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Verkehr in Wolfratshausen:Perpetuum mobile

Am Hatzplatz sollte eigentlich ein Parkhaus entstehen - doch der Investor ist abgesprungen. Nun kann die Stadt ihre Pläne dort neu sortieren.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Nach dem Ausstieg des Investors für das Parkhaus am Hatzplatz muss der Wolfratshauser Stadtrat eine Lösung für das Stellplatzproblem in der Stadt finden. Schließlich ist das ein Kernaspekt für die angestrebte Stadtentwicklung.

Von Konstantin Kaip

Die Suche nach einem Parkplatz in der Innenstadt kann sehr frustrierend sein. In Wolfratshausen gilt das auch für die Schaffung neuer Parkmöglichkeiten. Seit sehr vielen Jahren und inzwischen auch Legislaturperioden diskutiert der Stadtrat über ein Parkhaus im Zentrum. Doch nach hoffnungsvoll stimmenden Beschlüssen steht man seit einiger Zeit wieder bei null: Der Investor, der am Hatzplatz ein Parkhaus mit etwa 150 Stellplätzen bauen sollte, ist nach heftiger Kritik an dem geplanten massiven Baukörper am Loisachufer aus dem Erbpachtvertrag mit der Stadt ausgestiegen. Und vom Parkhaus mit 106 Plätzen und Aufzug, das die Stadt selbst am Paradiesweg errichten will, ist weiterhin nichts zu sehen. Wie Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) sagt, hat ein Anwohner gegen die vom Landratsamt erteilte Baugenehmigung geklagt. Nun müsse man mit der Kreisbehörde die juristische Lage klären. "Dann sehen wir, wie wir weiter verfahren."

Wolfratshausen dreht also, um im Bild zu bleiben, eine weitere Runde um den Block. Nichts Ungewohntes, schließlich gab es bei beiden Projekten im Stadtrat schon zahlreiche Pirouetten. Beim Paradiesweg wurde aus einer anfangs empfohlenen ebenerdigen Erweiterung schließlich ein zweistöckiges überdachtes Parkhaus. Zwei Millionen Euro soll es kosten, dank des Lifts und der wegen der Barrierefreiheit in Aussicht gestellten städtebaulichen Förderung von 750 000 Euro kommt es der Stadt aber deutlich günstiger. Ganz unumstritten ist das städtische Parkhaus beim AWO-Seniorenheim nicht. Die neue Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth (Grüne) hält es, gemessen an seinem Nutzen, immer noch für zu teuer. Auch gebe es keine klare Position zu den Parkkosten. Der Stadt sei empfohlen worden, ein Parksystem zu erstellen, das Stellplätze in der Stadt teurer als außerhalb machen solle, hatte sie im Bauausschuss erklärt. Koste das neue Parkhaus Gebühren, nehme der Suchverkehr in der Innenstadt zu. Und Gerlinde Berchtold (SPD) hat das Projekt von Anfang an abgelehnt.

Über das Scheitern der Parkhaus-Pläne am Hatzplatz wiederum dürften viele erleichtert sein. Zwar wurde der Beschluss, vor drei Jahren mit 18 zu sechs Stimmen gefasst, als Durchbruch und Beendigung einer jahrzehntelangen Standortdebatte gefeiert. Als aber die PaWo GmbH des Tölzer Bauunternehmers Siegfried Adlwarth die Pläne vorstellte, die von dem Baurecht im immer noch gültigen Bebauungsplan von 1974 Gebrauch machten, waren viele entsetzt über die Dimensionen der Garage, die auf dem sensiblen Platz am Fluss vor der Altstadt entstehen sollte. Im Stadtrat war vom "Sarkophag von Tschernobyl" die Rede, Anwohner protestierten gegen das zehn Meter hohe Ungetüm. Und die Feuerwehr schrieb einen Brandbrief, weil sie Sorge hatte, wegen der geänderten Zufahrt und der Beschrankung die Ausrückzeiten nicht mehr einhalten zu können. Auch eine moderate Umgestaltung des Planers mit Abstufung in der Höhe überzeugte nicht. Der Investor zog schließlich den Bauantrag zurück.

. Die Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth (Grüne) hält das auf zwei Millionen Euro taxierte Projekt gemessen am Nutzen für deutlich zu teuer.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Kosten für die Bodengutachten und die Planungen musste freilich die Stadt erstatten. Diese Schlappe aber ist in Hinblick auf die damit vermiedene Bausünde für die meisten wohl das geringere Übel. Als er den Ausstieg Adlwarths verkündete, betonte der Bürgermeister dann auch den positiven Effekt des Ganzen: In Hinblick auf die Altstadtaufwertung und die geplante Errichtung des Parkhauses am Paradiesweg "eröffnen sich für die Stadt dadurch neue gestalterische Möglichkeiten und die Chance, diese drei großen städtischen Projekte aus einer Hand zu koordinieren", hieß es in der Pressemitteilung der Stadt. Dafür aber braucht es einen klaren Auftrag, dem wiederum eine gemeinsame Idee zugrunde liegen sollte.

Die zu finden, wird nun Aufgabe des neuen Stadtrats sein. Keine leichte für das Gremium, in dem die Auffassungen auseinandergehen. Die Grünen, die inzwischen die stärkste Fraktion stellen, stehen einem großes Parkhaus im Zentrum angesichts der angestrebten Verkehrswende skeptisch gegenüber. Die neue Wolfratshauser Liste indes würde am liebsten eines mit 150 Stellplätzen mitten im Markt hinter der Happ'schen Apotheke bauen lassen. "Die Innenstädte machen 60 Prozent ihres Umsatzes über Parkplätze", erklärt deren Sprecher Helmut Forster. In Wolfratshausen, wo viele Senioren lebten, seien viele zusätzliche Stellplätze in der Nähe der Geschäfte "nahezu lebensnotwendig". Zusätzliche Stellflächen braucht es vor allem in Hinblick auf die angestrebte Stadtentwicklung: Das Parkhaus am Hatzplatz fand auch deshalb eine Mehrheit, weil es Ersatz schafft für die 51 Stellplätze, die bei der vor Jahren beschlossenen Umgestaltung des Loisach-Westufers zur Flaniermeile wegfallen würden. Zudem sollen, nach dem Ergebnis der Bürgerbeteiligung, bei der Umgestaltung der Marktstraße die dortigen Parkplätze wegfallen. Grünen-Sprecher Peter Lobenstein würde den Hatzplatz "gerne in die Umgestaltung des Westufers integrieren". Und CSU-Fraktionschef Peter Plößl betont, dass, was immer man auf dem Hatzplatz realisiere, auch "verträglich ins Stadtbild passen muss". Hier könnten wieder die Pläne des SPD-Mitglieds Hans Gärtner in Spiel kommen, der schon 2014 drei detaillierte Varianten einer ebenerdigen Erweiterung ausgearbeitet hat.

"Wir müssen uns nach der Sommerpause definitiv Gedanken machen, wie wir da weiter verfahren", sagt Heilinglechner zur Parkhausfrage. Ob es aber bald zu einer handfesten Lösung für den Hatzplatz kommt, bleibt fraglich. Der Stadtrat, der gerade wegen der finanziellen Auswirkungen der Coronakrise in Klausur war, stellt den Investitionsplan noch einmal auf den Prüfstand. Beschlüsse für zusätzliche Ausgaben sind eher unwahrscheinlich. Wolfratshauser und Gäste in der Stadt müssen sich wohl bis auf Weiteres mit den vorhandenen Stellplätzen begnügen. Und notfalls eben geduldig eine weitere Runde um den Block drehen.

© SZ vom 12.08.2020

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