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Vor dem Amtsgericht:"Eine Horrorvorstellung"

Spritztour eines Fahranfängers endet in einem dramatischen Unfall mit vier Verletzten. Amtsrichter Wäckerlin verurteilt den jungen Mann zu einer Zahlung an die Oberlandwerkstätten

Der Unfallhergang ist für Amtsrichter Urs Wäckerlin an Leichtsinn nicht mehr zu überbieten. "Das ist eine Horrorvorstellung für jeden, der bei anderen ins Auto steigt, und für jedes Elternteil", erklärt er dem Angeklagten. Der 18-jährige Straßlacher hatte gerade erst sieben Wochen den Führerschein, als er mit drei Freunden Ende Oktober auf Spritztour fuhr. In einem Waldstück auf der Staatsstraße 2072 zwischen Egling und Ascholding geriet der Fahranfänger auf regennasser Fahrbahn ins Schleudern. Am Abzweig eines Waldwegs beim Torfwerk hob es das Auto in die Luft. Nach 20 Metern landete es auf dem Dach.

Weil der Fahranfänger deutlich schneller als erlaubt gefahren sein soll, kam es zur Gerichtsverhandlung. Wäckerlin verurteilte den Fahrer wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldauflage. Sein Führerschein ist für einen Monat weg. Die vier jungen Männer - teils noch minderjährig - wurden schwer verletzt. Heute haben sie glücklicherweise kaum noch gesundheitliche Beschwerden.

Mit seinen Freunden - damals 17, 16 und 14 Jahre alt - hatte der Elektriker in Ausbildung eine Runde von Egling über Thanning und Ascholding drehen wollen. "Wir haben im Auto laut Musik gehört. Ich habe nicht auf die Geschwindigkeit geachtet", gab er zu. Gegen 21.45 Uhr sei er auf Höhe des Torfwerks hinter Egling in einer lang gezogenen Linkskurve ins Schleudern geraten. Es habe geregnet, und ein "rechter Wind" sei gegangen. "Es war dunkel." Das Wagenheck sei ausgebrochen, er habe gegenlenken wollen. Das Auto sei an der Straßenböschung bis zur Einfahrt eines Waldwegs geschlittert. "Dann hat es uns überschlagen", schilderte der junge Mann. Er selbst habe Schnittwunden an der rechten Hand und eine Schädelprellung erlitten.

Weit schlimmer traf es einen 14-jährigen Tölzer Schüler. Er brach sich fünf Lendenwirbel an. Das Schlüsselbein war ebenso gebrochen. Eine Woche lang musste er stationär in der Universitätsklinik München-Großhadern behandelt werden. Er sei aber nicht operiert worden, sagte der Jugendliche. Manchmal habe er noch Rückenschmerzen. Der Angeklagte habe ihn schon im Krankenhaus angerufen und besucht. "Er hat sich entschuldigt."

Einen 16-jährigen Auszubildenden hatte der Angeklagte bereits von der Arbeit in Geretsried abgeholt. Gemeinsam seien sie nach Egling, in ein Fast-Food-Lokal in Bad Tölz und wieder zurück gefahren. Dann hätten sie die zwei anderen abgeholt, seien nach Wolfratshausen, wieder nach Egling und erneut losgefahren. Sein Freund sei zu schnell unterwegs gewesen. Der Tacho habe 130 Stundenkilometer gezeigt. "Ich habe ihm noch kurz vor dem Unfall gesagt, er soll langsamer fahren." Bei ihm selbst hätten die Ärzte im Krankenhaus keine Verletzungen festgestellt. Ein 17-jähriger Auszubildender aus Egling berichtete, dass der Angeklagte angerufen habe, ob er "zur Gaudi" mitfahren wolle. Im Sitzungssaal schilderte er, dass es seine Bandscheiben beim Unfall verschoben habe. Beim Arbeiten habe er noch Schmerzen.

Von der "typischen Spritztour von Jugendlichen" sprach die Verteidigerin. Laut Wäckerlin hätte der Unfall mit 120/130 Stundenkilometern bei dem Fahranfänger zur Katastrophe führen können. Alle hätten eine ganze Armee von Schutzengeln gehabt. Er wies den Angeklagten an, 750 Euro an die Oberlandwerkstätten zu zahlen. "Damit helfen Sie denen, die weniger Glück hatten im Leben."

© SZ vom 21.02.2018
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