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Wahlen im Ortsverband:Schwächer als Lenggries

Die Wolfratshauser CSU beklagt ihren Bedeutungsverlust. Weder im örtlichen Stadtrat noch im Kreistag ist die Partei noch so stark vertreten wie früher. Daran will die neue Vorsitzende Claudia Drexl-Weile arbeiten

Von Wolfgang Schäl

Corona und kein Ende: Unter strengsten Sicherheitsmaßnahmen hat die Wolfratshauser CSU Neuwahlen abgehalten, an einem für diese Zwecke höchst ungewohnten Ort. Auf Vermittlung von Paul Brauner ging die Ortshauptversammlung im Waldramer Erinnerungsort Badehaus über die Bühne. Aufgrund der schwierigen äußeren Umstände verzichteten die anwesenden 25 Mitglieder sogar auf jegliche Aussprache zum aktuellen Rechenschaftsbericht, der ohnehin nur in schriftlicher Form vorlag. Fazit des im absoluten Schnellverfahren durchgezogenen Treffens: Claudia Drexl-Weile bleibt Wolfratshauser CSU-Chefin. Sie wurde mit 20 von 25 Stimmen gewählt. Die 33-Jährige hatte den Ortsverband zuletzt schon kommissarisch geleitet. Ihre Vorgängerin Susanne Thomas war krankheitsbedingt nicht wieder angetreten.

Der Führungswechsel vollzieht sich in einer schwierigen Phase, denn mit lediglich fünf Stadträten fühlt sich die Union nicht angemessen im Wolfratshauser Rathaus vertreten - "leider haben wir unsere Ziele nicht erreicht", heißt es in dem von Drexl-Weile vorgelegten Kurzbericht. Als "nicht zufriedenstellend" bezeichnete sie insbesondere das Resultat der Bürgermeisterwahl, auch wenn es immerhin gelungen sei, in die Stichwahl zu kommen. Das Resultat habe jedenfalls nicht den Erwartungen entsprochen. Nämliches gelte auch für die Präsenz im Kreistag. Die Wolfratshauser CSU sei mit Günther Eibl lediglich mit einem einzigen Mitglied in diesem Gremium vertreten. Die Lenggrieser CSU habe jetzt beispielsweise mehr Kreisräte, als die Wolfratshauser CSU überhaupt auf der Liste hatte.

Kommunalwahl 2020

Claudia Drexl-Weile möchte die Wolfratshauser CSU wieder stark machen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Unter diesen Vorzeichen müsse die hiesige CSU die Ursachen bei sich selbst suchen. Dazu zählt, "dass wir zu spät begonnen haben, uns um die sozialen Medien zu kümmern". Dies habe sich insbesondere mit dem Beginn der Pandemie als nachteilig erwiesen, denn so habe man nicht mehr genügend Möglichkeiten zu Präsenzversammlungen gehabt. Mit deutlicher Kritik merkt der Bericht außerdem an, es habe "bei einigen wenigen zwischen Arbeit für die Partei auf der einen und persönlicher Werbung für die eigene Wahl auf der anderen Seite" gegeben. Brauner habe hierzu eine Wahlanalyse erstellt, die man unter den gegebenen Umständen noch nicht habe vorstellen und diskutieren können.

Die neue Vorsitzende nutzte die Gelegenheit der Wahl, in einem Statement ihr Amtsverständnis zu skizzieren, und ließ erneut anklingen, dass für sie "das Handeln für die Allgemeinheit an oberster Stelle" stehe. Erst danach komme das Interesse der Partei "und zuletzt das Handeln im Interesse der eigenen Person". "Ich weiß, dass dies manchmal nicht in dieser Reihenfolge erfolgt", schrieb die neue Vorsitzende ihren Parteikollegen ins Stammbuch. "Diese meine Prioritäten in der genannten nannten Reihenfolge" zu erwähnen, sei ihr ein Bedürfnis. Bei alledem habe sie die Absicht, "eine gute und effektive Zusammenarbeit innerhalb der Vorstandschaft weiter zu gewährleisten". Auf Bitte des bisherigen Vorstands habe sie sich zu der Vorgehensweise entschlossen, zunächst die nötigen Arbeiten und Zuständigkeiten festzustellen und daraufhin mit den möglichen Kandidaten zu sprechen. Die daraus resultierende Vorschlagsliste sei dann mit dem alten Vorstand besprochen worden, die man nun in bereits detailliert und umfassend ausgearbeiteter Form in der Wahlversammlung präsentiere. Das sei diesmal leider notwendig gewesen, um angesichts der schwierigen Corona-Umstände eine kurze Versammlungsdauer zu gewährleisten.

Für ihre künftige Arbeit plant Drexl-Weile, im Vorstand verstärkt wieder kommunalpolitische Themen in den Vordergrund zu stellen, in enger Zusammenarbeit mit der Stadtratsfraktion. Wichtig sei ihr dabei aber auch die Zusammenarbeit mit anderen Parteien und mit den Vereinen. Drexl-Weiles Credo: "Nur durch Gemeinsamkeit und eingehende Kommunikation können wir zum Wohl der Stadt arbeiten." So bald wie möglich wolle man auch wieder in die öffentliche Diskussion eintreten, unter anderem mit der Themenreihe "Red' mit".

Der neue CSU-Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: Ortsvorsitzende Claudia Drexl-Weile; Stellvertreter Thomas Sgoff, Günther Eibl, Daniela McLoughlin; Schriftführer Wolfgang Weichlein; Kassier Erwin Falkner; Digitalbeauftragte Melanie Penzkofer; Beisitzer sind Jörg Drensler, Armin Drexl, Alfred Fraas, Claudia Hollstein, Udo Klünsch, Robert Namyslo, Hans Jürgen Neubauer, Peter Plößl

© SZ vom 22.02.2021/veca
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