Am Buchberg in Wackersberg Vom Idyll zum Schwarzbau

Das frühere Atelierhaus des Malers Theodor Bohnenberger (1868-1941) am Buchberg wurde abgerissen.

(Foto: Heinz Hirz)

Der jetzige Eigentümer hat das "Malerhäusl" des Künstlers Theodor Bohnenberger abgerissen. Das Verwaltungsgericht hat nun aber entschieden, dass auch der neue Rohbau beseitigt werden muss. Der Justizstreit dauert wohl noch an.

Von Benjamin Engel

Der Buchberg zählt zu den stilleren Flecken im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Wer bis auf den Gipfel des 855 Meter hohen lang gestreckten Moränenrückens will, muss zu Fuß gehen. Die Straßen zu den wenigen Höfen ganz oben sind nur für Anwohner frei. Das Panorama mit den Bergen des Isarwinkels im Süden und das Alpenvorland im Norden zogen um 1900 Künstler wie Theodor Bohnenberger (1868-1941) an. Der Maler errichtete neben seinem Sommersitz nahe dem Buchberg-Gipfel ein Atelier - im Volksmund das "Malerhäusl". Darum streiten sich nun seit Jahren der Eigentümer und die Behörden vor Gericht.

Der neue Eigentümer hat das alte Gebäude abgerissen und mit einem Neubau begonnen. Im Mai 2017 entschied das Verwaltungsgericht München, dass es sich um einen Schwarzbau handelt, der abzureißen ist. Dagegen hat der Eigentümer beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof Berufungsantrag gestellt. Darüber sei noch nicht entschieden worden, teilt eine Pressesprecherin mit. Das liege an der hohen Arbeitsbelastung am Gerichtshof: "Wir empfehlen Ihnen, sich in ungefähr sechs Monaten noch einmal über den Verfahrensstand zu erkundigen."

Der Rohbau an der Stelle des ehemaligen Malerhäusls muss weg, hat das Verwaltungsgericht entschieden.

(Foto: Benjamin Engel)

Vollkommen unverständlich ist es aus Sicht des Wackersberger Bürgermeisters Alois Bauer, wie der Eigentümer vorgegangen ist. Die Kommune habe ihm genehmigt, das bestehende Malerhäusl um- und sogar etwas auszubauen: "Er hat sehr viel Baurecht erhalten." Ein Abbruch sei stets ausgeschlossen gewesen. Doch genau das habe der Eigentümer getan. Der neue Rohbau sei wesentlich höher, breiter und länger ausgefallen als das alte Haus. "Momentan ist es ein Mahnmal", sagt Bauer.

Schnee türmt sich derzeit um die unverputzten Ziegelmauern. Der Dachstuhl des Malerhäuschen liegt wenige Meter entfernt am Boden. Und daran wird sich sobald nichts ändern, glaubt der Wackersberger Bürgermeister. Der Eigentümer werde alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um einen Abriss zu verhindern. "Es geht um sehr viel Geld", sagt Bauer.

So argumentiert auch der Rechtsanwalt des Eigentümers und frühere Baujurist im Landratsamt, Karl Schwab. "Für meinen Mandanten wäre das ein Riesenverlust", sagt er. "Er kämpft darum, das zu erhalten." Im Baugesetzbuch stehe, dass ein Wohngebäude angemessen erweitert werden dürfe. Beim genehmigten Anbau seien seinem Mandaten die Wände des Malerhäusls buchstäblich unter den Händen zusammengebrochen. Deshalb habe er in denselben Maßen einen Ersatzbau errichten wollen. In der Vergangenheit sei in Gesprächen von Vertretern der Kommune und des Landratsamts mit seinem Eigentümer viel schief gelaufen, sagt Schwab.

Für das Landratsamt ist der Fall klar: Die Behörde hatte im Sommer 2014 die Baustelle am Buchberg kontrolliert. Damals hatten Mitarbeiter den Abriss des Malerhäuschens und den neuen Rohbau festgestellt. Das Landratsamt hatte einen Baustopp verhängt und verlangt, dass der Neubau beseitigt wird. Dagegen hatte der Eigentümer am Verwaltungsgericht München geklagt - ohne Erfolg. Der Eigentümer hatte stets behauptet, das Malerhäusl nur abgerissen zu haben, weil es so marode gewesen sei.

Derzeit wartet das Landratsamt laut Pressesprecherin Marlis Peischer darauf, dass der Bayerische Verwaltungsgerichtshof über die Zulassung zur Berufung entscheidet. Bereits im November 2017 habe die Kreisbehörde es abgelehnt, den Neubau nachträglich zu genehmigen, berichtet sie. Auch dagegen habe der Eigentümer beim Verwaltungsgericht München geklagt. Ein Termin stehe noch aus, sagt Peischer.

Die Nachkommen des Malers Theodor Bohnenberger leben bis heute am Buchberg. Für Enkel Klaus Bohnenberger ist es unfassbar, dass das Malerhäusl seines Großvaters nicht mehr steht. Von einem Tag auf den anderen habe der jetzige Eigentümer das Gebäude "platt gemacht", sagt er. "Das hat man nicht für möglich gehalten."

Sein Großvater stammt aus Stuttgart. Er studierte an der dortigen Kunstschule, später an der Akademie der Künste in München. Damals habe es viele Maler in die bayerische Landeshauptstadt gezogen, sagt Bohnenberger. 1905 habe sein Großvater schließlich ein Haus am Buchberg - bis dahin ein Berggasthaus - zur Sommerfrische gekauft. Wenig später sei das zunächst nur einräumige Atelier, das spätere Malerhäusl, entstanden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die Familie Bohnenberger das Malerhäusl ausgebaut und vermietet. Schließlich habe eine Cousine es über ein Immobilienunternehmen an den jetzigen Eigentümer verkauft. "Als mein Großvater da oben war, hat er den Stallauer Weiher gemalt", sagt Bohnenberger. "Den Wald hat es damals noch gar nicht gegeben."