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Verlängerung der S7:Bahn hält an Schrankenlösung fest

Der Konzern informiert in Loisachhalle über den aktuellen Planungsstand. Ein Punkt sorgt bei den Anwesenden für Skepsis.

Wolfgang Schäl

Der ganz große Ansturm ist ausgeblieben: Nur zu rund zwei Dritteln war die Loisachhalle am Mittwochabend beim großen Informationstreffen gefüllt, mit dem die Bahn Rechenschaft über den aktuellen Planungsstand und den Ablauf des Anhörungsverfahrens zur S-7-Verlängerung ablegte.

Reges Interesse zeigten die Besucher der Informationsveranstaltung zur S-7-Verlängerung an den Plänen, die im Foyer der Loisachhalle den Streckenverlauf von Wolfratshausen nach Geretsried skizzierten.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Zu Wort meldeten sich bei der mehr als dreistündigen, überwiegend sachlichen Diskussion fast ausschließlich Wolfratshauser. Referenten waren Konrad Daxenberger vom Münchner Ingenieurbüro Lahmeyer, der auf Planungsverfahren spezialisierte Rechtsanwalt Hartmut Heinrich und Klemens Kretschmer von der DB Projektbau. Für Umweltaspekte stand Ingenieur Michael Schober zur Verfügung.

Daxenberger und Kretschmer gingen in ihren Referaten weit ins Detail und riefen auch die Vorgeschichte der Planungen in Erinnerung, die in ihren Vorstufen bis ins Jahr 1992 zurückreichen - damals wurden die ersten Machbarkeitsstudien angefertigt, die dann zum Abschluss des Raumordnungsverfahrens im Jahr 2004 und zur Planungsvereinbarung zwischen Bahn und Freistaat im Jahr 2006 führten.

Kretschmer zufolge ist im Jahr 2013 mit dem Abschluss des Planfeststellungsverfahrens zu rechnen, 2014 mit der Vergabe der Einzelgewerke für die Bauarbeiten. Sie sollen nach dem aktuellen Zeitplan mit der Erschließung der Baustellen im Jahr 2015 beginnen und im Jahr 2018 abgeschlossen sein. Niedergelegt sind die planerischen Details in acht Ordnern, die rund 900 Seiten und 20 Anlagen umfassen.

In Stein gemeißelt, daran ließ keiner der Experten auf der Loisachhallenbühne den geringsten Zweifel, ist darin die in Wolfratshausen so unbeliebte Schrankenlösung - es ist der einzige höhengleiche Bahnübergang im gesamten neuen, neun Kilometer langen Trassenverlauf. Alle anderen Querungen bis zur Endhaltestelle im Ortsteil Geretsried-Süd sind zum Teil sehr aufwendige Unter- beziehungsweise Überführungen. So werden an der Königsdorfer Straße die Gleise abgesenkt.

Mit Skepsis nahmen die Versammelten zur Kenntnis, dass es im Bereich des Übergangs auch Verkehrsbeschränkungen geben wird: Eine Distanz von 25 Metern auf jeder Seite muss von Parkplätzen freigehalten werden, auch Linksabbiegen ist in dieser als "Räumstrecke" bezeichneten Zone nicht erlaubt. Vorgesehen sind den vorgestellten Plänen zufolge drei Haltepunkte: der erste im Geltinger Gewerbegebiet, ein zweiter im Bereich des Karl-Lederer-Platzes, Endstation wird nach nahe der Richard-Wagner-Straße sein.

Auf Anfrage des dritten Geretsrieder Bürgermeisters Robert Lug versicherte Kretschmer, dass es grundsätzlich möglich sei, auf die Verlegung der B 11 an den Schwaigwaller Hang und auf die Böhmwiesenplanung kurzfristig mit Tekturen an der Trassenführung zu reagieren. Die acht Ordner werden im Rahmen des Anhörungsverfahrens in den drei beteiligten Kommunen ausgelegt, sodass für Bürger die Möglichkeit zur Einsichtnahme und zu schriftlichen Einwendungen bestehe, betonte Anwalt Heinrich.

Er verwies allerdings eindringlich auf die 14-Tage-Frist, in der dies geschehen müsse. Enteignung werden nach seiner Erwartungen die absolute Ausnahme bleiben. Falls es doch zu juristischen Auseinandersetzungen kommen sollte, sei der Bayerische Verwaltungsgerichtshof zuständig, der allerdings nur mit anwaltlicher Unterstützung angerufen werden könne.

© SZ vom 27.01.2012

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