Waldram Badehaus-Verein tagt erstmals in der Dokumentationsstätte

Noch gleicht das Badehaus an manchen Stellen einer Baustelle. Dennoch blickten die Mitglieder dort bereits voller Stolz auf das Geleistete zurück.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Bei der Jahresversammlung berichtet Zeitzeuge Robbi Waks von seiner Kindheit im Lager für Displaced Persons im damaligen Föhrenwald.

Von Thekla Kraußeneck

Im Badehaus herrscht Gedränge: Helfer trocknen regennasse Bierbänke und tragen sie ins Haus, um all den Mitgliedern und Neugierigen einen Sitzplatz bieten zu können. Auf dieses Ereignis hat der Verein Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald lange gewartet: Am Sonntagnachmittag konnte er sich erstmals in der fast fertig sanierten künftigen Dokumentationsstätte versammeln.

Begangen wurde dieses Ereignis mit einem Zeitzeugen: Robbi Waks berichtete im Anschluss an den offiziellen Teil der Jahresversammlung von seiner Kindheit in Föhrenwald, dem heutigen Waldram, das damals ein Lager für Displaced Persons (DP) war. Waks überstand den Holocaust und lebte danach mit seiner Familie Zeit in den DP-Lagern Ziegenhain und Föhrenwald. Die Zeit dort sei für ihn wunderschön gewesen, sagte Waks: Er denke bis heute gern daran zurück und zeige es immer mal wieder seinen Kindern und Enkeln. An das jüdische Badehaus, die Mikwe, kann sich der 70-Jährige auch noch gut erinnern. Dort, wo sich die Jungen und Mädchen getrennt duschten, habe er einmal in die Duschen der Mädchen gespitzt und ein paar leere Milchflaschen durch das Fenster geworfen - was ein schönes Geschrei gegeben habe. Mit den Deutschen, dem Tätervolk, habe man nichts zu tun gehabt, und auch nichts zu tun haben wollen. Wenn es nach ihm gegangen wäre, sagte Waks, hätte die Familie Föhrenwald nie verlassen.

Waks' Geschichte haben die Autoren Hans-Peter Föhrding und Heinz Verfürth in einem Kapitel ihres Buchs "Als die Juden nach Deutschland flohen" festgehalten. Am Sonntag stellten sie ihr Werk vor, das sie danach noch im Badehaus verkauften und signierten. Mehr als die Hälfte des Erlöses ging als Spende direkt an den Badehausverein, sagte die Vereinsvorsitzende Sybille Krafft.

Krafft und ihr Stellvertreter Wolfgang Saal blickten in der Jahreshauptversammlung auf eine glückliche Entwicklung zurück: Die Anzahl der Mitglieder stieg von 121 im Gründungsjahr 2012 auf aktuell 337 - wobei noch auf der Versammlung neue Mitglieder in den Verein eintraten. Acht Mitglieder leben in Israel, den USA und Kanada. Dass ein Engagement im Badehaus-Verein nichts für Faullenzer ist, zeigten die Zahlen ebenfalls: Vorstand und Beirat absolvierten im Jahr 2016 ganze 3086 ehrenamtliche Stunden. Weitere 2000 ehrenamtliche Stunden leisteten die 45 Helfer beim Umbau des Badehauses: Böden, Sanitär- und Heizungsanlagen, Stromkabel, Türen, Fenster und Hecken wurden allesamt von Menschen aus- und eingebaut, die dafür nichts verlangten.

Los gingen die Arbeiten im Juli 2016, als unter Anwesenheit zahlreicher Bürgermeister und Stadträte die Bautafel angebracht wurde. Bereits im August war das Badehaus bereit fürs Richtfest und die Stadt Wolfratshausen wurde Ehrenmitglied im Verein. Einen weiteren Monat darauf konnte das Gerüst entfernt und das Gebäude weiß angestrichen werden. Im Oktober verlagerten sich die Arbeiten ins Innere des Gebäudes, wo die Helfer Wände errichteten, Heizung, Sanitär und Elektrik rohinstallierten und schadhaften Putz entfernten. Bis Mai 2017 entwickelte sich das ehemals baufällige Gebäude zu einem behaglichen Ort - heute fehlt fast nur noch die Einrichtung.

1007 Arbeitsstunden leistete die Dokumentationsgruppe. Das siebenköpfige Team legte fest, welche Themen in den jeweiligen Räumen der Erinnerungsstätte behandelt werden sollen - Themen wie Todesmarsch, Heimatvertriebene und DP -, und schrieb Biografien. Unter den Besuchern der Baustelle waren neben Waks sechs weitere Zeitzeugen, die aus den USA und Tel Aviv anreisten.

Ein Höhepunkt des Jahres spielte sich jedoch außerhalb des Badehauses ab, nämlich in der Loisachhalle. Die Gala zum Gedenken an die Bücherverbrennungen von 1933 habe einmal mehr in einer knallvollen Halle stattgefunden, sagte Krafft. An diesem "schönsten Termin des Jahres" hätten diesmal auch alle Schulen mitgewirkt, von der Grund- bis zur Berufsschule. Erstklässler der Grundschule Waldram etwa interpretierten die "Gelbe Kuh" von Franz Marc. Auch ein Zeitzeuge trat auf die Bühne: Der Publizist Leibl Rosenberg, der ein Gedicht von Heinrich Heine rezitierte.