bedeckt München -2°

Geschlossene Skigebiete:Wie Wintersportler in Corona-Zeiten trainieren

Emily Wörle Ski Club

Wegen der Einschränkungen durch die Corona-Krise hat Emily Wörle ihr Training erheblich umgestellt.

Die Pandemie hat die Trainingsmöglichkeiten für Leistungssportler stark eingeschränkt. Nachwuchs-Skifahrerin Emily Wörle, Skitourengeherin Tatjana Paller und der Monoski-Weltmeister Georg Kreiter erzählen, wie sie ihren Sport trotzdem ausüben können.

Von Arnold Zimprich

Geschlossene Skigebiete bedeuten eingeschränkte Trainingsmöglichkeiten - auch Skiprofis aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen sind von den Corona-Bestimmungen betroffen. Dazu gehören das 15-jährige Ski-Nachwuchstalent Emily Wörle aus Bad Tölz, die 25 Jahre alte Lenggrieserin Tatjana Paller, die seit Anfang 2020 Mitglied in der Deutschen Nationalmannschaft Skibergsteigen ist, und der 35-jährige Eglinger Georg Kreiter, der 2015 die Weltmeisterschaft in der Monoski-Super Kombi und im Riesenslalom holte. Sie erzählen, wie sie mit den Corona-Einschränkungen umgehen.

SZ: Emily, Du bist im Landeskader des Bayerischen Skiverbands, nur dieser Status ermöglicht Dir momentan das Training unter Einhaltung der aktuellen Verordnungen. Wie ist das Jahr 2020 bei euch verlaufen?

Emily Wörle: Wir hatten ein abruptes Saisonende Mitte März. Somit sind viele Schneetage weggefallen, und wir haben gleich mit der Vorbereitung der neuen Saison angefangen. Vorbereitet haben wir uns größtenteils alleine - unsere Trainer haben Videotraining organisiert. Zum Ausdauertraining musste mein Papa als Trainingspartner herhalten. Im Sommer durften wir uns wieder mit einem strengen Hygienekonzept des Verbandes mit der Mannschaft vorbereiten und auch wieder auf Schnee trainieren.

Frau Paller, wie sah Ihr Training 2020 aus? Schließlich haben Sie im Dezember das erste Mal bei einem Weltcup-Rennen mitgemacht.

Tatjana Paller: Ich konnte fast uneingeschränkt im Sommer und Winter trainieren. Im Sommer habe ich viel in den Bergen zu Fuß oder mit dem Bike trainiert. Im Herbst sollte eigentlich Schneetraining auf den österreichischen Gletschern stattfinden, was aber aufgrund der Coronakrise nur teilweise durchgeführt werden konnte.

Sind Skitourengeher im Moment fein raus, weil sie nicht von den Pistensperrungen betroffen sind?

Na ja, so direkt würde ich das nicht sagen. In der aktuellen Schneelage sind auch wir Skitourengeher auf beschneite Pisten angewiesen, weil der Schnee im freien Gelände auf den Bergen in der Umgebung noch nicht ausreicht.

Herr Kreiter, Sie können auf 100 Starts im Weltcup und auf zwei Olympia-Teilnahmen zurückblicken, haben Ihre Karriere vor Kurzem allerdings beendet und sind inzwischen in der Nachwuchsförderung im Deutschen Para Skiteam (DPS) tätig. Wie sieht denn die Situation dort aktuell aus?

Georg Kreiter: Für das Nationalteam können Training und auch Rennen stattfinden - aber leider nicht im gewohnten Umfang. Vieles steht auf der Kippe und kann nur sehr kurzfristig geplant werden. Die Situation ist sowohl für das Organisationsteam, also für Verband und Trainer, als auch für die Athleten sehr belastend. Die im Februar 2021 geplante WM in Lillehammer wurde bereits abgesagt. Für einige Weltcup-Rennen im Januar ist bisher keine Entscheidung gefallen.

