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Varianten der Schäftlarner Umfahrung:Countdown für den Bürgerentscheid

Schäftlarn Umfahrung Montage

So würde die Umfahrung in der von der Gemeinde bevorzugten B-Variante aussehen. Die Gegner dieser Trasse allerdings argumentieren, dass durch die geplanten Überführungen die Landschaft zerschnitten wird. Eine Bürgerinitiative setzt sich deshalb für eine alternative Straßenführung durch den Bannwald ein.

(Foto: privat/OH)

Am 12. Mai gilt es: Welche Trasse für die Ortsumfahrung soll weiter verfolgt werden? Gegner und Befürworter der beiden möglichen Varianten bringen sich bereits in Stellung. Die Grünen haben mit einem Diskussionsabend nun den Anfang gemacht.

Die große Halle der Schreinerei ist bis auf den letzten Platz gefüllt, die letzten Interessierten finden keine Stühle mehr. Rund 60 Bürgerinnen und Bürger sind der Einladung der Grünen in Schäftlarn gefolgt, um an der Gesprächsrunde "Bürgerentscheid zur Ortsumfahrung in Hohenschäftlarn" teilzunehmen. Am 12. Mai wird dieser Bürgerentscheid stattfinden. Dann geht's darum, welche Umfahrungsvariante weiterverfolgt werden soll.

Christian Lankes, grüner Fraktionssprecher im Gemeinderat, und Anton Höck, Vorsitzender des Ortsverbands, moderieren die Veranstaltung, die "ein Beitrag zur Klärung offener Fragen sein, Hintergründe aufzeigen und Hilfe bei der Entscheidungsfindung geben" soll, erklärt Höck.

Christian Lankes zeichnet zunächst die lange Geschichte zur Umfahrung Schäftlarns nach. 2013 sei der Beschluss zu einer Umfahrung als kommunale Sonderbaulast der Gemeinde gefallen. Damit sei gemeint, dass die Gemeinde die Kosten der Umfahrung vorfinanziere, die fertig gestellte Straße dem Freistaat übergeben werde und dieser dann rund 80 Prozent der Kosten zurückerstatte. Für die Rückerstattung gäbe es jedoch Kriterien, wie beispielsweise Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit. 2018 entschloss sich der Gemeinderat nach einer Prüfung von drei Varianten durch Behörden wie der Naturschutzbehörde und dem staatliche Bauamt Freising schließlich mit 14 zu sechs Stimmen für die sogenannte B-Variante durch die Schäftlarner Flur. Überregionale Lösungen mit Baierbrunn oder Starnberg seien ausgeschieden, weil von den Nachbargemeinden kein Interesse bestanden habe.

Die Schäftlarner haben einige Fragen und Diskussionsbedarf mitgebracht. Ein Bürger möchte wissen, warum die Variante Bi durch den Bannwald als nicht genehmigungsfähig gilt. Eine Bürgerin interessiert, mit welcher akustischen Belastung sei zu rechnen sei. Ein anderer Bürger möchte den juristischen Unterschied zwischen Orts- und Staatsstraße erklärt haben. Höck und Lankes bemühen sich, die Fragen zu beantworten - nicht ohne die persönliche Meinung zu verschweigen.

Die Trasse werde ungefähr acht Meter breit, mit einem rund drei Meter breiten Rand an beiden Seiten sein. An der Bahnlinie müsse es bei der B-Variante eine Überführung in fünf bis sechs Metern Höhe geben. Dies seien jedoch alles Maßnahmen, bei deren Umsetzung nach dem Entscheid Spielraum bleibe. Gleiches gelte für etwaige Schallschutzmaßnahmen, so Lankes.

Derzeit sei die Starnberger Straße eine Staatsstraße, was der Gemeinde kaum Gestaltungsspielraum ermögliche. Mit einer Umfahrung könne die innerörtliche Straße eine Ortsstraße und so für andere Verkehrsbeteiligte, wie Fahrradfahrende und Fußgänger, neu gestaltet werden.

Über die Genehmigungsfähigkeit der Bi-Variante herrscht unter einigen Zuhörern und den Moderatoren weiter Uneinigkeit. Lankes und Höck erklären, dass sie aufgrund der fachlichen Gutachten die von der Bürgerinitiative angestrebte Bi-Variante für nicht genehmigungsfähig halten, der anwesende Bürgermeister Matthias Ruhdorfer (CSU) stimmte dem zu.

Ein weiteres Thema, das die Bürger umtreibt, ist die Befürchtung, dass am künftigen Korridor der B-Variante Gewerbe angesiedelt werden könnte. Lankes wies jedoch darauf hin, dass die Planungshoheit über die Flächen dem Gemeinderat und nicht den besitzenden Landwirten zustehe. Man sei sich im Gemeinderat einig, dass man dort kein Gewerbegebiet haben wolle. Dies sei eine Momentaufnahme der derzeitigen Besetzung des Gemeinderats, wirft ein Bürger ein. Lankes spielt den Ball zurück: "Sie haben es als Bürger in der Hand, wen Sie in den Gemeinderat wählen."

Sophie von Lenthe (Grüne) ist gänzlich gegen eine Umfahrung. Sie hält weiteren Straßenbau für Autos für nicht zukunftsfähig. Der Verkehr in Schäftlarn sei zu 50 Prozent "hausgemacht", die Straße erst in rund acht Jahren fertig gestellt. Bis dahin müsse es andere Lösungen geben. Aus diesem Grund werde sie bei beiden Varianten mit "Nein" stimmen, so von Lenthe.

Die Schäftlarner können sich auf der Internetseite der Gemeinde selbst ein Bild der fachlichen Gutachten zu den Varianten machen. Außerdem lädt die Gemeinde nächsten Montag von 19.30 Uhr an alle Bürger zu einer Informationsveranstaltung in die Aula der Grundschule in der Fischerschlößlstraße in Ebenhausen ein. Das mit der Vorplanung beauftragte Ingenieurbüro stellt die Voruntersuchungen zu den Varianten B und BI vor, erläutert den Planungsstand und legt Anschauungsmaterial vor.