bedeckt München 15°

Verkehr in Bad Tölz-Wolfratshausen:Radfahrer halten Verletztenzahl hoch

Radfahrer gehören zur Risikogruppe im Straßenverkehr. Die Zahl der Stürze hat vergangenes Jahr um über 50 Prozent zugenommen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Im Corona-Jahr 2020 hat es deutlich weniger Unfälle gegeben, bei den Verletzten aber gab es keinen Rückgang. Der Grund dafür ist die steigende Anzahl der Radler, die vor allem im Lockdown vergangenes Jahr zugenommen hat

Von Florian Zick, Bad Tölz-Wolfratshausen

Bei all den Unannehmlichkeiten hatte das Corona-Jahr 2020 auch etwas Gutes: Wegen der Ausgangssperren, des Arbeitens im Home-Office und ganz allgemein wegen der Kontaktbeschränkungen hat es deutlich weniger Verkehrsunfälle gegeben als in gewöhnlichen Jahren. Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zählte die Polizei vergangenes Jahr 3140 Unfälle - das sind 16,3 Prozent weniger als 2019.

Der Landkreis liegt damit ziemlich genau im bayernweiten Schnitt. Wie das Landesamt für Statistik kürzlich mitteilte, hat es im Freistaat vergangenes Jahr 345 411 Unfälle gegeben, ein Minus von 17,1 Prozent im Vergleich zum Jahr zuvor. Und auch im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern-Süd, das neben dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen auch für die Landkreise Rosenheim, Miesbach, Berchtesgaden, Traunstein, Altötting, Mühldorf, Weilheim-Schongau, Garmisch-Partenkirchen und für die kreisfreie Stadt Rosenheim verantwortlich ist, ist die Zahl der Unfälle auf 33 492 gesunken - ein Rückgang von 16,6 Prozent.

Eine Besonderheit gibt es in Bad Tölz-Wolfratshausen allerdings doch. Denn während im restlichen Bayern mit den Unfallzahlen fast überall auch die Zahl der Verletzten zurückgegangen, ist sie im Landkreis sogar noch einmal leicht gestiegen. 2019 registrierten die örtlichen Polizeiinspektionen laut Statistischem Landesamt 556 sogenannte Personenschäden, das Jahr darauf noch einmal zwei mehr - und das eben, obwohl es eigentlich deutlich weniger Unfälle gegeben hat.

Lars Werner, der für Verkehrsfragen zuständige Beamte bei der Polizei in Bad Tölz, kann sich auf diese Zahlen zunächst auch keinen Reim machen. Es habe vergangenes Jahr keine Massenkarambolagen gegeben, bei denen sich besonders viele Menschen auf einmal verletzt hätten. Auch Auffahrunfälle mit vier bis fünf Personen in einem Fahrzeug seien nicht die Regel gewesen. Womöglich sei es einfach ein statistischer Zufall, sagt Werner. Man solle zur Sicherheit aber noch einmal beim zuständigen Polizeipräsidium Oberbayern-Süd nachfragen. Vielleicht hätten die Kollegen dort eine Erklärung.

Im Polizeipräsidium holt sich Pressesprecher Martin Emig die Akten aus dem vergangenen Jahr her. Fahrradstürze würden auch in die Unfallstatistik eingehen, sagt er. Und davon habe es vergangenes Jahr besonders viele gegeben, sagt Emig. Im Lockdown im Frühjahr habe man schließlich nicht viel machen können, Bewegung im Freien sei aber erlaubt gewesen. Deshalb hätten sich extrem viele Leute aufs Fahrrad geschwungen und seien damit auf Tour gegangen. Dadurch habe aber eben auch die Anzahl der Verletzungen zugenommen.

2019 gab es in Bad Tölz-Wolfratshausen 164 Unfälle mit Beteiligung eines Radfahrers. Vergangenes Jahr waren es 251, also 53 Prozent mehr. Und auch bei den Todesfällen war eine Zunahme zu beklagen: Vergangenes Jahr verunglückten zwei Fahrradfahrer tödlich, im Jahr davor war es nur einer.

Auch Motorradfahrer gehörten vergangenes Jahr zur Risikogruppe. Spaßfahrten seien im Lockdown zwar nicht erlaubt gewesen, sagt Polizeisprecher Emig. Trotzdem seien auf den bekannten Strecken viele Biker unterwegs gewesen, zum Beispiel am Kesselberg. Die "Kontrollgruppe Motorrad" sei deshalb auch aktuell wieder verstärkt im Einsatz. Das zeitweise milde Frühlingswetter habe schließlich auch in der noch andauernden zweiten Lockdown-Phase schon wieder viele Motorradfahrer zu Ausfahrten verleitet.

Spaßfahrten sind im Lockdown zwar eigentlich nicht erlaubt, trotzdem sind am Kesselberg viele Biker unterwegs.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Weil bei vielen Unfällen - nicht nur bei denen mit Motorradfahrern - überhöhte Geschwindigkeit die Ursache war, wollen die Polizeipräsidien München, Oberbayern-Nord und Oberbayern-Süd ihre Kräfte bündeln und diesen März einzelne besonders unfallträchtige Strecken verstärkt kontrollieren. Zu diesen Schwerpunktstrecken gehört auch die B 13 zwischen Würzburg und Lenggries. Die Polizei will dort an einzelnen Tagen Blitzer-Aktionen durchführen, bei denen im Abstand von wenigen Kilometern mitunter auch mehrfach hintereinander kontrolliert wird. Sollte diese Maßnahme die Unfallzahlen senken, so heißt es aus dem Polizeipräsidium Oberbayern-Süd, könnte das Reihenblitzen auch auf andere Strecken ausgeweitet werden.

© SZ vom 04.03.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema