Müllfrei einkaufen:Schwere Zeiten für "Ois ohne"

Lesezeit: 3 min

Müllfrei einkaufen: Aus regionaler Erzeugung stammen die Produkte, die im "Ois ohne" an der Hindenburgstraße in Bad Tölz ohne Plastikverpackung verkauft werden.

Aus regionaler Erzeugung stammen die Produkte, die im "Ois ohne" an der Hindenburgstraße in Bad Tölz ohne Plastikverpackung verkauft werden.

(Foto: Manfred Neubauer)

Der Unverpackt-Laden in Bad Tölz setzt auf regionale Produkte und der Verzicht auf Plastik. Wegen Corona, Ukraine-Krieg und Inflation steht er am finanziellen Abgrund. Helfen sollen neue Abonnenten.

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Um ein Haar wäre der Umweltpreis des Landkreises an einen Gewinner gegangen, den es gar nicht mehr gibt. Vorigen Sonntag - also nur drei Tage vor der Preisverleihung - kam der fünfköpfige Vorstand des Unverpackt-Ladens "Ois ohne" zusammen und beschloss, erst einmal weiterzumachen. Voraussetzung war, 10 000 Euro über Abonnements aufzutreiben. Ansonsten würde das Geschäft an der Hindenburgstraße zum Jahresende geschlossen. "Gute Nachrichten" verkündete Vorsitzender Andreas Munkert einen Tag später. "Wir haben 90 Prozent der Mindestsumme." Die Abwicklung des Projekts sei damit abgewendet.

Vorerst kann es also weitergehen in dem kleinen Laden, der im Mai 2019 eröffnet wurde. "Die Kunden können dort ihre Lebensmittel ohne unnötige Plastikverpackung einkaufen und damit die Umwelt schonen", heißt es in der Begründung des Landkreises. Das Konzept beruhe aber nicht nur auf der Einsparung von Plastikmüll, sondern auch auf der gezielten Auswahl der Produkte. "Diese sind weitestgehend in Bioqualität, soweit möglich regional oder fairtrade." Die zwei Gründerinnen Anna und Diana Meßmer brachten die Idee auf eine einfache Formel: reduzieren und sensibilisieren.

Einfach hatte es der Laden von Anfang an nicht. Trotz der Unterstützung des Vorstands und eines Aufsichtsrates, trotz der finanziellen Hilfe einer Genossenschaft mit mittlerweile 179 Mitgliedern. "Ois ohne" hätte wirtschaftlich ruhige Zeiten benötigt, stattdessen gab immer wieder Stürme: die Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg, die Energiekrise. "Die Leute fangen an zu sparen", sagt Munkert, Geschäftsführer der Tölzer Frisia-Klinik und seit anderthalb Jahren auch Vorsitzender des Unverpackt-Ladens. Um das nötige Geld fürs Überleben zu erhalten, bietet der Vorstand jetzt ein Abonnement an: Die Teilnehmer zahlen einen monatlichen Beitrag ab 20 Euro für mindestens ein Jahr und erhalten dafür Gutscheine. "Wir müssen in sicheres Fahrwasser kommen", sagt Munkert.

Das Sortiment in den Regalen war in den dreieinhalb Jahren seit der Gründung nie ganz dasselbe. Das Angebot ändere sich ständig, sagt Munkert. Ware, die nicht laufe, verschwinde wieder, und Ware, die nachgefragt werde, komme hinzu. "Das ist wie in einem Supermarkt." Das hatte Anna Meßmer bei der Gründung auch so angekündigt. Zur Philosophie des Ladens gehöre, dass "die Leute auf uns zukommen und uns sagen, dies oder jenes fände ich cool", sagte sie damals. Für Munkert lautet das Motto bei den Produkten: "Regional schlägt Bio". Aber wenn das nicht möglich sei, dann eben Bio. Das Gemüse stammt von Biotop Oberland, die Kartoffeln vom Tölzer Zwickerhof, Quinoa aus dem Landkreis Dachau, handgeschöpfte Seifen aus Geretsried und grüne Eier vom Ramiwagnerhof Benediktbeuern - "das kommt sehr gut an".

Müllfrei einkaufen: Das Café im Unverpackt-Laden soll bestehen bleiben und womöglich zum Inklusionscafé werden.

Das Café im Unverpackt-Laden soll bestehen bleiben und womöglich zum Inklusionscafé werden.

(Foto: Manfred Neubauer)

Manchen Kunden ist das "Ois ohne" in Tölz allerdings zu weit weg. Deshalb biete man inzwischen auch testweise Abholstationen an, sagt Munkert. Am Boarhof in Holz/Tegernsee, in "kostBar" in Penzberg. Nicht so erfolgreich war die Idee, einen Mittagstisch für Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zum Tölzer Gymnasium in dem Unverpackt-Laden zu decken. Vor allem wegen der Pandemie sei dies "nicht ganz aufgegangen", sagt der Vorsitzende. "Wir konzentrieren uns auf den Verkauf." Dagegen soll das kleine Café im Laden erhalten bleiben und sogar zu einem Inklusionscafé weiterentwickelt werden. Dieser Tage muss aber erst einmal die Kaffeemaschine repariert werden.

Auch wenn "Ois ohne" vorerst nicht zugesperrt wird, bleibt die finanzielle Lage schwierig. Munkert hofft, dass die Idee eines Abonnements auf Interesse stößt. "Jedes Abo hilft", sagt er. An einen Umzug des Ladens, näher zur Fußgängerzone hin, denkt er nicht. Mehr Laufkundschaft könne man dadurch vielleicht bekommen, räumt er ein. Aber viele "Ois ohne"-Kunden kämen mit dem Auto und hätten immerhin drei Stellplätze vor dem Geschäft an der Hindenburgstraße. Zudem haben man dort geringere Fixkosten als im Zentrum. Zupass käme ihm, wenn der Umweltpreis auch mit einem Geldbetrag dotiert wäre. Doch dies ist nicht der Fall. Allerdings, so Munkert, schaffe die Auszeichnung "mediale Aufmerksamkeit". Für sein Ziel, mehr Abonnements zu kriegen, ist das ja auch nicht schlecht.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema