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Verkehrssicherheit:Leiser durch Münsing

Auch viele Eltern in Münsing setzen sich für eine Verkehrsberuhigung der Hauptstraße ein. Nun wird über Tempo 30 diskutiert.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Bürgerliste will per Lärmaktionsplan Tempo 30 in der Hauptstraße erreichen. Der Bürgermeister warnt vor schnellen Ergebnissen

Von Benjamin Engel, Münsing

Für die Münsinger Hauptstraße soll Wolfratshausen Vorbild werden: Aus Lärmschutzgründen gilt auf vielen Verkehrsachsen der Flößerstadt wie der Bahnhofstraße/Am Floßkanal oder in der Markstraße Tempo 30. Grundlage war ein Aktionsplan für Brennpunkte mit hohem Geräuschpegel. In Münsing fordert nun die Bürgerliste wenige Tage vor der Kommunalwahl genauso vorzugehen. "Lärmschutz wie in Wolfratshausen kann ein neues Argument für Tempo 30 in der Münsinger Hauptstraße sein", schreibt Gemeinderätin und Bürgerliste-Spitzenkandidatin Ursula Scriba. Den Antrag der Bürgerliste hat auch der Münsinger SPD-Gemeinderat Heinz Schreiner mit unterzeichnet. Mit bisherigen Forderungen nach Tempolimits sind Münsinger Eltern und Anwohner an der Haltung der Verkehrsbehörde im Tölzer Landratsamt gescheitert.

Der hohe Lärmpegel könnte aus Sicht der Bürgerliste für Münsing der Schlüssel zum Ziel sein. Mit einem ersten Antrag zur Geschwindigkeitsreduzierung ist die Bürger im Gemeinderat gescheitert. Jetzt fordert Scriba Tempo 30 auf der Hauptstraße bereits nördlich der Einmündung der Bachstraße bis zur Ortsausfahrt Richtung Weipertshausen westlich der Grundschule. Dafür soll ein Lärmgutachten an den Verkehrsbrennpunkten erstellt werden. Dann sind die scharfe Kurve am früheren Gasthaus Limm, die Kreuzungen an der Einmündung der Degerndorfer Straße sowie beim Altwirt. Außerdem will die Bürgerliste an der abschüssigen Strecke nördlich der Bachstraße dauerhaft eine Geschwindigkeitsanzeigeampel installieren. Denn Fahrzeuge kämen mit hohem Tempo herunter und bremsten zu spät, sagt Scriba.

Täglich knapp 7600 Fahrzeuge, davon 243 Laster, waren ihr zufolge laut einer Zählung von 2015 auf der Münsinger Hauptstraße unterwegs. Für mehr Verkehrssicherheit auf der viel befahrenen Verkehrsachse sammelten Eltern von Schülern im Vorjahr 153 Unterschriften. Sie wünschten sich Zebrastreifen, eine Ampel oder Tempolimits. Doch die Aussage aus dem Tölzer Landratsamt war unmissverständlich: Außer einem markierten Übergang für Schulhelfer gebe die Gesetzlage keine Möglichkeiten, so hieß es in einer Stellungnahme der Verkehrsbehörde. Mehr als den aktuellen Antrag der Bürgerliste intensiv zu prüfen, mag Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) momentan nicht versprechen. Im Rahmen des Städtebauprogramms arbeite die Kommune an einer Wirkungsanalyse zum verkehr. Ein Fachbüro sei eingeschaltet. Erst kürzlich habe der Wolfratshauser Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) bei einer gemeinsamen Veranstaltung vom Vorgehen zum Lärmschutz berichtet.

Demnach seien erst jahrelang die Geräuschpegel an Straßen gemessen sowie Lärmgutachten erstellt worden. Die Anordnung von Tempo 30 sei nur befristet. "Das haben wir den Antragstellern mehrfach mitgeteilt, was aber im Wahlkampf anscheinend kein Gehör findet", schildert Grasl. Mehr als tätig zu werden und Antrage zu bearbeiten, könne das Rathaus nicht.

Der Weg zum Tempo-30-Limit war in Wolfratshausen lang. 2015 hatten die Planungen begonnen. Der Stadtrat hatte zwei Jahre später den Lärmaktionsplan verabschiedet. Die Regierung hatte aber Bedenken gegen die geforderten Geschwindigkeitsbegrenzungen. Daher überarbeitete die Stadt das Papier mit Hilfe eines externen Fachbüros. Erst im Vorjahr signalisierten die Regierung als höhere und das Landratsamt als anordnende Behörde Zustimmung.

Für Münsings Bürgermeister Michael Grasl ist aber auch der Bundesgesetzgeber in der Angelegenheit gefordert. Nur auf dieser Ebene könne entschieden werden, flächendeckend Tempo 30 oder 40 einzuführen, was Grasl befürworten würde. Er wolle jedoch den Leuten nichts versprechen, "was ich nicht verbindlich zusagen kann."

© SZ vom 19.03.2020

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