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Wahlkampf:Präsent an der Baustelle

Die Linke informiert am Karl-Lederer-Platz über ihr Programm

Die Partei Die Linke hatte sich den Standort nicht zufällig ausgesucht: Auf dem Schotter gleich neben dem Bauzaun der Firma Krämmel auf dem Karl-Lederer-Platz hat sie am Freitag und Samstag ihr Zelt aufgeschlagen, um einerseits gegen die Verdrängung des bezahlbaren Wohnraums aus dem Zentrum zu protestieren und andererseits über das Wahlprogramm zu informieren. Andreas Wagner, Bundestagskandidat für den Wahlkreis Bad Tölz-Wolfratshausen-Miesbach und Sprecher der Geretsrieder Linken, stand den Besuchern Rede und Antwort.

Das Interesse sei merklich größer als bei der vergangenen Wahl, sagte Kreissprecher Ulf Wiedemann, der Wagner am Infostand unterstützte. Zwar gebe es auch heuer Menschen, die mit den Worten vorbeigingen: "Ich wähle CSU und das lasse ich mir von euch auch nicht verbieten". Doch davon abgesehen zeigten sich einige Menschen aufrichtig interessiert. Viele hätten nach den Aktionen der Linken im Landkreis gefragt. Auch ein paar Anwohner des Karl-Lederer-Platzes seien vorbeigekommen. Sie hatten zuletzt erfolglos gegen die Baumaßnahme protestiert, die das Zentrum in den kommenden Jahren beherrschen wird.

Wagner aber stellte sich nicht direkt gegen den sogenannten Turm am Karl-Lederer-Platz, sondern gegen den Verkauf von öffentlichem Grund an Investoren. Die Kommunen seien chronisch unterfinanziert und könnten sich daher den Bau solcher Gebäude selbst nicht leisten. Die Investoren aber verfolgten Profitinteressen, weshalb abzusehen sei, dass die neuen Wohnungen im Zentrum zu Preisen vermietet würden, die sich Senioren oder Geringverdiener nicht mehr leisten könnten. Seine Befürchtung lautet, dass die Geringverdiener in den Hochhäusern am Lorenzareal gesammelt und so aus dem Zentrum verdrängt werden. Dort wünsche er sich neben bezahlbarem Wohnraum auch Begegnungsmöglichkeiten für Bürger aller Schichten, etwa nicht-kommerzielle Spielgeräte für Kinder oder eine Art Bürgerhaus, in dem man sich ohne Konsumzwang treffen könne.

Die Wut der Anwohner könne er gut verstehen, die Lust auf Teilnahme an Workshops und anderen Bürgerbeteiligungen der Stadt sei ihm auch vergangen, sagte Wagner. 2014 hatte er in einer städtischen Bürgerversammlung einen Antrag gestellt, nach dem die Stadt ihren Bauprojekten das europäische Gestaltungskonzept "Design für alle" zugrunde legen sollte. Das Konzept sieht eine Vielzahl von Maßnahmen vor, die weit über das rollstuhlgerechte Bauen hinausgehen. Der Stadtrat setzte sich mit dem Konzept nicht näher auseinander und lehnte den Antrag mit der Begründung ab, man achte ja bereits auf Barrierefreiheit. Wagner spricht deshalb heute von einer "Pseudobeteiligung der Bürger".

Die Linke richtet seit April Wahlstammtische aus: Immer am dritten Donnerstag im Restaurant "Olympia 776" in Bad Tölz und an jedem vierten Mittwoch in den Ratsstuben in Geretsried. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr.