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Von der Renaissance bis zur Gegenwart:"Einfach schee"

Mezzosopranistin Barbara Hölzl

Die Altistin Barbara Hölzl ist eine grandiose Sängerin mit samtiger Tiefe und stets durchdachter Gestaltung.

(Foto: Manfred Neubauer)

Barbara Hölzl: warmer Mezzo mit bairischer Note

Man erwischt Barbara Hölzl zwischen Schneeschippen und Hundausführen, momentan ist sie wieder in Wackersberg. Wenn sie erzählt, vom Konzert neulich im Herkulessaal in München, 9. Sinfonie von Beethoven, vom Goldenen Saal in Wien mit der wunderbaren Akustik, oder von ihrem neuen Programm "Venezianischer Liederabend", das "einfach so schee is", dann fühlt man sich gleich daheim in dieser warmen Stimme mit dem bairischen Dialekt. Hölzl ist Mezzosopranistin und auf den bedeutendsten Bühnen Europas zu Hause; die gebürtige Tölzerin hat mit den Wiener Philharmonikern, den Wiener Symphonikern, der Camerata Salzburg oder dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks gearbeitet. Ihr Repertoire reicht von der Renaissance bis zur Gegenwart, von Opern über Orchesterkonzerte bis zu Messen, namhafte Dirigenten wie Rudolf Barshai, Nikolaus Harnoncourt, Wolfgang Sawallisch oder Heinrich Schiff haben sie geholt.

Kritiker schwärmen von ihrer Vielseitigkeit und Ausdruckskraft, von der warmen, dunkel-leuchtenden Stimme. Dabei habe ihre erste Klavier- und Gesangslehrerin, eine ältere Dame aus Reichersbeuern, sie zunächst als Sopran eingestuft, erzählt die 56-Jährige. "Aber das hat keinen Spaß gemacht, weil das einfach zu hoch für mich war."

Sie sang im Tölzer Kirchenchor, ging auf die Realschule und absolvierte eine Ausbildung zur Kinderpflegerin, weil die Musik doch ein "ziemlich unsicheres Pflaster" sei. Mit 21 wurde Hölzl, die aus einer "musikbegeisterten" Unternehmerfamilie stammt, am Richard-Strauss-Konservatorium in München angenommen. Sie wechselte 1987 an die Musikhochschule nach Wien, schloss dort mit Auszeichnung und dem "Würdigungspreis der Republik Österreich" ab. Für Studenten habe es damals billige Plätze für 21 Schilling vom Wiener Musikverein gegeben, und alle hätten sie den gleichen Traum geträumt: Einmal im Goldenen Saal singen.

Für Hölzl war es 1991 soweit, die damals 29-Jährige gab dort ihr Debüt mit Mendelssohns "Elias", der heute noch zu ihren Lieblingswerken gehört. Danach seien Agenturen auf sie zugekommen, sie arbeitete mit Nikolaus Harnoncourt, "das war für eine junge Sängerin natürlich enorm wichtig." Es folgten Auftritte in allen wichtigen europäischen Musikmetropolen, in Brasilien und Japan. Ein aufregendes, anstrengendes Leben, "eine scheene Arbeit", sagt Hölzl. Vor den meisten Konzerten gibt es nur eine Solisten- und eine Orchesterprobe, ganz selten auch eine Generalprobe. Die Routine werde größer mit den Jahren, sagt Hölzl, "aber das Nervenkostüm nützt sich ab".

Inzwischen ist ihr Terminplan nicht mehr ganz so voll, sie ist öfter in Wackersberg, wo sie mit Mann und Hund lebt. Dann singt sie auch im Chor der Dorfkirche Sankt Nikolaus mit, an Weihnachten zum Beispiel, "das ist für mich ganz klar". Der Kulturpreis des Landkreises freue sie sehr, sagt Hölzl, gerechnet habe sie damit "überhaupt nicht". Und das klingt kein bisschen kokett.