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Veranstaltungsreihe in Geretsried:Alles, außer gewöhnlich

Die diesjährigen Kulturtage PiPaPo sollen nach dem Willen der Veranstalter zum Nachdenken und zum Handeln anregen. Aber das vor allem durch Humor und Austausch

Von Jana Roth, Geretsried

"Nur noch kurz die Welt retten - Hoffnung Zukunft". Kein leichtes Motto, das sich das Team vom Kulturverein Isar-Loisach (KIL) heuer für die Geretsrieder Kulturtage "Pinsel-Pauken-Poesie", kurz PiPaPo, ausgesucht hat. Von Mittwoch, 13. November, bis Freitag, 29. November, soll das Publikum schließlich nicht nur unterhalten, sondern auch sozial-politisch zum Nachdenken und Mitmachen angeregt werden.

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Beim PiPaPo in Geretsried ist auch heuer wieder ein buntes Programm geboten: So ist zum Beispiel ein Auftritt der Münchner Bluesband "Muddy What?" geplant.

(Foto: Veranstalter)

Beim ersten Planungstreffen warfen die Organisatoren einen Blick zurück und einen nach vorne - und entschieden danach: "Jetzt muss gehandelt werden!" Der Aufruf sollte sich wie ein "eisern-roter" Faden durch das Programm ziehen. Zahlreiche Künstler aus dem Bereich Literatur, Fotografie, Musik, Tanz und Kabarett wollen nun dafür in der Kulturbühne "Hinterhalt" in Gelting ein Zeichen setzen.

Der Lichtdesigner Günter Klügl, der als Hommage an Karl Valentin und Liesl Karlstadt auch schon Fahrradlampen aus Blumentöpfen hat wachsen lassen, wird seine Werke ausstellen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Gemeinschaft, Nachhaltigkeit, Lernen und Spaß haben - Schlagworte wie diese ziehen sich durch das Programm der Kulturtage. Schon der Auftakt mit einer Kleidertausch-Party beginnt "von Mensch zu Mensch" und gibt Gelegenheit, alte Kleider abzuwerfen und sich mit neuen einzudecken. Vielleicht mit einem Paar Schuhe vom Zweiten Bürgermeister Hans Hopfner? Ein neues Sakko könnte er im Tausch dafür gebrauchen, kündigt er an. Ob er dieses dann auch auf dem Laufsteg präsentiert, bleibt abzuwarten. Das Engagement des Vereins finanziell zu unterstützen, sei für Hopfner und die Stadt Geretsried indes keine Frage gewesen.

Viel größer und umfangreicher als in den vergangenen Jahren werde das Festival heuer, kündigt KIL-Sprecherin Andrea Weber an. "Keine Mainstream-Künstler, sondern nur außergewöhnliche und zeitgenössische". Neben bekannten Gesichtern wie Stephanie Lottermoser unterstützen auch aufstrebende Bands wie The Donnelly Connection und Muddy What? und The Bonny Tones die Aufbruchsstimmung mit souliger Rock-Musik und Klassikern aus den 1950er und 1960er Jahren.

Auch Stephanie Lottermoser ist mit ihrer Band dabei.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Aktuelle politische und sozialgesellschaftliche Denkanstöße sollen aber auch mit einem Lachen verbunden werden können. Neben den jungen Nachwuchs-Comedians Julian Beysel und Michael Mauder treten etwa Vanessa Magson &friends auf mit ihrer Revue "Brexit or Brexnot - that was the question". Die Gräben, die der EU-Austritt mit sich bringt, füllen sie mit dem typisch selbstironischen und exzentrischen Humor der Briten. Fremde Kulturen kennenlernen und die eigene in neuem Licht sehen, ist ebenfalls ein Anspruch. Dazu bietet beispielsweise die Ausstellung des weit gereisten Fotografen Ralf Steinberger und des Lichtdesigners Günter Klügl Gelegenheit, wie auch der Auftritt der nigerianischen Musiker Tola Sholana & Osumare Beats. Der Bildungsanspruch der Kulturtage geht jedoch über das Zuhören und Zuschauen hinaus. Wer lieber handwerklich tätig ist, kann Fritzie Krüger in ihrer "Werkstatt Zukunft" besuchen und marode Stühle oder das Porzellan der Großmutter in neuem Glanz erstrahlen lassen. Ob Upcycling oder Kleidertausch: Manchmal ist weniger mehr und nicht nur sparsam, sondern auch spaßig, so die Botschaft. Das vollständige Programm liegt von kommender Woche an aus.

Weitere Informationen unter www.kulturverein-isar-loisach.de

© SZ vom 26.10.2019
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