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Von Icking bis Bad Tölz:Abi auf Abstand

Jonglieren kann er, das hat Direktor Christoph Strödecke bei seiner Amtseinführung demonstriert, und das ist jetzt in Corona-Zeiten auch nötig.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Wie die Gymnasien mit den Corona-Bedingungen klarkommen

Christoph Strödecke klingt eher entspannt, räumt aber ein: "Eine Herausforderung ist es schon." Der Direktor des Geretsrieder Gymnasiums erklärt, wie an seiner Schule das Abitur unter Corona-Sicherheitsbedingungen absolviert wird. Maximal elf Prüflinge säßen in einem Raum, verteilt auf acht Klassenzimmer. Das "Gym Ger", wie es sich nennt, sei schon vor Jahren dazu übergegangen, das Abi nicht in die Turnhalle zu legen. Aber vor Corona seien es noch Doppelräume gewesen. Die neue Aufteilung erfordere nun auch deutlich mehr Aufsichten. Am Gymnasium an der Adalbert-Stifter-Straße werden heuer 71 eigene Schülerinnen und Schüler geprüft, dazu zwölf von der Freien Waldorfschule in Geretsried und zwei Externe. Am Mittwoch hat das Abi mit Deutsch begonnen, am Freitag war Pause. Allerdings nur für die Schüler - Strödecke sagte, er und die Lehrer seien schon mit der Organisation der kommenden Woche beschäftigt. Dann geht es am Dienstag weiter mit Mathe.

"Klare Hygienehinweise"

So hatte am Freitag auch Direktor Alexander Göbel am Tölzer Gabriel-von Seidl-Gymnasium gut zu tun. Das Abi unter Corona sei "durchaus viel Arbeit", sagte er, genau wie der übrige Schulalltag in der Krise. Drei Hygienepläne habe man schon an die Eltern weitergegeben, "und wir werden unseren vierten machen". Am Tölzer Gymnasium absolvieren 104 junge Leute ihre Reifeprüfung, "streng nach den Vorgaben des Kultusministeriums", wie Göbel betont. Nur knapp über sechzig seien daher in der Turnhalle untergebracht, der Rest auf zwei weitere Räume verteilt, "mit weit über einem Meter fünfzig Abstand". Zu Beginn jedes Prüfungstags gebe es "klare Hygienehinweise". So müssten Prüflinge, sollten sie aus dem Raum gehen, die Maske aufsetzen. Und wer der nachdrücklichen Aufforderung, den eigenen Duden mitzubringen, nicht nachgekommen sei, müsse nach vorn gehen, Einmal-Handschuhe anziehen und dort nachschlagen. Bis jetzt ist offenbar alles gut gelaufen. "Ein bisschen aufwendiger könnte es in Fächern wie Kunst werden", sagt Göbel. Gemeinsame Materialtische seien jedenfalls ausgeschlossen.

Gabriel-von-Seidl-Gymnasium

Alexander Göbel, Direktor am Tölzer Gymnasium.

(Foto: Manfred Neubauer)

Respekt vor den Jugendlichen

Wie stark ein Abi unter den aktuellen Bedingungen eine Schule beansprucht, wird am Beispiel Icking deutlich. Am Rainer-Maria-Rilke-Gymnasium gibt es 72 Lehrkräfte, die baner momentan nicht alle an der Schule sind. Und fürs Abi, so Direktorin Astrid Barbeau, werden pro Prüfungsstunde 24 Lehrkräfte gebraucht. "An jedem Prüfungstag das komplette Kollegium." Das Ickinger Gymnasium verteile die Prüflinge auf so viele Räume, dass fast alle Gebäudetrakte an der Ulrichstraße belegt seien, erklärt Barbeau. "Denn wir legen großen Wert darauf, dass alles gut belüftet wird." Das bedeutet: Alle Fenster und Türen sind offen. Und das ginge natürlich nicht, wenn nebenan unterrichtet würde. Am Mittwoch, dem ersten Abi-Tag, habe aber "alles gut geklappt", sagt die Direktorin. Sie sei zufrieden. Im Übrigen zollt sie den Schülerinnen und Schülern großen Respekt. Sie hätten auch schon in der Zeit des Lernens zu Hause große Reife gezeigt, sagt sie. Und jetzt - nach einem Abi-Prüfungstag wolle man sich doch normalerweise in die Arme fallen, aber das gehe ja nun nicht. Barbeau sinniert: "Eine Schule beruht auf Nähe, und jetzt müssen wir Abstand einfordern."

© SZ vom 23.05.2020

Astrid Barbeau, Direktorin am Gymnasium Icking.

(Foto: Hartmut Pöstges)

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