Und Popcorn gibt's auch:Kino mit und ohne Leinwand

Die Kunstzeche Penzberg bespielt das ehemalige Metropol mit Malerei und Installationen

Von Elena Winterhalter, Penzberg

Es ist kalt und grau im ehemaligen Kinosaal im Penzberger Metropol. Von der hohen Decke hängen Kabel, schwarze Fetzen Plastikplane, Steinwolle quillt aus der maroden Deckenverkleidung hervor. Kleine Details verraten, dass sich hier vor Jahren Kinobesucher in die Sessel drückten und mit Popcorntüten raschelten: Das alte Schild mit der Aufschrift "Nachtvorstellung", die Verfärbungen auf dem Boden, überall dort, wo die Kinostühle verankert waren. Diese Zeiten sind vorbei. Mitglieder der Penzberger Kunstzeche haben sich des Ortes angenommen, in ihm, an ihm und mit ihm gearbeitet und präsentieren das Ergebnis in einer Ausstellung mit dem Titel "Ortsbezogen".

Von Samstag an können Besucher die zeitgenössischen Werke der 16 Künstler und Gäste im Eingangsbereich des Kinos und im Foyer, heute die Galerie Schön+Bissig von Egbert Greven, betrachten. Auch der ehemalige Kinosaal ist Teil dieser Ausstellungskooperation, bespielt von Dorothea Reese-Heim. Zwar darf der Saal wegen der maroden Decke nicht betreten werden, die Besucher können aber durch die geöffnete Tür einen Blick auf die Installation der Penzberger Künstlerin werfen.

Kunstzeche Penzberg

Ann Lester (links) und Susanne Hanus präsentieren ihr Werk mit dem Titel "Verstrickung".

(Foto: Manfred Neubauer)

Genau wie Rees-Heim arbeitet Susanne Hanus direkt mit dem Raum, den das alte Kino vorgibt. Die Künstlerin kam vor fünf Jahren von München nach Penzberg und hat in dieser Zeit schon einige öffentliche Orte künstlerisch neu in Szene gesetzt. So gestaltete sie beispielsweise den "Zwischenraum" neben der Penzberger Moschee im Jahr 2015. "Ich arbeite gerne ortsbezogen", sagt Hanus, die sich als treibende Kraft für die Ausstellung engagierte. "Ich mag es, Kunst so im Raum zu installieren, dass die Menschen darüber stolpern." Natürlich stolpert man nicht wirklich über Hanus' Installation aus Dachlatten im Eingangsbereich des ehemaligen Kinos. Doch die Künstlerin stellt den Besucher, noch bevor er die Ausstellung betritt, vor eine Entscheidung, die zumindest innehalten lässt.

Einige Künstler haben sich dem Motto "Ortsverbunden" historisch genähert und nehmen die ursprüngliche Funktion des stadtgeschichtlich wichtigen Gebäudes als Aufhänger ihrer Werke. Alice Grubert und Brig Struzyna verarbeiten Recherchematerialien aus einer Zeit, als das Kino noch funktionstüchtig war. Erinnerungsstücke und Aufruf zum Nachdenken und Handeln, damit das charmante Gebäude nicht sich selbst und damit dem Verfall überlassen wird. Mal abstrakt, mal sehr konkret kann man ortsbezogene Pläne und Fantasien für das Metropol in den Kunstwerken entdecken.

Egbert Greven smartphone

Seine Blütezeit hat das Metropol-Kino längst hinter sich. Jetzt haben sich Künstler der Szenerie angenommen und in und mit dem verkommenden Gebäude gearbeitet.

(Foto: Manfred Neubauer)

Eine, die das Filmtheater Metropol nur im beklagenswerten Zustand kennt, ist Ann Lester. Die Künstlerin und Kunstlehrerin aus San Francisco ist seit August in Deutschland und bleibt für eineinhalb Jahre in Penzberg. Die ersten Eindrücke ihrer neuen Heimat auf Zeit hat sie mit strahlender Ölkreide als fragmentarische Motive auf Holztafeln festgehalten. Die Menschen in Penzberg seien sehr nett und sie habe sich im Ort willkommen gefühlt, sagt Lester. "Als Material habe ich Holztafeln gewählt, weil ich finde, die Menschen in Bayern haben eine interessante Beziehung zu Holz. Viel inniger als die Menschen in Kalifornien."

Im Foyer hat Hanus mit der Architektin Eva Konrad die Fenster verkleidet und so Platz für die Malereien unter anderem von Marianne Brandl, Christine Heinisch und Petra Moßhammer geschaffen. Und weil diese Ausstellung ein geselliges und lebendiges Miteinander sein soll, verwandelt Eva Konrad den ehemaligen Kartenverkaufsschalter in eine Bar, die bei der Vernissage und der Finissage geöffnet ist. Neben Getränken darf natürlich Popcorn bei einem Kinobesuch nicht fehlen.

Hanus hofft, dass die Ausstellung und das Motto auch über das Filmtheater hinaus zum Nachdenken anregen. Seit Jahren hat die Kunstzeche ein Raumproblem. "Natürlich sind wir froh, dass wir in so einem Rahmen mal wieder etwas zeigen können", sagt die Künstlerin. "Langfristig wäre es schön, einen eigenen Galerieraum für die Kunstzeche zu haben."

Kunstzeche Penzberg: "Ortsbezogen", Metropol Filmtheater, Friedrich-Ebert Straße 15, Vernissage Samstag, 9. Dezember, 17 Uhr; geöffnet 14., 16. und 21. Dezember, 15 bis 18 Uhr, und nach Vereinbarung, shalaun@gmx.de, Finissage: Samstag, 13. Januar, 17 Uhr. www.kunstzeche.de

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