Als Naturschutzranger ist Sebastian Frölich in den sensiblen Bergregionen des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen rund um die Isar und den Walchensee unterwegs. In dieser Funktion lässt der 40-jährige Naturfotograf seine Kamera allerdings zu Hause. „Ich mache ganz viele Aufnahmen auch nicht“, sagt er. Denn der Zwiespalt, nach dem besten Bild zu suchen und dafür selbst in Dämmerungszeiten unterwegs zu sein, was etwa für das Wild problematisch sei, beschäftigt ihn. „Es geht nicht darum, viele Bilder zu machen. Es geht darum, das Richtige mit den Bildern zu machen und wie sie entstehen“, so Frölich.
Beispielhaft dafür steht für den Fotografen eine Aufnahme von zwischen Algenpflanzen eingeschlossenen Gasbläschen, die im Wasser eines Moortümpels im Tiroler Platzertal grünlich-leuchtend aufsteigen. Der dazwischen sich bewegende, bräunliche Springschwanz ist mit bloßem Auge kaum zu erkennen, weil das Insekt nur einen Millimeter groß ist.

Es ist eine besondere Aufnahme, mit der Frölich auch die Jury des London Natural History Museums überzeugen konnte. Als Wildlife Photographer of the Year in der Kategorie „Wetlands – The bigger picture“ prämierten deren Mitglieder heuer den Naturfotografen aus Mittenwald für dieses Bild. Die Auszeichnung gilt als eine Art Oscar der Naturfotografie.
Die Auszeichnung sei unbezahlbar, so Frölich
„Das ist unbezahlbar, weil es mir die Möglichkeit gibt, über das Platzertal, über Moore, Feuchtgebiete und den Naturschutz zu reden“, sagt Frölich. „Das erhöht die Chancen, das Tal zu schützen.“ Dort plant die Tiroler Wasserkraft AG einen Speichersee mit Staumauer. Laut Frölich würden damit nicht nur die sensiblen Moorflächen, sondern eines der letzten intakten Ökosysteme dieser Art zerstört.
Im Auftrag des World Wildlife Fund (WWF) Österreich war er für Bilder im Platzertal unterwegs und hat daraus ein Buch erarbeitet. „Ich brauchte ein Foto, um das Thema Kohlenstoffdioxid-Speicherung von Mooren ansprechen zu können“, beschreibt der Naturfotograf die Intention hinter der prämierten Aufnahme. „Moore speichern rein technisch gesehen mehr CO2 als jeder Wald.“
Für Frölich geht es darum, durch seine Aufnahmen auf bedrohte Naturlandschaften aufmerksam zu machen. So will er eine möglichst große Öffentlichkeit davon überzeugen, wie bewahrenswert unsere Umwelt und Natur sind. „Das Platzertal steht für mich stellvertretend für ganz viele Flächen bei uns, die teilweise direkt neben unserem Garten, neben unserer Haustür sind“, sagt Frölich. „Macht es Sinn, die letzten verbliebenen Naturschätze, die wir haben, jetzt zu zerstören?“, fragt er sich.
Viele solche bedrohte Naturlandschaften gibt es für den Fotografen auch im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Als Naturfotograf macht Frölich immer wieder auch negative Erfahrungen. Er schildert etwa, wie er erlebt habe, dass Bergwanderer während der Balzzeit der bedrohten Birkhühner zum Biwaken auf einen Gipfel gestiegen seien. Was sie damit anrichteten, habe er aufzuklären versucht. „Darauf haben die nur reagiert, wer ich überhaupt sei.“
Die Menschen müssten lernen zurückzutreten, so der Naturfotograf
Angesichts permanent wachsender technischer Möglichkeiten und damit der Fähigkeit praktisch jeden Fleck der Erde für Bodenschätze und dergleichen plündern zu können, sieht Frölich die Menschheit zunehmend in der Verantwortung für ihr Handeln und die Notwendigkeit über Sinn und Sinnlosigkeit nachzudenken. „Nur weil wir Dinge technisch machen können, bedeutet dies nicht, dass wir diese tun müssen.“
Bereits als Kind begann Frölich zu fotografieren. Ehe er daraus einen Beruf machte, übte er jedoch unterschiedliche Tätigkeiten aus. Mit 16 Jahren fing er im Ruhrgebiet eine Ausbildung zum Tierpfleger an. In München lernte er als junger Mann Krankenpfleger, was er als Beruf etwa 19 Jahre ausübte. Zum Fotografieren fuhr er währenddessen rund um Kochel- und Walchensee. Später zog er der Liebe wegen nach Mittenwald. Von dort ist er viel im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen unterwegs.

„Die Vielfalt macht die Region aus“, sagt Frölich. „Wir haben Berge, wir haben Höhenlagen, wir haben Wälder, wir haben Moore, wir haben Flüsse, wir haben Seen, wir haben Wiesen.“ Mit seiner Fotografie zu zeigen, dass diese Kulturlandschaft bewahrt werden müsse. Das sei sein Ziel, so Frölich.
An einem Mittwoch Ende Oktober 2025 kommt er gegen Mittag aus den Loisach-Kochelseemooren, wo er für eine Multivisionsshow Aufnahmen machte, zum Kloster Benediktbeuern. Der Rucksack mit seiner Ausrüstung liegt schwer auf seinen Schultern.
Seit er im Platzertal gewesen ist, fasziniert ihn der Lebensraum Moor besonders. „Moore beherbergen Spezialisten – vom Sonnentau bis zu diversen Insekten wie dem Hochmoor-Bläuling. Das ist etwas so Einzigartiges, das mich total in den Bann gezogen hat.“
Auf Kameradrohnen verzichtet Frölich bewusst, weil die Fluggeräusche insbesondere das Wild aufscheuchten und er die Drohnen generell als Störung empfinde. Auch wenn er sich manchmal ärgere, weil er ein tolles Motiv sehe, lasse er heutzutage die Kamera auch öfter einmal zu Hause. Er habe begriffen, dass er gerade für sensible Naturlandschaften eine Störung sei, wenn er fotografiere und sich dort länger aufhalte, sagt er. Wenn er aber fotografiere, gehe es ihm darum möglichst viele Facetten der Natur sichtbar zu machen, eventuell sogar solche, die man auf den ersten Blick gar nicht wahrnimmt.

