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Unschöne Hinterlassenschaften:Ärger über Dreck am Badeplatz

Müll an Badeplätzen

Die Mitarbeiter des Bauhofs der Gemeinde Münsing müssen am Starnberger See immer mehr Unrat aufklauben.

(Foto: Gemeinde Münsing/oh)

Der Münsinger Bauhofleiter Mario Kobstädt und seine Mitarbeiter befreien die Strände am Starnberger See jede Woche mindestens zweimal von herumliegenden Müll. Selbst Autoreifen und Möbel müssen sie wegräumen

Von Benjamin Engel

Müll an Badeplätzen

Nach schönen Wochenenden sind in Münsing alle Behälter voll, auch die, in die kein Abfall gehört.

(Foto: Gemeinde Münsing/oh)
Müll an Badeplätzen

Sogar Matratzen werden liegen gelassen.

(Foto: Gemeinde Münsing/oh)

Manchmal kann schlechtes Wetter am Wochenende positiv sein. Das trifft weniger für die Berufstätigen zu, die es gerade in Pandemie-Zeiten an sonnigen, arbeitsfreien Tagen vermehrt in die Natur zieht. Doch für Mario Kobstädt und sein Team garantiert es, dass sie vor allem montags weniger zu tun haben. Immer vormittags ist der Münsinger Bauhofleiter oder einer seiner Mitarbeiter mit dem Transportfahrzeug für die erste Wochentour unterwegs, um an den Stationen der Hundetoiletten benutzte Kotbeutel einzusammeln und neue Plastiksackerl nachzufüllen. War das Wetter vorher schön, finden sie am Straßenrand oder an prominenten Ausflugs- und Aussichtspunkten umso mehr weitere Hinterlassenschaften - von der Bier- und Weinflasche über Fastfood-Verpackungsmüll bis zu alten Matratzen.

Auf Letzteren oder alternativ auf einem ausrangierten Stuhl machen es sich manche gerne an den kommunalen Badeplätzen am Starnberger See bequem - und lassen beides anschließend am Ufer einfach zurück. Das macht Kobstädt traurig. "Es ist ja eine wunderschöne Gegend, die wir von der Natur zur Verfügung gestellt bekommen", sagt er. Warum einige ihren Müll offensichtlich nicht wieder mitnehmen, versteht er nicht, es macht ihn auch ein wenig ratlos. Eine Patentlösung für die Problematik gebe es wohl nicht, räumt er ein. "Man kann nur an die Vernunft der Leute appellieren."

Seit die Pandemie begonnen hat, ist das Müllproblem nach Kobstädts Eindruck schlimmer geworden. In Massen finden der Bauhofleiter und sein Team etwa am Ammerlander Badeplatz an der nördlichen Seestraße Bier- und Weinflaschen oder Papiertüten einer nahen Fastfood-Filiale. Das liegt momentan wohl auch daran, dass es dort nur einen Abfalleimer im Toilettenhäuschen gibt - und das hat außerhalb der Badesaison geschlossen. An einem Montag hat Kobstädt extra die Zeit gestoppt, um nachvollziehen zu können, wie lange er für das Mülleinsammeln braucht. "Allein am Ammerlander Badeplatz waren das 15 bis 20 Minuten", berichtet er. Pro eineinhalb Stunden langer Hundetoiletten-Tour ist Münsings Bauhof-Team etwa eine halbe Stunde beschäftigt, allen Unrat einzusammeln, schätzt er.

Ein etwa 60 Liter fassender Müllsack wird laut Kobstädt immer voll, wenn er oder ein anderer Mitarbeiter seine Runden fährt. Größere Gegenstände sind da nicht miteingerechnet. In der Regel sind sie zweimal in der Woche unterwegs, jeweils montags und freitags, manchmal noch zusätzlich Mitte der Woche, um Hundetoiletten zu reinigen und Müll aufzusammeln. Jeweils einer der drei Bauhof- und zwei Wasserwerk-Mitarbeiter übernehmen eine Tour alleine. Aus den Wegwerfstationen für die Hundekotbeutel fische er auch schon einmal volle Babywindeln und immer wieder viel Verpackungsmüll, berichtet Kobstädt. Leer getrunkene Flaschen stünden teils einfach direkt unter den Hundetoiletten-Stationen.

Die Flaschen werden nach Farben getrennt, Pfandflaschen extra gesammelt. Der Restmüll kommt in die Tonnen am Wertstoffhof. Gesehen haben Kobstädt und sein Team schon vieles, von den Coffee-to-go-Bechern am Straßenrand Richtung Ammerland oder den Pizzakartons beim Hochbehälter am Kammerloh. Selbst Autoreifen und Möbel sammeln sie auf. Manchmal kann Kobstädt aber doch noch etwas überraschen. Im Frühjahr habe er beim Kölbbachweg am Stoana Brückerl nahe des Hauptorts Münsing eine komplette Kinderzimmereinrichtung gefunden, berichtet er. Die bis in die Einzelteile fein säuberlich zerlegten Möbelstücke seien im Bachbett gelegen. Das wird als Sondermüll gesammelt und in regelmäßigen Abständen bis in die Recyclinganlage nach Quarzbichl gefahren.

Die Kommune hat derweil die jährliche Frühjahrs-Ramadama-Aktion, bei der Freiwillige im Gemeindegebiet Müll einsammeln, bereits zum zweiten Mal hintereinander Corona-bedingt absagen müssen. Für Bürgermeister Michael Grasl (FW) ist das bedauerlich. Aus seiner Sicht müsste die Aktion sogar öfter im Jahr stattfinden. Denn an manchen Strecken - speziell an Staats- und Kreisstraßen - und an Aussichtspunkten würden offenbar Flaschen, Dosen und andere Abfälle einfach aus dem Auto entsorgt, schildert er. "Die Verrohung gegenüber der Natur hat auch mit Corona nicht abgenommen."

Deswegen mehr Mülleimer aufzustellen, wäre für Bauhofleiter Kobstädt aber kontraproduktiv. Dann würde nur umso mehr Müll darum herum einfach so weggeschmissen, wie er das etwa auch am Münsinger Dorfplatz beobachte. Montags sei der große Mülleimer dort oft übervoll. Offensichtlicher Haushaltsmüll staple sich direkt daneben. Würde jeder nur ein bisschen mehr mitdenken und rücksichtsvoller sein, wäre alles viel einfacher, findet Kobstädt.

© SZ vom 12.04.2021
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