Bad Tölz:Peter Frech sagt alles ab

Peter Frech Summer Village

Der Gastwirt Peter Frech vom "Jailhouse" wollte an der Isar ein Feuerwerk zünden. Da das Tölzer Ordnungsamt dies untersagt, will er nun gar nichts mehr veranstalten.

(Foto: Manfred Neubauer)

Zum Schutz des Flussregenpfeifers darf der Tölzer Veranstalter an der Isar kein Jubiläumsfeuerwerk für sein Jailhouse zünden. Darüber ist er nachhaltig sauer

Von Klaus Schieder

Peter Frech ist zornig. In Bad Tölz sei man "fehl am Platz, wenn man etwas bewegen will", klagt der Gastwirt des "Jailhouse" am Moraltpark. Als Veranstalter hat er in den vergangenen Jahren so einiges bewegt. Das US-Car-Treffen, das Harley-Rock'n'Race, das Oberland Trucker-Treffen, das Summer Village - all dies zog vor der Corona-Pandemie sommers stets Tausende Besucher in die Kurstadt. Aber damit soll nun Schluss sein. In einem viel beachteten Facebook-Post schreibt er: "Habe mich entschieden, keine weiteren Veranstaltungen hier mehr durchzuführen." Der Auslöser für diesen überraschenden Entschluss ist das Verbot der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt, das zehnjährige Bestehen des Jailhouse mit einem kleinen Feuerwerk zu feiern.

Nach den Lockdowns wollte Frech endlich wieder Gäste im Biergarten bewirten, ein paar kleine Bands hätten zum Jubiläum gespielt, zum Abschluss sollte es nach seinen Angaben ein zwölfminütiges Feuerwerk geben. Diese Raketenpracht untersagte jedoch das Landratsamt. Der Grund: An der nahen Isar brütet in diesen Wochen der Flussregenpfeifer, eine geschützte Vogelart. Frech kann dies nicht nachvollziehen. Da müsste man ja auch Gewitter verbieten, meint er. Außerdem verweist er auf das Flussfestival in Wolfratshausen, wo eine Bühne direkt am Wasser stehe. Aber natürlich, meint Frech ironisch, sei dort ja die Loisach, nicht die Isar.

Sein Ärger reicht aber noch tiefer. Anfangs habe er für seine Veranstaltungen im Moraltpark ein zweiseitiges Formular ausfüllen müssen, inzwischen sei der bürokratische Aufwand enorm gestiegen. "Da muss man tausendseitige Konzepte beilegen", sagt der Gastronom. Der Stadt wirft er in seinem Facebook-Eintrag "Auflagenwahnsinn" vor, in Sonderheit dem Ordnungsamt, "das eigentlich für und nicht gegen uns arbeiten sollte". Viele Anhänger hat Frech im Tölzer Stadtrat, der erst im April verlängerte Öffnungszeiten für das US-Car-Treffen, das Oberland Trucker-Treffen und das Harley Rock'n'Race gebilligt hatte. Aber der Stadtrat, meint Frech, sei offenbar "alleine nicht wichtig genug, um etwas zu entscheiden". Ansonsten fühlt er sich alleine gelassen, von der Stadt, auch vom Unternehmerverein "Wir für Tölz". Dabei hätten gerade Gastronomen in der Corona-Zeit so gut wie kein Geld verdient - "und auch ich habe Angestellte, die ich bezahlen muss", sagt er. Aber Hauptsache, schreibt er auf Facebook, "man findet immer einen Deppen wie mich, der alle bespaßt" und Veranstaltungen auf eigene Kosten durchführe.

Bad Tölz: Peter Frech steht in Tölz für Events wie das US-Car-Treffen.

Peter Frech steht in Tölz für Events wie das US-Car-Treffen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Im Tölzer Rathaus reagiert man mit einer Mischung aus Unverständnis und Bedauern auf Frechs Kritik. "Ich habe mich schon in der Vergangenheit immer wieder regelmäßig mit Peter Frech ausgetauscht, auch gestern erst wieder und werde das auch in Zukunft tun", teilt Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) mit. Allerdings schränkt er ein: "Wir müssen darauf achten, dass der Ton sachlich bleibt und konstruktives Vorgehen das Ziel ist." Das Ordnungsamt der Stadt hat mit dem Feuerwerksverbot laut Pressesprecherin Birte Otterbach nichts zu tun. In Naturschutzfragen sei es schlicht nicht zuständig, erklärt sie: "Der Antrag für ein größeres Feuerwerk wird in der Regel vom Pyrotechniker bei der Regierung von Oberbayern gestellt, diese fordert dann Stellungnahmen von den Kommunen ein - in diesem Fall vom Landratsamt -, das weitere Verfahren liegt danach wieder bei der Regierung."

Den wachsenden bürokratischen Aufwand für Veranstaltungen bestätigt man im Rathaus. "Diese werden mit jedem Mal, wenn in Deutschland etwas passiert, umfangreicher - ein plastisches Beispiel ist die Love-Parade in Duisburg", so Otterbach. Außerdem komme es durch Volksentscheide wie "Rettet die Bienen" zu neuen Regelungen, die von den Verwaltungen umgesetzt werden müssen. Wenn es in Bad Tölz jedoch kein Harley-, kein Trucker- und kein US-Car-Treffen mehr gäbe, wäre dies ein Verlust, gibt Otterbach zu. Diese privaten Veranstaltungen seien ein großes Verdienst von Frech. "Sollte es sie nicht mehr geben, wie beispielsweise das Summer Village, ist das sehr bedauerlich."

© SZ vom 09.07.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB