bedeckt München 14°

Werkschau:Aquarelle aus Vaters Nachlass

Mit wilden "Seelenlandschaften" verzückte der 2001 verstorbene Künstler Walter Habdank gegen alle Modetrends die Kunstfreunde. Nun sind seine expressionistischen Werke in einer Ausstellung zu sehen

Von Katja Sebald, Berg

Wie ein kraftvoller Gegenentwurf zum aktuellen grauen Novemberwetter vorm Fenster wirkt die große Bilderwand in der "Galerie Habdank" in Berg: In einer Ausstellung sind Aquarelle aus dem Nachlass des 2001 verstorbenen Künstler Walter Habdank versammelt. Seit dem Tod seiner Frau Friedgard Habdank im November 2015 führen die drei Söhne die Tradition der Galerie und der herbstlichen Ausstellungen fort.

Walter Habdank lebte von 1979 bis zu seinem Tod mit seiner Familie auf der Maxhöhe in Berg. Der Umzug an den See und das Leben inmitten der Natur führten für den Künstler, der sich vor allem mit seinen expressionistischen Holzschnitten einen Namen gemacht hatte, zu einer ganz persönlichen "Entdeckung der Landschaft". Von einer "Befreiung in der Landschaft" möchte gar Thomas Zacharias in seinem Text zur aktuellen Ausstellung sprechen.

Habdank, der 1930 in Schweinfurt geboren wurde und in der unmittelbaren Nachkriegszeit in München bei Walter Teutsch Malerei und Grafik studierte, widersetzte sich mit seinem unbedingten Beharren auf der Gegenständlichkeit allen Moden seiner Zeit. Bekannt ist er bis heute vor allem für seine Gebärdefiguren, für Menschen mit großen Köpfen, großen Augen und starkem Gesichtsausdruck, mit großen Händen und starken Gesten. Habdank nutzte expressionistische, im besten Sinne "holzschnitthafte" Darstellungsweisen, um tief gefühlten Glauben zum Ausdruck zu bringen. Neben klassischen biblischen Einzelthemen gehören zu seinem Oeuvre Bildzyklen zur Schöpfung, zu den Werken der Barmherzigkeit oder dem Kreuzweg. Mit der abstrakten Nachkriegsmoderne und ihren neuen Themen wollte er am liebsten gar nicht in Berührung kommen.

War es nun die dem Holzschnitt geradezu konträre Technik des Aquarells oder war es das Nicht-Produzieren-Müssen bei den Malaufenthalten in der Natur: Jedenfalls scheint es, als habe Habdank sein eigenes Diktum vergessen, wenn er auf den Starnberger See oder die Berge blickte und das Gesehene mit breitem, großzügigen Pinsel und leichter Hand auf große Bögen von weichem, handgeschöpften Papier übertrug. "Manche Landschaften Kandinskys aus seiner Zeit in Murnau enthalten mehr gegenständliche Hinweise als Habdanks Aquarelle aus Oberbayern", wundert sich Zacharias über seinen einstigen Schulfreund. Und weiter: "Die besten Blätter strahlen Vitalität und Kühnheit aus, rhythmischen Fluss und musikalischen Farbzauber, frisch, als sei das Wasser kaum getrocknet."

Tatsächlich reicht die Bandbreite der Aquarelle, von denen einige gerahmt zu sehen sind und eine weitere Auswahl zum Blättern ausliegt, von Landschaften in fast noch impressionistischer Manier bis hin zu expressiven Farbexplosionen. Manchmal sind die tatsächlichen landschaftlichen Gegebenheiten noch zu erkennen, etwa der Blick nach Leoni hinunter oder das Seeufer in Ambach. Im Murnauer Moos stehen herbstlich gefärbte Bäume in glühenden Rostrottönen vor der lilablauen Bergkulisse und einem beinahe pinkfarbenen Himmel im Abendlicht. An winterlichen Tagen ragen die Berge in einem bedrohlichen Schwarzblau auf, bei Gewitterstimmung leuchten sie tiefblau über dem türkisfarbenen See. Und je weiter sich Habdank von der gegenständlichen Welt entfernt und sich ins Lichtflirren, Wolkenglühen und Seeglänzen fallen lässt, je freier und kühner er wird, je mehr er die Farbe hinwirft, spritzt und schmiert, desto besser werden seine wilden "Seelenlandschaften".

Die Ausstellung ist noch bis zum 20. November wochentags von 17 bis 21 Uhr und am Wochenende von 14 bis 21 Uhr in der Galerie Habdank, Maxhöhe 34 in Berg, zu sehen.

© SZ vom 14.11.2016
Zur SZ-Startseite