Waldkindergarten "Ich würde nie in einen Hauskindergarten gehen"

Die Natur ist das schönste Spielzeug: Die Geschwister Paul, Tyl und Emma erklären, warum ihre Vorschulzeit im Wald für sie besonders schön war.

Alle drei sind Waldkindergarten-Kinder. Paul (12), Tyl (10) und Emma (8) verbrachten ihre Vorschulzeit draußen in der Natur. Dass das so kam, ist dem Ältesten, Paul, zu verdanken. Denn bevor Mutter Monika Ludwig einen Kindergarten auswählte, schaute sie sich alle Tölzer Einrichtungen an und verbrachte dort mit ihrem Sohn jeweils einen Probetag. Nur einmal fragte Paul nach einem dieser Schnuppertage: "Wann gehen wir wieder hin?" Das war nach dem Besuch im Waldkindergarten und so war die Entscheidung gefallen. Der Wald wurde für alle drei Geschwister zum grenzenlosen Spielplatz.

Tyl, Paul und Emma (von links) bauten im Wald Dämme und Zwergenhäuser und lernten die Abwechslung zu schätzen, die sie dort bei jedem Wetter hatten.

(Foto: Manfred Neubauer)

Paul, bist du wirklich jeden Tag gern in den Wald gegangen, auch wenn es geregnet oder im Winter geschneit hat?

Paul: Dann erst recht. Dann konnten wir Staudämme bauen an den kleinen Bächen. Wenn es zu kalt war und geschneit hat, sind wir in den Wohnwagen gegangen, in so einen Zirkuswagen. Dort haben wir uns hingesetzt und gemalt oder gebastelt. Manchmal haben wir ein Feuer gemacht und uns drum herum gesetzt: Dann war es uns bald wieder warm.

Weil der Paul so geschwärmt hat, wolltet ihr auch in den Waldkindergarten?

Tyl: Ja, ich bin in den Waldkindergarten gegangen, weil ich ihn durch den Paul schon ein bisschen kannte. Ich wollte erst nur schauen, wie es dort so ist. Und dann hat es mir ganz gut gefallen.

Seid auch ihr wirklich jeden Tag gern in der Natur gewesen?

Tyl:Ja, da konnte man eine Schneeballschlacht machen, Fangen spielen, überall im Gelände unterwegs sein, zum Bach gehen und Eis eintreten. Staudämme bauen, sich selbst beschäftigen, Bogen bauen, Erkundungstouren machen, Stöcke schnitzen, klettern. Wir hatten auch so einen Kletterbaum mit einer Schaukel und einem Trapez.

Emma: Man musste gar nicht jeden Tag hingehen, das war freiwillig. Ich habe gerne Zwergenhäuschen gebaut. Da sucht man sich ganz viele Äste, Moos und Tannenzapfen, und dann versucht man ein kleines Häuschen zu bauen an einem Baum. Da kann man sich dann auch ein Bett machen.

Habt ihr Spielsachen mitgenommen?

Paul:Wir haben überhaupt nichts mitgenommen!

Tyl: Das Spielzeug ist die Natur, wir hatten nur ein Schnitzmesser dabei.

Emma:Manchmal kam auch der Troll. Und dann gab es noch die Vorschule, da konnten wir mit der Schere Wellen schneiden, zickzack oder gerade. Wir konnten auch malen. Dienstag war immer unser Basteltag.

Gab es auch etwas, das euch nicht gefallen hat im Wald?

Paul: Ja, wenn Müll rumlag, das war nicht so schön. Und wenn alte Leute sich beschwert haben, dass wir zu laut sind. Ein Mann hat immer geschimpft wie ein Rohrspatz, wenn wir an seinem Haus vorbei gegangen sind.

Und jetzt kennt ihr euch so richtig gut aus im Wald?

Paul: Zurecht finden tun wir uns, mit den Pflanzen haben wir es allerdings nicht so.

Emma: Wir hatten immer ein Buch dabei, wo wir nachgeschaut haben, wenn wir ein Pflanze nicht kannten. Ich könnte Ihnen im Wald schon was zeigen.

Ihr geht jetzt alle in die Schule, geht Ihr noch manchmal in den Wald?

Emma:Ja.

Paul:Ich in letzter Zeit nicht mehr.

Tyl: Ich eigentlich auch nicht. Aber zum Wandern gehen wir schon gerne in den Wald. Da kann man so gut Verstecken spielen.

Hätte es einen schöneren Kindergarten gegeben als den im Wald?

Tyl: Für mich nicht, ich bin nicht so an Häuser gebunden.

Emma:Im Hauskindergarten kann man keine Zwergenhäuser bauen, das ist doch doof.

Paul: Ich würde nie in einen Hauskindergarten gehen, da ist man so eingepfercht in einem Zimmer, wo ganz normale Spielzeuge rumliegen. Man braucht ja auch ein bisschen Abwechslung.

Interview: Suse Bucher-Pinell