bedeckt München

Vor der Petruskirche:Die Rückkehr des Vaterunsers

Die vier Meter hohe Säule steht wieder vor der evangelischen Kirche an der Egerlandstraße.

(Foto: Hary Wolfsbauer)

Otto Süßbauers Skulptur ragt wieder gen Himmel

Seit dem Buß- und Bettag steht sie wieder da: Otto Süßbauers "Vaterunser-Säule" vor der Petruskirche in Geretsried. Orkanartige Böen hatten die vier Meter hohe Skulptur aus Tombak im Februar knapp einem Meter über dem Boden abgerissen und auf das Holzgeländer des angrenzenden Parkplatzes geschleudert. Das Ergebnis: "Eine riesige Dulln", wie Süßbauer sagt. Im Jahr 2007 hatte der Mooseuracher Bildhauer die Säule an die evangelische Kirchengemeinde verkauft. 13 Jahre trotzte sie vor der Petruskirche Wind und Wetter. "Das muss sie auch aushalten", sagt Süßbauer. Ob sie im Februar womöglich durch Gewalteinwirkung vorgeschädigt war, lasse sich im Nachhinein nicht mehr sagen.

Für die Reparaturarbeiten brachte er die ramponierten Teilstücke nach Niederbayern in die Werkstatt des Silberschmieds Wolfgang Schmuck, "der für Arbeiten in dieser Größenordnung besser eingerichtet ist". Eine Woche lang klopften die beiden die Worte des Vaterunsers in Form und schweißten sie kunstgerecht zusammen. Nun strebt die Säule wieder wie eine Eins Richtung Himmel und wirkt wie aus einem Guss.

Sechs Vaterunser hat Süßbauer in ihr verarbeitet - drei als Positiv, drei als Negativ. Die einzelnen Elemente sind in, beziehungsweise aus Tombak-Platten geschnitten, Wort für Wort gepresst und dann in einer willkürlichen Reihenfolge zusammengesetzt. Tombak ist eine hochwertige Messingsorte, die einen überdurchschnittlich hohen Kupferanteil aufweist. Was Süßbauer erst bei den Reparaturarbeiten richtig aufgefallen ist: Die Säule habe in ihrer Geretsrieder Zeit eine ganz eigene faszinierende Patina bekommen. "Das bringst mit keiner Chemie her."

© SZ vom 23.11.2020 / stsw
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema