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Verkehr in Münsing:Ärger um Schutzplanke

An der ersten Kuppe südlich von Münsing hat das Bauamt eine Schutzplanke montiert. Anwohner kritisieren das.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Sicherung an Degerndorfer Kreisstraße stört Anwohner

Von Benjamin Engel, Münsing

Das gewellte Bauernland zwischen Münsing und Degerndorf ist für viele Ortsansässige von sich aus wertvoll. Als das Staatliche Bauamt Weilheim kürzlich die dortige Kreisstraße TÖL 20 sanierte, Kuppen teils abflachte und die Streckenführung etwas begradigte, ärgerten sich manche. Sie fürchteten dadurch nur mehr Raser. Jetzt macht einige Anwohner ein neues Stück Stahl und Blech verdrossen.

An der ersten Kuppe südlich von Münsing hat das Staatliche Bauamt direkt vor einer Baumgruppe und nahe von Sitzbänken eine Schutzplanke montiert. Für Markus Graf vom schräg gegenüber liegenden Lagerhaus ist das vollkommen unverständlich. "Das ist der höchste Punkt direkt vor Münsing", sagt er. Viele Leute kämen wegen der wunderschönen Aussicht dorthin. "Mir passt das überhaupt nicht da oben." Das Risiko, dass ein Autofahrer gegen die Bäume pralle, hält Graf für überschaubar. Heuer werde er immerhin schon 50 Jahre alt. An der Baumgruppe sei, so lange er sich erinnere, noch niemand verunglückt.

Gerade mit Sicherheitsaspekten begründet das Staatliche Bauamt Weilheim die neulich installierte Schutzplanke. "Mit dem Ausbau der Kreisstraße musste auch die Erforderlichkeit von sogenannten passiven Schutzeinrichtungen geprüft und gegebenenfalls entsprechend den heute geltenden Regelwerken vorgesehen werden", erklärt Stefan Vogt von der dortigen Straßenbau-Abteilung die Maßnahme. Die Baumgruppe inklusive der Sitzbank nördlich des Lagerhauses gelte als festes Hindernis. Davor müssten alle Straßenverkehrsteilnehmer geschützt werden, wenn sie von der Straße abkämen.

Maßgeblich sind die Richtlinien für passiven Schutz an Straßen durch Fahrzeug-Rückhaltesysteme (RPS 2009). Die Festsetzungen seien nach einem Ausbau wie an der TÖL 20 zwingend anzuwenden, erläutert Simon Neubert vom Staatlichen Bauamt Weilheim. "Die Verkehrsteilnehmer sind hiernach außerhalb geschlossener Ortschaften vor definierten Hindernissen im Seitenraum der Straßen zu schützen, wenn diese nicht entfernt werden können." Darunter fielen etwa Bäume mit einem Stammdurchmesser von acht Zentimetern. Sei das Hindernis bei zugelassenem Tempo 80 bis 100 weniger als 7,50 Meter oder bei erlaubter Höchstgeschwindigkeit von 60 bis 70 Stundenkilometern weniger als 4,50 Meter von der Straße entfernt, sei eine Schutzplanke erforderlich.

Damit diese vollständig wirken kann, muss sie laut Bauamt eine gewisse Länge haben. So solle vermieden werden, dass ein Fahrzeug beim Aufprall die Schutzplanke durchbreche oder auf die Gegenfahrbahn zurück schleudere, schreibt Neubert. Das Risiko, für einen Pkw-Insassen beim Aufprall an einem Baum tödlich zu verunglücken, sei nach Untersuchungen elf Mal höher als bei einer Schutzplanke.

Neubert räumt zwar ein, dass das Unfallgeschehen an der Kuppe der Kreisstraße TÖL 20 in den vergangenen Jahren nicht besonders auffällig war. Aus seiner Sicht sollte es aber immer ein Anliegen sein, die Verkehrssicherheit auf den Straßen zu erhöhen. Für den voraussichtlich im zweiten Halbjahr beginnenden Ausbau der Staatsstraße 2065 zwischen Münsing und Holzhausen kündigt das Bauamt ebenso neue Schutzplanken an. Denn auch dort stehen Bäume an der Ausbaustrecke.

Überzeugt fühlt sich Markus Graf eher weniger. Er formuliert provokant. "Ich frage mich, was die schützen wollen, den Mensch oder den Baum", sagt er. Die Schutzplanke auf der Kreisstraßen-Kuppe hälter er sogar für einen Risikofaktor. An dieser Stelle verjünge sich die Straße. Kämen sich dort ein Radfahrer und ein Lastwagen entgegen, gebe es praktisch keine Ausweichmöglichkeit mehr. Die Schutzplanke ist aus seiner Sicht zu lang. Er hätte sich gewünscht, vor dem Einbau gefragt und informiert zu werden. "Aber das wird einfach gemacht."

© SZ vom 16.04.2021
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