Vitalzentrum in Bad Tölz Streit um neues Kneippbecken

Südlich des Vitalzentrums in Bad Tölz soll das neue Kneipp-Becken entstehen. Das gefällt nicht jedem.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Bürgermeister Josef Janker möchte eine Anlage im denkmalgeschützten Kurpark errichten. Doch seine Pläne stoßen auf Widerstand bei den Vorsitzenden des Freundeskreises Badeteil, Willibald Raab und Ulrich Mohr.

Von Klaus Schieder

Zu Bad Tölz gehört ein Kneippbecken - das steht für Bürgermeister Josef Janker (CSU) außer Frage. Die im Kurpark geplante Anlage, die vis á vis vom Vitalzentrum für etwa 220 000 Euro entstehen soll, stößt allerdings auf Widerstand. Der Bau einer aufwendigen und teuren Kneipp-Anlage im denkmalgeschützten Kurpark finde bei vielen Tölzer Bürgern keine Zustimmung, argumentieren die beiden Vorsitzenden des Freundeskreises Badeteil, Willibald Raab und Ulrich Mohr, in einem Schreiben an die Stadt. Selbst der Bund der Steuerzahler in Bayern erkundigte sich bereits im Rathaus, wie das Projekt denn finanziert werden solle. Janker weist die Bedenken zurück. Die Kneipp-Anlage sei nicht bloß ein "Nice to have", sondern ein Muss für eine Gesundheitsstadt wie Tölz.

Früher gab es ein Kneippbecken an der Isar. Das war baufällig und wurde 2015 geschlossen. Von einem Ersatz an selber Stelle sah man wegen eines fehlenden Nutzungskonzeptes ab. Außerdem, so Janker, hätte man dort auch ein neues WC-Haus errichten müssen. Als das Vitalzentrum an der Ludwigspromenade entstand, prüfte die Stadt auf dem Gelände mit dem benachbarten Haus des Gastes und der Kurbücherei auch den Bau einer Anlage zum Wassertreten. Aber dort fehlt Janker zufolge ein passender Platz. Die Freifläche in der Mitte zwischen den drei Gebäuden sei als Treffpunkt gedacht, wo sich die Gäste hinsetzen und ausruhen. Der etwas versteckte Garten im hinteren Bereich sei ebenfalls nicht in Frage gekommen, weil Kursteilnehmer dort geschützt ihre Übungen absolvieren könnten, sagt der Bürgermeister. Deshalb sei man mit dem geplanten Kneippbecken auf die andere Seite der Ludwigspromenade in den Kurpark gegangen. Geplant sind dort neben dem Bassin zum Wassertreten auch Sitzbänke und Informationstafeln zum richtigen Kneippen.

Für den Freundeskreis Badeteil ist dies der falsche Platz. 211 Unterschriften sammelte er nach eigenen Angaben auf Listen und online gegen das Projekt. Dem Verein ist vor allem "die Abholzung von Bestandsbäumen" ein Dorn im Auge, wie Raab und Mohr mitteilen. Ein Argument, das den Bürgermeister fuchst. Bislang gebe es ja noch keine Planung, kritisiert er. "Erst wenn sie steht, kann man die Frage beantworten, ob Bäume gefällt werden." Dem Freundeskreis wirft Janker daher vor, "Leute zu manipulieren". Dem Bund der Steuerzahler habe die Stadt klargemacht, dass sie die Kneipp-Anlage für notwendig erachtet. Weil Bad Tölz eben eine Gesundheitsstadt sei, weil Bad Tölz vom Tourismus lebe, so Janker. Allerdings ist das Vorhaben auch im Stadtrat nicht unumstritten. Als der Kur- und Tourismusausschuss den Bau des Beckens im Oktober vorigen Jahres billigte, stimmten vier Stadträte dagegen. Anton Mayer (CSU) zweifelte nicht bloß am Standort, sondern überhaupt am Bedarf für ein solches Becken zum Wassertreten. Dagegen sagt Janker ohne Wenn und Aber: "Zu den Gesundheitsangeboten in Tölz gehört eine Kneipp-Anlage dazu." Nahe am Vitalzentrum mit seinen Kursen, Vorträgen und Seminaren ist sie aus seiner Sicht auch völlig richtig angesiedelt.

Der Kurpark, die Promenade, das Zentrum - all dies müsse man "als eine Einheit sehen", sagt der Bürgermeister. Aus diesem Grund sollte die Promenade auch als Verbindung zwischen Vitalzentrum und Kneippbecken gestaltet werden. Janker kann sich zum Beispiel einen anderen Pflasterbelag vorstellen, ebenso eine intensivere Bepflanzung. Dadurch solle "ein gehobener Aufenthaltsbereich" entstehen, sagt er. Allerdings müssten Busse und Feuerwehr noch hindurchfahren können. "Das wird die Planung zeigen, dann können wir weiter darüber reden."

Die Kosten von rund 220 000 Euro bezeichnet auch Janker als nicht eben billig. Für ihn gehört die Kneipp-Anlage jedoch zu den kleinen, aber feinen Besonderheiten, die Bad Tölz den Besuchern zu bieten hat. Dazu zählt er das Planetarium, das Marionettentheater oder auch den Thomas-Mann-Weg, der im Juni fertiggestellt sein soll. "Wenn ich immer bloß auf dem Status quo verbleibe, dann habe ich verloren", sagt der Bürgermeister. Außerdem verweist er darauf, dass das Kneipp-Becken über das sogenannte RÖFE-Programm zur Förderung von öffentlichen touristischen Infrastruktureinrichtungen mit circa 45 Prozent der Kosten bezuschusst wird. Selbst der Freistaat drücke mit dieser Unterstützung aus, "macht das, ihr Kurorte", sagt Janker. "Und das werden ja auch nicht ganz Dumme dort sein."