Der Klapperstorch ist da. Nicht nur einer, sondern gleich ein Pärchen von Weißstörchen hat sich häuslich in Bichl im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen eingerichtet. Die Tiere brüten in einem Ersatznest, das die Deutsche Bahn im Zuge von Sanierungsmaßnahmen an der Strecke zwischen Kochel am See und Tutzing im vergangenen Jahr errichtet hat. Und weil die Freude über die neuen Bewohner groß ist, haben Herr und Frau Storch auch Namen bekommen. Kinder der Bichler Kita haben sie „Reßi“ und „Wiggal“ getauft.
Schon 2025 lud die Bahn ein, um den Ersatzbau vorzustellen. Das Unternehmen hatte die teils noch aus den 1930er-Jahren stammenden Oberleitungen auf 35 Kilometern Länge ausgetauscht. 600 neue Masten stellen seitdem sicher, dass zuverlässig Strom fließt. Unweit des Bichler Bahnhofs stand ein alter Mast im Weg und musste entfernt werden. Auf ihm befand sich ein Storchennest, das nicht mehr gerettet werden konnte.

Um den geschützten Vögeln eine neue Heimstatt zu bieten, entschied sich die Bahn, ein Ersatznest bauen zu lassen. Das kommt nicht sehr häufig vor, berichtete Eva Lutz, Projektingenieurin für Natur- und Artenschutz bei DB Infrago, beim Ortstermin. „Wir freuen uns, dass unser Storchenhorst so schnell angenommen wurde. Unsere Idee, den Horst mit einem Nistkorb auszustatten, ist damit voll aufgegangen.“
Zunächst blieb das Ersatznest leer. Im März ist das Weißstorchen-Paar dann eingezogen. Nun hoffen die Beteiligten, dass Reßi (von Theresia) und Wiggal (Ludwig) auch Nachwuchs bekommen und großziehen. „Das ist heute sozusagen ein Neubürgerempfang“, sagte Bichls Bürgermeister Helmut Oppel beim Termin. Im vergangenen Jahr sei die Skepsis noch groß gewesen, ob die Störche den künstlichen Nistplatz annehmen würden. „Aber bei denen scheint die Wohnungsnot auch akut zu sein.“
Dass in der Planung und Konstruktion des Ersatznestes jede Menge Hirnschmalz stecke, erklärte DB-Projektingenieurin Lutz. „Wir haben uns viele Gedanken gemacht.“ Die Planung habe ebenso ein paar Monate in Anspruch genommen wie der Bau selbst. Statik, Gründung und Ausgestaltung seien wohldurchdacht worden. „Dann mussten wir noch Firmen finden, die das umsetzen konnten“, so die Umweltingenieurin.
Etwa neun Meter ist der Mast hoch, das Nest hat mehr als einen Meter Durchmesser. Das Fundament musste entsprechend stabil ausgeführt werden, da ein Storchennest im Laufe der Zeit gut eine Tonne wiegen kann, denn die Tiere bauen ihr Zuhause nach und nach weiter mit Nistmaterial aus. Kosten: zirka 40 000 Euro. „Wir hatten damals keine Erfahrungswerte“, so Lutz. Dafür können nun Kolleginnen und Kollegen aus dem Bundesgebiet von den Bichler Planungen profitieren. Anfragen aus Norddeutschland seien schon eingegangen.

Störche sind ortstreu. Daher die Hoffnung, dass Wiggal und Reßi dauerhaft sesshaft werden. Wie das Pärchen ein paar hundert Meter weiter in Richtung Bahnhof. Dort konnte ein alter Mast mit einem bestehenden Nest erhalten werden. Die Bahn hat kurzerhand um ihn herumgebaut. „Die Population hat sich gut erholt“, sagt Bürgermeister Oppel. Bei der Hagelkatastrophe 2023 waren zahlreiche Tiere getötet worden. Im Raum Bichl und Benediktbeuern leben vergleichsweise viele Weißstörche, da die Loisach-Kochelsee-Moore ihnen einen idealen Lebensraum bieten.

