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Vom Dorf zum Stadtteil:Gelting wächst

Aus dem einstigen Dorf ist ein Stadtteil mit einem spürbaren Siedungsdruck geworden. Aktuell erweitert sich der 1800-Einwohner-Ort nach Süden hin

Gelting ist ein Dorf. So sagt man - weil es historisch so gewachsen ist. Nun ist Gelting aber seit 1978 ein Stadtteil von Geretsried, hat inzwischen 1800 Einwohner, und der Siedlungsdruck ist durchaus auch hier zu spüren. In den vergangenen Jahren ist Gelting vor allem im Ortskern verdichtet worden. Nördlich des Gasthauses "Neuwirt" sind Einfamilien- und Doppelhäuser gebaut worden. In der Nähe der Kirche sind sogar zwei Reihenhauszeilen entstanden, die ganz und gar keinen Dorfcharakter haben. Der Geretsrieder Bauamtsleiter Jochen Sternkopf sagt, ein Dorf könne man Gelting ohnehin nicht mehr nennen, seit die Bauern fast alle ausgesiedelt seien und es an der Hauptstraße auch keine Handwerker mehr gebe. Er würde Gelting einen "ländlichen Stadtteil von Geretsried" nennen, meint Sternkopf.

Gelting wächst also. Aktuell geht es um eine Erweiterung des Orts am südwestlichen Rand, zwischen dem Loisach-Isar-Kanal, dem Loisachweg und der Herrnhauser Straße. Mehrere Grundstückseigentümer haben bei der Stadt die Ausweisung zusätzlichen Baulands beantragt. Der Entwicklungs- und Planungsausschuss empfahl diese Woche dem Stadtrat, dazu einen Bebauungsplan aufzustellen.

Um den Bauwünschen entgegenzukommen, soll dies ausdrücklich schon jetzt geschehen, so beschloss der Ausschuss mit knapper Mehrheit der CSU gegen die Vertreter von SPD, Grünen und Freien Wählern (5:4). Die Alternative wäre gewesen, die Neuaufstellung des Flächennutzungsplans abzuwarten, die in derselben Sitzung beschlossen wurde. Edith Peter (SPD) sprach sich für diesen Weg aus, weil man sonst Flickwerk produziere. Auf die Frage von Sonja Frank (FW), um wie viel dies die Baulandausweisung für Gelting verzögern würde, sagte Sternkopf, etwa um ein Jahr. Der Geltinger Stadtrat Franz Wirtensohn (CSU) empfahl daher, gleich den Bebauungsplan anzustreben: "Ein Bedarf ist da", sagte er.

Im Geretsrieder Rahmenplan für die Ortserweiterung Geltings, der aus dem Jahr 2001 stammt, ist für den jetzt ins Auge gefassten Bereich keine Baulandausweisung vorgesehen. Die Stadt hat dies vom Münchner Planungsbüro L7 überprüfen lassen, mit dem Ergebnis, dass eine maßvolle Erweiterung in Betracht komme. Außerdem hat die Stadtverwaltung den tatsächlichen Bedarf der Bauwerber geklärt. Demnach beanspruchen die meisten zusätzliche Häuser für sich selbst oder ihre Kinder. Allerdings sollen nach städtischer Planung nur sieben Häuser in aufgelockerter Bauweise möglich sein, die Antragsteller hatten sich elf gewünscht. Der Landwirt, dessen Anwesen am Rand des Gebiets zur Herrnhauser Straße hin liegt, habe langfristig vor, den Hof auszusiedeln, berichtete Sternkopf. Im Beschluss des Entwicklungsausschusses wird auch für diesen Bereich eine Baulandausweisung empfohlen.

Der Nachteil des vorliegenden Entwurfs sei, dass er eine Erschließungsstraße im Süden der neuen Häuser vorsieht, sagte Sternkopf: "Das schreit praktisch nach Erweiterung." Man kann also davon ausgehen, dass Gelting bald weiter wachsen wird.

Historie

In den Erläuterungen zum Flächennutzungsplan der Stadt Geretsried, der 1995 aufgestellt wurde, heißt es:

"Eine historisch gewachsene Siedlungsentwicklung hatten die Ortsteile Gelting und Schwaigwall. Sie wurden Mitte des 8. Jahrhunderts vom Kloster Benediktbeuern gegründet und blieben bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts bäuerliche Ansiedlungen in der Kulturlandschaft. Erst in neuerer Zeit haben sich auch in Gelting um den Dorfkern größere Wohnsiedlungsbereiche angelagert bzw. wurden landwirtschaftliche Nutzungen zu Gunsten von Wohnnutzung aufgegeben." fam

www.geretsried.de