Gedenken an Ernst SchweinbergerEin Leben für die Versöhnung

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Ihre Erinnerungen an Ernst Schweinberger teilten (v.l.) Bürgermeister Ingo Mehner, Martin Schweinberger und Bernard Kajdan, stellvertretender Bürgermeister von Vichy, bei der Feierstunde am Vichyplatz.
Ihre Erinnerungen an Ernst Schweinberger teilten (v.l.) Bürgermeister Ingo Mehner, Martin Schweinberger und Bernard Kajdan, stellvertretender Bürgermeister von Vichy, bei der Feierstunde am Vichyplatz. Manfred Neubauer

Die Stadt Bad Tölz erinnert an den ehemaligen Studiendirektor und Begründer der Städtepartnerschaft mit Vichy mit einer Gedenktafel und einer Feierstunde.

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

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1945 setzte sich Ernst Schweinberger aufs Rad, um von Bad Tölz nach Frankreich zu fahren. Dort wollte er um Vergebung für all die Kriegsverbrechen bitten, die Nazi-Deutschland dem Nachbarland angetan hatte. An sein Ziel gelangte er nicht. In Straßburg wurde der 22-Jährige abgewiesen, weil er keine ordentlichen Ausweispapiere dabei hatte. Aber Schweinberger ließ nicht locker. Und so wurde 21 Jahre später die Städtepartnerschaft zwischen Tölz und Vichy besiegelt. Ernst Schweinberger sei "der Initiator, der Motor und die große Klammer" dieser Verbindung auf Tölzer Seite gewesen, sagte Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) bei der Enthüllung der Gedenktafel für den 2005 gestorbenen Studiendirektor auf dem Vichyplatz.

Leicht hatte es Schweinberger auch in den Sechzigerjahren nicht, eine Städtefreundschaft aufzubauen. 1964 fuhr er zusammen mit dem damaligen Kreisjugendpfleger Karl Weigl und Kaplan Mooshuber auf der Suche nach einer Partnerstadt nach Frankreich, alle drei kehrten jedoch unverrichteter Dinge wieder zurück. Knapp 20 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Schrecken der Nazi-Okkupation noch allgegenwärtig. Erst als Schweinberger in Jean Sulacroix einen Gleichgesinnten in Vichy fand, klappte es doch noch mit der Städtepartnerschaft. Die habe er dann "über Jahrzehnte am Leben gehalten", sagte Mehner.

Für seine Verdienste um die Völkerverständigung erhielt Ernst Schweinberger etliche Auszeichnungen, die auf der neuen Gedenktafel am Vichyplatz aufgelistet sein.
Für seine Verdienste um die Völkerverständigung erhielt Ernst Schweinberger etliche Auszeichnungen, die auf der neuen Gedenktafel am Vichyplatz aufgelistet sein. Manfred Neubauer

Dazu braucht es für den Tölzer Bürgermeister "nichts Abstraktes". Eine solche Verbindung funktioniere einfach über die Menschen auf beiden Seiten, sagte er bei der nächtlichen Feierstunde am Sonntagabend am Vichyplatz. "Es geht darum, dass man sich kennenlernt, schätzen lernt, gemeinsame Interessen entwickelt, an dieser Freundschaft arbeitet." Das erlebte Mehner selbst durch Ernst Schweinberger.

Seine Freude als Gymnasiast am Fach Französisch sei nicht allzu groß gewesen, bekannte der Rathauschef. Dies änderte sich durch seinen damaligen Nachbarn, eben Schweinberger. Der Begründer der Städtepartnerschaft habe dazu beigetragen, "dass ich Interesse bekommen habe", sagte der Bürgermeister. Als Jugendlicher nahm Mehner am Schüleraustausch teil, fuhr später auch zum Arbeiten nach Vichy. Sein Fazit: Die Partnerschaft werde bis heute gepflegt, "mal intensiver, mal weniger intensiv, aber immer mit großer Überzeugung".

An der Enthüllung der Gedenktafel nahmen neben Bernard Kajdan (3.v.r.) auch Stadtrat Gabriele Meucci aus der Partnerstadt San Giuliano Terme, Andrea Meinrath, Tochter von Ernst Schweinberger, mit ihrem Mann, Monika Öttl, Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins, und Matteo Cecchelli, stellvertretender Bürgermeister von San Giuliano Terme (v.l.) teil .
An der Enthüllung der Gedenktafel nahmen neben Bernard Kajdan (3.v.r.) auch Stadtrat Gabriele Meucci aus der Partnerstadt San Giuliano Terme, Andrea Meinrath, Tochter von Ernst Schweinberger, mit ihrem Mann, Monika Öttl, Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins, und Matteo Cecchelli, stellvertretender Bürgermeister von San Giuliano Terme (v.l.) teil . privat/oh

Auch Bernard Kajdan, der mit 13 Jahren nach Bad Tölz kam, erinnert sich noch genau an Ernst Schweinberger. Die Schülergruppe aus Vichy war seinerzeit zwischen Weihnachten und Neujahr in Benediktbeuern untergebracht, wo Kajdan ihm zum ersten Mal begegnete und zunächst erschrak. "Er sah so ernst aus, und ich dachte, das wird nicht so toll werden", erzählte der stellvertretende Bürgermeister von Vichy. Ein Trugschluss, denn in der Neujahrsnacht sorgte Schweinberger dafür, dass die französischen Schulkinder nicht schon beizeiten ins Bett mussten. Als Lehrer allerdings sei er "anstrengend" gewesen, sagte Kajdan. "Aber nachher waren wir Freunde. Ich komme immer gerne nach Tölz."

Lodenmantel, Baskenmützen, feines Lächeln - so schilderte Martin Schweinberger seinen Vater, der zu Lebzeiten einige Auszeichnungen erhielt. Die Bürgermedaille von Vichy und die Silberne Bürgermedaille von Tölz seien ihm besonders wichtig gewesen. Sein Vermächtnis sei, dass sich Probleme nie durch Nationalismus und Chauvinismus lösen ließen. Sein Ziel sei es gewesen, den Frieden in Europa auszubauen. Und das gelinge am besten, wenn man gemeinsam esse, gemeinsam trinke, gemeinsam ratsche. "Mein Vater war gut im Essen, nicht gut im Trinken, herausragend im Erzählen, im Ratschen."

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