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Vernetzung gefordert:Mehr Verbindungen fürs Oberland

Der Busverkehr im Landkreis lässt viele Wünsche offen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

SPD macht öffentlichen Nahverkehr zum Wahlkampfthema

Damit der öffentliche Personennahverkehr im Oberland eine wirkliche Alternative zum Auto wird, sind an vielen Stellen Verbesserungen nötig. Neu ist diese Erkenntnis nicht, fast alle Parteien haben entsprechende Forderungen seit langem auf der politischen Agenda. Viel passiert ist jedoch nicht. Die SPD hat ihre erste Kreiskonferenz in diesem Jahr am Donnerstag im Eglinger Gasthaus Oberhauser diesem Problem gewidmet - und die Forderungen nach Ausbau, besserem Takt und Tarifen zum Thema für den kommenden Landtagswahlkampf ausgerufen. Was man besser machen könnte, erläuterte der Kochler Thomas Weißenborn, seit 1985 Mitglied im Fahrgastverband "Pro Bahn", in einem ausführlichen Referat. "Der ÖPNV im Oberland ist eine Riesenbaustelle", sagte er.

Weißenborn, für den der öffentliche Nahverkehr nach eigenen Angaben zur "Passion" geworden ist, legte zunächst eine ernüchternde Analyse des Ist-Zustands vor: Eingleisige Strecken bei der S 7 im Nordlandkreis, aber auch bei der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) und den Meridian-Zügen im Süden führten bei Störungen regelmäßig zu Verspätungen und Ausfällen im Schienenverkehr. Die "teilweise hundsmiserable Informationspolitik" frustriere die Fahrgäste noch mehr. Bei den Bussen gebe es zwar im Norden ein "relativ gutes Angebot", sagte Weißenborn. Im Süden aber sei das Angebot vielerorts viel zu dürftig. "Wenn ich von Kochel nach Geretsried will, ist die einzige Alternative das Auto."

Zudem erschwerten komplizierte Fahrpläne und unterschiedliche, nicht kombinierbare Tarife von MVV, BOB und Meridian den Alltag der Pendler. Und es fehle an Querverbindungen zwischen den Städten, landkreisübergreifend gebe es fast keinen Busverkehr. Wolle man etwa von Geretsried nach Miesbach, leite einen die App erst mit der S-Bahn nach München und dann mit der BOB wieder raus, erzählte Weißenborn. "Wenn Sie das mit dem Bus fahren wollen, machen Sie eine halbe Weltreise. Sie lassen dann zwar München aus, aber Sie brauchen dreimal so lang."

Weißenborn, seit zehn Jahren SPD-Mitglied, präsentierte zahlreiche Verbesserungsvorschläge und Wünsche. Eingermaßen schnell umsetzen könne man Taktverbesserungen bei den Zügen und Bussen, auch bei der Verknüpfung der einzelnen Strecken seien "deutliche Verbesserungen durchaus möglich", etwa bei der Verbindung Kochel-Murnau-Garmisch. Mittelfristig sei der Ausbau der S7 nach Geretsried vordringlich: Hier sei auch die SPD gefordert, Druck auf die bayerische Staatsregierung und die neue Verkehrsministerin Ilse Aigner zu machen. "Wir müssen das jetzt endlich in trockene Tücher bringen." Zudem brauche es neue Züge und Busse, mit Elektromotor im Stadtverkehr. Der Störungsanfälligkeit der eingleisigen Strecken könne man vielerorts mit so genannten "Doppelspurinseln", längeren zweigleisigen Stücken zwischen den Bahnhöfen, entgegenwirken. Auf der S 7-Strecke biete sich der Bereich bei Buchenhain an, wo die Gleise über freies Feld führten. Und der Tarif müsse endlich vereinheitlicht werden.

Damit die aus Umweltgründen dringend nötige Verkehrswende stattfinde, müsse man "Druck auf die Entscheidungsträger machen", lautete das Fazit Weißenborns. "Wir müssen relativ einfache und plakative Forderungen stellen, die auf einen Ausbau hinzielen", konstatierte der ehemalige Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel. "Wir brauchen ein ganzheitliches Mobilitätskonzept", erklärte Robert Kühn, Stimmkreiskandidat für die Landtagswahl im Oktober. "Ich habe mir den öffentlichen Nahverkehr auf die Agenda geschrieben."

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