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Energiewende im Landkreis:Viel Brennholz im Privatwald

Das Oberland verfügt wegen seines hohen Waldanteils noch über großes Potential bei der Energieproduktion.

Die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach sind eine von 25 Bioenergie-Regionen bundesweit, die vom Bundeslandwirtschaftsministerium gefördert werden. Das kommt nicht von ungefähr. Rund die Hälfte der beiden Landkreise ist bewaldet. Seit Jahrhunderten hat die Waldwirtschaft hier eine Tradition und seit jeher wird mit Holz geheizt.

In Zeiten von Scheitholz, Pellets und Hackschnitzel hat sich über moderne Heizanlagen die Nutzung freilich gravierend verändert. Und nach Überzeugung der Bürgerstiftung Energiewende Oberland kann sich da auch noch vieles tun.

Die Fachhochschule Weihenstephan hat in einem forstwirtschaftlichen Gutachten für beide Landkreise ermittelt, dass es noch ausreichend ungenutztes Potential vor allem in den Privatwäldern gibt. Mindestens 17 weitere Heizwerke mit je 1,5 Megawatt Leistung könnten demnach im Landkreis errichtet werden. Knapp 10 000 Haushalte wären damit mit Holz aus dem Privatwald zu beheizen. Wobei dem Energieberater Andreas Scharli von der Bioenergie-Region viel daran liegt, dass dieses Potential genutzt werden könne, ohne die Wälder zu schädigen.

Förster Matthias Kroiß von der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen bestätigt aus seiner Erfahrung, dass vor allem die Privatwälder intensiver bewirtschaftet werden könnten. "Da ist schon Potential da, das muss man halt aktivieren." Doch das sei kein Selbstläufer. "Man muss die Waldbesitzer dazu bringen", sagt er.

Mancher habe gar kein Interesse daran. Auch aus diesem Grund organisiert das Amt für Landwirtschaft und Forsten als Dienstleistung Sammel-Durchforstungen, wie vergangenen Winter im Raum Egling.

"Man kann schon noch viel mehr machen, bevor etwas passiert", sagt Elisabeth Kohlhauf, Netzwerkmanagerin bei der Energiewende mit Blick auf eine nachhaltige Nutzung. Aufklärung tut aus ihrer Sicht Not. Deshalb hat sie mit Scharli und anderen eine Wanderaussstellung konzipiert, die seit Anfang April durch Kommunen in der Bioenergieregion tingelt. Sie war in Egling, Königsdorf und Eurasburg zu sehen und ist seit diesem Samstag für zwei Wochen in der Wolfratshauser Stadtbücherei im Hammerschmiedweg 3 zu Gast.

Biomasse kann aus Sicht von Scharli und Kohlhauf einen wesentlichen Teil zur Energiewende beitragen. Zum einen über kleine Biogasanlagen, die etwa bei der hohen Zahl an Milchbetrieben im Oberland mit Gülle beschickt werden könnten. Und dann das Holz aus den Wäldern: Damit können laut Studie bei nachhaltiger Waldwirtschaft umgerechnet 38 Millionen Liter Heizöl eingespart werden.

Den Energiebedarf insgesamt berechnet die Energiewende auf 300 Millionen Liter. "Das ist bei weitem nicht die Enegiewende", sagt Kohlhauf. Scharli wirbt deshalb dafürs Energiesparen und einen Energiemix. Auch neue Technologien wie die Holzvergasung zur Strom- und Wärmeproduktion würden in Zukunft "eine Rolle spielen".

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