Ziemetshausen der Standort Penzberg wegen der Entfernung suboptimal ist. Das Management werde sich dafür einsetzen, einen Käufer für die Immobilie bei Augsburg zu finden - mit einer Übertragung von Mitarbeitern, Vermögenswerten und Unternehmen.

Als Grund, warum Penzberg den Zuschlag erhalten hat, nennt die Geschäftsführung der Geiger Automotive GmbH die geringe Auslastung der beiden Werke in Murnau und Ziemetshausen bei Augsburg und den fehlenden strategischen Vorteil durch zwei nahe beieinanderliegende Standorte. Dies habe sich währen der Corona-Pandemie nochmals deutlicher gezeigt, heißt es. Ferner gebe es in den bayerischen Werken keine wettbewerbsfähige Infrastruktur. So könnten wichtige Optimierungen im Bereich Produktion und Logistik nicht umgesetzt werden. Auch könnten die beiden Standorte nicht in eines der anderen deutschen Werke integriert werden, weil dafür der Platz fehle.

Die ersten Umzugsmaßnahmen sollen Ende dieses Jahres beginnen. Betroffen sind die Bereiche Verwaltung, Engineering, Vertrieb, Beschaffung und Logistik in Murnau. Danach folgt die Verlagerung der Produktion aus der Staffelseegemeinde. Sie soll bis Dezember 2021 abgeschlossen sein. Im August 2021 beginnt der Umzug des Werks in Ziemetshausen, der am 31. Dezember 2022 über die Bühne gegangen sein soll.

Das Werk in Penzberg verfügt über eine Produktions- und Logistikfläche von insgesamt 29 800 Quadratmetern sowie über Büros und Gesellschaftsräume mit einer Fläche von 3530 Quadratmetern. Geiger kündigt ferner an, am Standort Penzberg "stark" investieren zu wollen, um allen Anforderungen und der künftigen Ausrichtung gerecht zu werden. "Durch die Bündelung der Standorte Murnau und Ziemetshausen profitiert die Geiger Automotive GmbH von Kostenvorteilen, die die Zukunft und Nachhaltigkeit des Unternehmens sichern", erklärt Thorbjörnson.

HAP hatte am 30. Juni 2020 die Werkstore geschlossen. Zur Hörmann-Gruppe gehört eine eigene Immobiliengesellschaft, die im März dieses Jahres mitteilte, man habe mit Geiger einen geeigneten Pächter für das Areal an der Seeshaupter Straße 70 gefunden.

© SZ vom 30.09.2020

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