Vor welchen Herausforderungen stehen DPS-Sportler hinsichtlich ihres Trainings?

Die größten Herausforderungen liegen momentan in der Organisation von Trainingsmaßnahmen. Der Trainer muss deutlich mehr beachten als sonst: Ist das Skigebiet überhaupt geöffnet? Gibt es offene und geeignete Hotels in der Nähe? Welche sonstigen Einschränkungen gelten vor Ort? Wo kann man die Athleten testen lassen, um nicht in Quarantäne zu müssen?

Frau Paller, drücken die Einschränkungen auf die Stimmung?

Tatjana Paller: Bei uns ist die Stimmung top, es wird wie sonst auch mit Spaß am Sport trainiert, und wir lachen gerne. Es werden zwar alle Corona-Regeln eingehalten, aber es geht nicht den ganzen Tag nur um Corona, was zur Zeit wirklich gut tut.

SZ: Emily, bedeuten die Einschränkungen durch Corona einen Einschnitt für Deine Karriere?

Emily Wörle: Das ist schwer zu sagen. Hier in Deutschland haben alle Nachwuchstalente momentan die gleichen Bedingungen, insofern eher nicht. Aber die Athleten in Österreich, Italien und der Schweiz haben aufgrund der geöffneten Skigebiete sicher gerade einfachere Bedingungen. Wie sich das auswirkt, wird sich wohl erst die nächsten Jahre zeigen.

Und wie sieht Dein Training im Moment aus?

Aktuell trainiere ich mehrmals die Woche bei uns in der Region, es gibt ein paar Trainingsgelegenheiten, wo wir unter Einhaltung der Hygienevorgaben trainieren können - das Christa-Kinshofer-Skizentrum in Bad Wiessee und am Sudelfeld. Insgesamt haben unsere Trainer einen Wahnsinnsjob gemacht, der uns Athleten in Summe eine gute Vorbereitung ermöglicht hat. Auch die Verantwortlichen beim Skiverband haben sich für uns eingesetzt.

Frau Paller, durch die Abstandsbestimmungen erlebt das Tourengehen einen regelrechten Boom. Parkplätze an den Ausgangspunkten zu viel begangenen Touren sind überfüllt. Können Sie die Leute verstehen?

Tatjana Paller: Ja, absolut. Für mich als leidenschaftliche Skitourengeherin gibt es viele Gründe, diesen Sport tagtäglich auszuüben. Da kann ich sehr gut verstehen, wenn andere auch Lust darauf haben. Gerade jetzt muss man auf vieles verzichten, doch zum Glück bleibt uns die Natur. Selbst wenn zurzeit sehr viele Skitourengeher unterwegs sind, kann man im Freien gut Abstand halten.

Herr Kreiter, was wünschen Sie sich für den Para-Skinachwuchs, wenn die Epidemie einmal eingedämmt ist?

Georg Kreiter: Ich wünsche mir, dass alle die Pandemie gesund überstehen, und dass bald wieder Lehrgänge stattfinden können. Dass der Nachwuchs auch zuhause fleißig ist, seine Motivation für den Leistungssport nicht verliert und wir noch in dieser Saison mit neuem Elan, Spaß und Freude auf die Piste gehen können.

© SZ vom 07.01.2021/kafe/van
Zur SZ-Startseite
Kaprun THEMENBILD - Gondeln der MK Maiskogelbahn und eine Schneekanone in Betrieb. Im Hintergrund das Kitzsteinhorn, au

SZ PlusAnsturm auf Wintersportorte
:"Dreht um, kommt nicht in die Skigebiete"

Gedränge an den Liften, gesperrte Zufahrtsstraßen und Touristen, die die Quarantäne missachten: Vielerorts herrschte Chaos in den Bergen. Doch haben Gemeinden und Wintersportler aus den vergangenen Tagen gelernt?

Von Isabel Pfaff, Zürich und Dominik Prantl, Hinterstoder

Lesen Sie mehr zum Thema