Afrika Wenn ein Wackersberger auf gefährliche Mission in den Kongo geht

Axel Hallbauer arbeitet für die Vereinten Nationen.

(Foto: Judith Raupp)

Axel Hallbauer koordiniert in Goma die Flüge für die Vereinten Nationen - und holt Menschen aus Krisenregionen.

Von Judith Raupp

Halt, Kontrolle! Soldaten sitzen vor dem Tor zum Flughafen in Goma und schauen in jedes Auto. Das ist normal in der Provinzhauptstadt im Ostkongo. In der Region marodieren bewaffnete Banden. Sie haben auch schon den Flughafen angegriffen. Vorsicht ist geboten.

Axel Hallbauer nickt den Soldaten zu. Man kennt sich. Der Bayer aus Wackersberg fährt jeden Tag zum Rollfeld. Er koordiniert die Flüge für die Vereinten Nationen (UN). Sie betreiben im Kongo die weltweit größte Blauhelm-Mission. 20 000 Soldaten und zivile Angestellte sollen helfen, dass irgendwann Frieden wird.

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Hallbauers Chauffeur will gerade weiter fahren, da kommt ein Sanitäter zum Geländewagen und misst mit einem Infrarot-Thermometer die Körpertemperatur aller Insassen. "Das ist neu, wegen Ebola", stellt Hallbauer fest. Er lächelt. Das tödliche Fieber grassiert seit einigen Wochen in der Provinz Nord Kivu. Aber es macht ihm keine Angst. Schließlich hat er schon 2015 Hilfsflüge in Westafrika organisiert. Damals sind 11 000 Menschen an Ebola gestorben.

Hinter dem Flughafen ragt der Vulkan Nyiragongo empor. In seinem Krater brodelt der weltweit größte Lavasee. "Sieht er nicht toll aus", schwärmt Hallbauer. Der gebürtige Füssener liebt Flugzeuge und den Geruch von Kerosin, aber noch mehr liebt er die Berge. Keine Frage, dass er auf den aktiven Vulkan vor Goma gekraxelt ist. Zu Hause in Bayern besteigt er Gipfel, jagt Rotwild, klettert Wände hinauf oder marschiert auf Skiern über die Alpen. Sport und Natur, das ist seine Welt.

Es darf auch extrem sein. 2010 ist Hallbauer mit dem Motorrad von seinem damaligen Wohnort Edmonton in Kanada zum Kilimandscharo nach Tansania gefahren. Natürlich hat er den höchsten Berg Afrikas gleich bestiegen. Später ist er von Gibraltar nach Marokko geschwommen. 3 Stunden, 50 Minuten für 14 Kilometer Meer. Beide Male hat der studierte Betriebswirt mit dem Sport Geld gesammelt für Waisenkinder und Kriegsversehrte in Afrika.

Ein Job passend zum Charakter

Hallbauer erzählt gern, protzt aber nicht. Er weiß, dass seine Taten für sich sprechen. Seine Jobs in Krisengebieten nennt er "die logische Konsequenz meines Charakters". Als er 2012 seiner Mutter eröffnete, er habe bei der kanadischen Fluggesellschaft Voyageur Airways angeheuert, habe sie nicht einmal mit der Wimper gezuckt, erzählt er. Voyageur fliegt in vielen unruhigen Ländern für die UN. Die Firma bringt Soldaten in den Busch, transportiert Medizin, Ärzte, Sanitäter. Sie holt Kriegsverletzte und Kranke aus Krisengebieten.

Letztens ließ Hallbauer seine Crew üben, wie sie Ebola-Patienten transportieren muss. Die Epidemie ist in einem Dorf 300 Kilometer nördlich von Goma ausgebrochen. Möglich, dass Patienten ins Krankenhaus in die Stadt gebracht werden müssen. Das ist nicht einfach. In der Bombardier Dash 8 ist es eng. Die Spezial-Liege wiegt 60 Kilo ohne Patient. Sie ist viren-dicht mit einem Deckel verschlossen. Wehe, die Träger ließen sie fallen. Das Ebola-Virus könnte dann entweichen.

Klar, Familie und Freunde machen sich manchmal Sorgen um Hallbauer. Aber der 45 Jahre alte Manager findet, Goma sei nur bedingt gefährlich. Gewaltbereite Diebe brechen eher bei besser gestellten Einheimischen ein, nicht in den Häusern mit Wachdienst, wo die Entwicklungshelfer und UN-Mitarbeiter wohnen. Die Menschen draußen im riesigen Tropenwald müssen dagegen auf der Hut sein. Dort morden, plündern und vergewaltigen Milizen seit Jahrzehnten. Auch die UN vermochten den Alptraum bisher nicht zu stoppen.