Verkehr Aus zwei mach drei

Wolfratshauser Bauausschuss ändert Bebauungsplan für den Kreuzungsbereich an der Schießstättstraße. Künftig soll es jeweils Spuren für Links- und Rechtsabbieger sowie Geradeausfahrer geben

Von Konstantin Kaip, Wolfratshausen

Um den Verkehrsfluss auf der neuralgischen Schießstättstraße zu verbessern, will die Stadt Wolfratshausen die Kreuzung zum Moosbauerweg und zur Margeritenstraße umgestalten. Im Januar vergangenen Jahres hat der Stadtrat beschlossen, dafür den Bebauungsplan zu ändern. Im Dezember hat sich das Gremium für eine Variante entschieden, die auf der Schießstättstraße in Richtung Norden an der Kreuzung drei statt wie bislang zwei Spuren schafft: eine für Linksabbieger, eine für Geradeausfahrer und eine für Rechtsabbieger, von einer Verkehrsinsel von der Kreuzungsmitte getrennt. Nun liegt der Entwurf des Bebauungsplans vor. Der Bauausschuss hat ihn kürzlich einstimmig gebilligt.

Der geplante Umbau der Kreuzung geht zurück auf eine Initiative des Planers Helmuth Ammerl, der für die Stadt ein Verkehrsgutachten im Zuge der geplanten Entwicklung des Kraft-Areals erstellt hatte. Ammerl hatte jedoch empfohlen, die bestehenden zwei Spuren der Schießstättstraße (eine für Linksabbieger, die andere mit Pfeilen geradeaus und nach rechts) in eine gemeinsame Spur für Geradeausfahrer und Linksabbieger und eine nur für Rechtsabbieger zu ändern. Der Bauausschuss hatte sich gegen diesen Vorschlag ausgesprochen - auch auf Empfehlung der Verkehrsbehörden. Der nun von Ortsplaner Josef Singhammer vorgelegte und vom Bauausschuss gebilligte Bebauungsplanentwurf sieht an der Kreuzung auf der Schießstättstraße Richtung Norden drei Spuren mit Verkehrsinsel vor.

Im Zuge des Verfahrens waren auch die Träger öffentlicher Belange gehört worden. Die Stellungnahme der Immissionsschutzbehörde im Landratsamt sorgte im Ausschuss allerdings für Irritationen. Man gehe davon aus, dass durch die Änderung "keine relevante Erhöhung" des Verkehrslärms zu erwarten sei, heißt es darin. "Der Vollständigkeit halber" weist das Amt jedoch darauf hin, dass es sich bei der geplanten Straßenbaumaßnahme "um einen erheblichen baulichen Eingriff handeln kann, wenn diese mit einer Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Kreuzung einhergeht". Wenn sich der Verkehrslärm deutlich erhöhe, handle es sich um eine "wesentliche Änderung der Straße", betroffene Anlieger hätten womöglichen einen Anspruch auf Lärmschutz.

Aus der zweideutigen Stellungnahme der Behörde wurden die Stadträte nicht ganz schlau. "Inwieweit sind wir jetzt verantwortlich für Emissionsschutz?", wollte BVW-Fraktionssprecher Josef Praller wissen. Und der Zweite Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD) wandte sich ratlos an Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) und Susanne Leonhard vom Bauamt: "Können Sie mir helfen: Was sagt uns diese Aussage?" Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Verkehrslärm durch die Rechtsabbiegespur nach Farchet erhöhe, gehe "gegen null", entgegnete Leonhard. Zudem befänden sich die Häuser der Anlieger auf der von der Spur abgewandten Seite. Dennoch könne die Immissionsschutzbehörde keine ganz sichere Aussage machen.

Ulrike Krischke (BVW) warnte davor, dass eine Lärmerhöhung den Bestandsschutz der Straße aufheben und die Stadt haftbar machen könne. Dies sei jedoch nur der Fall, wenn sich das Verkehrsaufkommen erheblich erhöhe und das beweisbar am Umbau der Kreuzung liege, entgegnete Schnaller. Die Sorge sei eher "rein theoretischer Natur". Auf dem Parkplatz des Lidl-Marktes an der Margeritenstraße werde es nicht mehr Stellplätze geben, sagte Leonhard. Also würden auch nicht mehr Autos dorthin abbiegen.

Krischke schlug im Zuge der Diskussion des Weiteren vor, die im Entwurf verzeichnete Verkehrsführung auf dem Moosbauerweg zu ändern. Dort soll es demnach wie bislang eine Spur für Rechtsabbieger und Geradeausfahrer und eine für Linksabbieger geben. Erfahrungsgemäß wolle das Gros der Autofahrer dort geradeaus fahren oder nach rechts abbiegen, sagte Krischke. "Die Linksabbiegespur ist meist frei." Deshalb schlug sie vor, diese mit der Geradeausspur zu vereinen und eine eigene Spur für nur Rechtsabbieger zu schaffen. Auch das Bauamt habe diese Möglichkeit erwogen, sagte Leonhard. Weil es aber im Verlauf zwischen Moosbauerweg und Margeritenstraße einen leichten Knick gebe, sei das "enorm gefährlich".

Leonhard betonte jedoch auch, dass die im Bebauungsplanentwurf eingezeichneten Fahrspuren nur Hinweise seien, um die benötigte Verkehrsfläche festzusetzen. Wenn es dann um den Straßenausbau gehe, werde die Aufteilung der Spuren erneut vom Stadtrat in Absprache mit den Verkehrsbehörden behandelt werden müssen.

Das gelte auch für die Aufstellflächen und Schutzstreifen für Radfahrer, die die Grünen in einem eigenen Antrag für diese Kreuzung gefordert haben. Stellung dazu hat die Verwaltung im Zuge des Bebauungsplanentwurfs aber bereits abgegeben. Demnach sind Aufstellflächen mit Schutzstreifen für Radler nur an der Margeritenstraße möglich. An allen anderen Straßen fehlen laut Bauamt die dazu nötigen Verkehrsflächen.