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Wandertipp in Bad Tölz-Wolfratshausen:Die fast geheime Waldpyramide vor den Karwendelspitzen

Der 1532 Meter hohe Staffel in der Jachenau zählt zu den stilleren Bergen im Isarwinkel. Auf dem baumbestandenen Gipfel im Schatten der klassischen Tourenziele bietet sich aber eine spektakuläre 360-Grad-Perspektive.

Wer vom Staffel hört, denkt womöglich zuerst an den gleichnamigen See oder die Alm am Anstieg zum Rabenkopf. Denn vom Tal wirkt der pyramidenförmige Berg in der Jachenau optisch kaum spektakulär. Der Staffel hat keinen markanten Gipfelaufbau. Bis oben hin ist die Erhebung im Süden des Weilers Niggeln bewaldet. Nur das Gipfelkreuz spitzt am höchsten Punkt auf 1532 Metern Seehöhe hervor.

Viele Wanderer werden den Staffel übersehen und sich lieber bekannteren Bergen am nahen Walchensee wie dem Jochberg zuwenden. Dafür entgeht ihnen allerdings einer der weit umfassendsten Rundumblicke im gesamten Isarwinkel. Nahezu alle bekannten Gipfel der Region sind von oben auf dem Staffel zu sehen - vom Herzogstand, Jochberg und der Benediktenwand bis zum Seekarkreuz, dem Schafreuter mit seiner lang gezogenen Schulter und den Felswänden des Karwendelgebirges im Süden. Gegen Südwesten ragt das klotzige Massiv der Zugspitze in den Himmel.

Wer im Schatten der alpinen Klassiker wandern möchte, muss allerdings für Proviant sorgen. Denn eine bewirtschaftete Alm gibt es am Staffel nicht. Die Wanderer müssen Getränke und Essen für die Tour im Rucksack nach oben tragen. Das mag auch ein Grund sein, warum viele den Gipfel links liegen lassen und er bis heute deshalb ein Geheimtipp ist.

Ausgangspunkt der knapp vierstündigen Tour ist der Ortsteil Bäcker, etwa drei Kilometer östlich von Jachenau. Dort hält auch die Buslinie 9595, die von Lenggries bis in das von Osten nach Westen verlaufende Tal führt. So ist der Ausgangspunkt der Wanderung auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen - selbst von München aus: Zum Beispiel kann es erst mit der Bayerischen Oberlandbahn, kurz BOB, nach Lenggries gehen und dann eben weiter mit dem Bus. Autofahrer müssen im Jachenauer Ortsteil Bäcker nach links abbiegen und über die Brücke, die den Fluss namens Jachen überquert. Auf deren rechter Seite gibt es einen Wandererparkplatz.

Zum Aufstieg auf den Staffel empfiehlt sich die Ost-Route. Entsprechende Schilder leiten die Wanderer über die Straße linker Hand des Parkplatzes an einigen wenigen Häusern vorbei auf einen freien Wiesengrund. Über einen Feldweg geht es ein kurzes Stück in östlicher Richtung und dann nach rechts in den Wald hinein. Durch Mischwald schraubt sich ein Pfad im Raitgraben mal mehr, mal weniger steil hinauf. Erste kleine Ausblicke zeigen sich dem Wanderer auf den Jochberg und den Hirschhörnlkopf im Nordosten. Der schmale Weg trifft schließlich auf eine breitere, kiesbedeckte Forststraße. Ihr folgen die Wanderer wenige Minuten ansteigend, bis wieder ein schmalerer Pfad nach links abzweigt.

Eine hölzerne Brücke führt über ein plätscherndes Bächlein, ehe der Weg in ein flacheres Waldstück überleitet. Im Südwesten blitzt zwischen lichtem Baumbestand ein Stückchen des Sylvensteinspeichers auf. Über lichte Wiesen geht es nun am Osthang des Staffels bergauf. Ein kurzes Stück führt der Pfad haarscharf an einem steilen Wiesenhang vorbei. Im Weidegebiet rund um den Staffelalm-Hochleger weitet sich dann der Blick. Die erste der drei Hütten zeigt sich, und die Wanderer stehen nach etwa zwei Stunden Gehzeit auf der Südflanke des Gipfels.

Im Süden ist der Schafreuter, manchmal auch Schafreiter genannt, mit seiner markanten, lang gezogenen Schulter kaum zu übersehen. Vor den Felswänden des Karwendel hebt sich der Vorderskopf mit seinem ungewöhnlich platten, von einer großen Wiese gekrönten Gipfel ab.

Die Zeit des Almsommers ist für die Kühe am Staffel Mitte Oktober schon beendet. Ohne dass dem Wanderer nun ein Tier begegnet, dauert es nun nur noch eine knappe halbe Stunde bis hinauf zum Gipfel. Gelblich-feuerrot grüßt ein Laubbaum kurz vor dem Ziel auf einem mit Steinen besetzten Wiesenhang. Um das Gipfelkreuz herum können sich die Wanderer auf einigen Holzbrettern setzen.

Das Panorama von dort oben sollte jeder während einer ausgiebigen Pause auf sich wirken lassen. Die 360-Grad-Perspektive vom Staffel aus ist wirklich beeindruckend. Eine Panorama-Tafel zeigt die Massive beim Blick nach Norden. Im Osten reicht die Sicht über die Berge bei Lenggries bis in die Tegernseer Region. Im Süden grenzen die Zacken des Karwendel die Aussicht gegen das Inntal ab.

Nur schwer kann sich der Wanderer vom Gipfel des Staffel trennen. Hinunter ins Tal geht es über die West-Route. Zuerst heißt es, dem Anstiegsweg bis zum Staffelalm-Hochleger zu folgen. Ein gut eingetretener Pfad leitet nach rechts auf eine Almhütte zu, führt oberhalb an dieser vorbei in die pittoreske Südwestflanke des Staffel. Die nur licht von Bäumen besäumten, steilen Wiesenhänge quert der nur leicht absteigende Pfad bis zum Waldrand. Der schmale Pfad führt jetzt steiler nach unten, quert mehrmals einen breiteren Weg und führt hinab bis zum Wilfetsgraben. Kurz vor den Schildern Richtung Luitpolder und Lainer Alm müssen die Wanderer an einem Bach darauf achten, sich rechts zu halten. Auf rauem, steinigen Weg geht es weiter hinab bis zu einer breiten Forstpiste. Ihr folgen die Wanderer Richtung Bäcker und biegen dazu nach rechts ab. Der Wegweiser "Niggeln" gibt die Richtung vor. Nach einem kurzen Steilstück öffnet sich die Talsohle der Jachenau. An einem historischen Steinmarterl vorbei führt der Weg durch flache Wiesen auf einen Bauernhof zu, mündet auf dessen Südseite in eine Straße, die wieder zum Ausgangspunkt der Tour zurückführt.