Sport in Wolfratshausen:„Mehr als nur rumhängen und Skateboard fahren“

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Rollen in Wolfratshausen: ein Skater auf der Anlage der R.A.I. in Waldram. (Foto: Hartmut Pöstges)

Die Roll-Active-Initiative hat den Skateplatz in Wolfratshausen geschaffen und entwickelt ihn ständig weiter. Gerade erst wurde eine neue Rampe gebaut. Der Vorsitzende Maximilian Becker erklärt, was man dabei alles lernen kann.

Interview von Mia Zaepernick, Wolfratshausen

Maximilian Becker ist Mitbegründer und seit zehn Jahren Vorsitzender der Wolfratshauser Roll-Active-Initiative (R.A.I.). Der Skateboard-Verein hat inzwischen etwa 60 Mitglieder. Und er ist nicht nur ein Verein für Teenager: Das Alter der aktiven Skater reicht bis Mitte 30, das jüngste Mitglied ist zwölf Jahre alt. In den vergangenen Wochen hat die R.A.I eine neue Skaterrampe im Skatepark Waldram aufgebaut. Im Gespräch erklärt Becker, was man darauf alles machen kann und warum die Skater stolz auf das Projekt sein können.

SZ: Herr Becker, Flips, Grinds oder Slides: Welchen Skateboard-Trick machen Sie am liebsten, um einem Nicht-Skater etwas vorzuführen?

Maximilian Becker: Ich glaube, der Klassiker, der sogenannte Kickflip, kommt immer gut an (lacht). Dabei flippt man das Board in der Luft einmal um seine Längsachse.

Welche Projekte hat die Roll-Active-Initiative denn in letzter Zeit umgesetzt?

Zuletzt konnten wir alte Skaterrampen im Park austauschen, die inzwischen in die Jahre gekommen waren. Nun haben wir eine neue, moderne Rampe gebaut, die besser in das Layout des Skateparks passt und von erfahrenen Skatern und Anfängern genutzt werden kann. Nach dieser Aktion ist der gesamte Park fürs Erste grundsaniert, und es gibt keine baufälligen, alten Rampen mehr. Neue Projekte stehen jedoch immer an.

Beim Aufbau der neuen Skaterrampe in Waldram haben rund 20 Menschen mitgeholfen. (Foto: Privat/oh)

Wie wurde der Neubau der Skaterrampe finanziert und umgesetzt?

Die Finanzierung konnten wir durch Zusammenarbeit mit dem Team des gescheiterten Projekts Surfwelle Wolfratshausen stemmen, in dem wir einen Teil der Spenden in unser Projekt einfließen lassen konnten. Beim Aufbau der Rampe haben sowohl Mitglieder unseres Vereins als auch andere Freiwillige mit angepackt. Die Firma Gedo Skateparks aus Geltendorf hat uns unterstützt. Mit dieser Firma haben wir schon in der Vergangenheit oft zusammengearbeitet. Sie hat ein besonderes Angebot, speziell für diese Art von Projekten: Wenn Freiwillige beim Aufbau mithelfen, gibt es einen Preisnachlass von fünf Prozent. Bei dem Preis unseres Projekts hat sich das gelohnt.

Wie ist es zur Gründung der R.A.I. gekommen?

Als 2005 der neue Aldi in Wolfratshausen dort gebaut wurde, wo unser Skatepark früher stand, haben wir, die Skateboard-Community und andere Rollsportler, zusammen mit dem Kinder- und Jugendförderverein einen neuen Standort gesucht. Wir wussten, wenn wir weiterhin einen Skatepark in der Stadt haben möchten, dann müssen wir aktiv werden. Wir haben über den Zeitraum von zwei Jahren Spenden gesammelt und konnten damit schlussendlich den Skatepark an der jetzigen Stelle in Waldram wieder aufbauen. Danach haben wir die R.A.I. gegründet, um den Park weiterhin instand halten zu können. Seitdem ist sie unter anderem für Pflege und Instandhaltung des Skateparks zuständig.

Maximilian Becker ist Mitbegründer und seit zwölf Jahren Vorsitzender der Roll-Active-Initiative. (Foto: Privat/oh)

Sie waren bei der Gründung der R.A.I dabei. Was ist Ihre jetzige Rolle im Verein?

Ich bin seit 2014 der erste Vorsitzende der Initiative. Im Vorstand sind wir aber insgesamt zu sechst und kümmern uns gemeinsam um alle Belange. Das heißt, wir halten Kontakt mit unserem Dachverband, dem Kinder- und Jugendförderverein, aber auch mit der Stadt Wolfratshausen und der mobilen Jugendarbeit. Der Mobile Jugendarbeiter Simon Friedt arbeitet beispielsweise eng mit uns zusammen und ist auch viel vor Ort. Wir achten zudem darauf, dass im Skatepark alles gut läuft und nichts kaputtgeht. Gleichzeitig veranstalten wir auch Ausflüge, Skateboard-Contests und vieles mehr.

Was ist das Besondere an dieser neuen Rampe?

Sie wird vor allem als Anfahrtsrampe genutzt. Das heißt, von ihr fährt man runter, um zu der Rampe zu gelangen, die in der Mitte des Skateparks steht. Da man für einen Teil der mittleren Rampe viel Schwung braucht, haben wir in die neue Rampe einen höheren Punkt eingebaut, 1,70 Meter über dem Boden. Insgesamt haben wir in der Planung sehr darauf geachtet, dass wir den Platz des Parks gut ausnutzen. Uns war wichtig, in alle Richtungen von der Rampe herunterfahren zu können, um die Rampe selbst für Tricks nutzen zu können. Davor konnte man nur von zwei statischen Punkten aus losfahren.

Die neue Rampe ist nach zwei Tagen Arbeit fast fertig. In Zukunft können Skater sie in im Skatepark Waldram nutzen. (Foto: Privat/oh)

Was können die Kinder und Jugendlichen bei einer solchen Aktion lernen?

Sie sehen, wie so ein Projekt umgesetzt wird und wie ein Bau abläuft. Uns ist wichtig, dass sie nicht einfach vor vollendete Tatsachen gestellt werden und die Veränderung am Park mit planen und gestalten können. Alle dürfen unter unserer Aufsicht mithelfen.

Die R.A.I ist eine von Jugendlichen aufgebaute Initiative. Was kann man als Erwachsener aus diesem Projekt lernen?

Man kann daraus lernen, dass man aktiv sein muss, wenn man Dinge bewegen will. Veränderung muss man oft selbst anstoßen. Und genau das tun wir mit unserer Initiative schon seit 17 Jahren. Der Skatepark zieht so viele Menschen an, und genau das zeigt uns, dass sich das, was wir machen, lohnt und gut ankommt. In einem Skatepark passiert nämlich so viel mehr als nur rumhängen und Skateboard fahren. Uns ist es wichtig, dass der Sport im Mittelpunkt steht und allen zugänglich ist.

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