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Umweltschutz:Licht statt Böller

Kurparkfest - Lasershow

Lichtspektakel ohne Lärm, Feinstaub und Müll: Zuschauer bei der Lasershow auf dem Tölzer Kurpark-Fest im vergangenen Sommer.

(Foto: Manfred Neubauer)

Feuerwerke kommen immer mehr in Verruf. Auch im Landkreis hat sich einiges geändert. Städte setzen auf Verbote, freiwilligen Verzicht und auf Lasershows.

Bad Tölz ist eine Stadt für Hochzeiten. In der Kurstadt heiraten nicht bloß Einheimische, sondern auch etliche Paare aus der Region, aus München, oft sogar aus dem Ausland. Ein Feuerwerk gehört für viele Hochzeitsgesellschaften einfach dazu, wenn sie im Tölzer Kurhaus feiern. Sobald es abends dunkel wird, geht es hinaus in den Kurpark, wo dann Raketen zehn oder 15 Minuten lang den Nachthimmel erhellen. Das soll in Zukunft allerdings nicht mehr erlaubt sein. Dieses pyrotechnische Spektakel sei mit Blick auf den Klimawandel "nicht mehr zeitgemäß", sagt die stellvertretende Kurdirektorin Susanne Frey-Allgaier. Bad Tölz hat deshalb Feuerwerk im Kurpark untersagt. Auch andere Städte im Landkreis denken über Alternativen zu den bunten Knallerei nach.

Damit liegen sie wohl im Trend. Laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH), die von 98 mit Feinstaub belasteten Städten fordert, die Ballerei mit Feuerwerk zu untersagen, befürworten knapp 60 Prozent der Bundesbürger ein generelles Böllerverbot in dicht besiedelten Innenstädten. In München sollen schon zu kommendem Silvester Raketen und Kracher in der Fußgängerzone verboten werden. Und Bundesinnenminister Horst Seehofer hat auf Anfrage von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter angekündigt, dass das Sprengstoffrecht überarbeitet werden soll.

Die Tölzer Stadträte hatten im Kur-, Tourismus- und Wirtschaftsausschuss einstimmig für ein Verbot der Ballerei am Kurhaus votiert. Bislang gab es dort im Frühjahr und Sommer fast an jedem Wochenende ein Feuerwerk, das von einem Profi entzündet wurde. Zum Leidwesen etlicher Nachbarn, die mal über einen Zettel im Briefkasten, mal auch gar nicht über den bevorstehenden Lärm informiert wurden. "Es gab Probleme mit Anwohnern", sagt Frey-Allgaier. Für die Stadträte spielte indes noch ein anderer Aspekt eine gewichtige Rolle: die Feinstaub-Emissionen. René Mühlberger (CSU) bezeichnete Feuerwerkskörper deshalb auch als "ein Stück weit aus der Zeit gefallen".

Als Alternative bringt die stellvertretende Kurdirektorin in Bad Tölz vor allem Lasershows ins Gespräch, zu denen auch die DUH rät. Eine solche Lichtinstallation mit Musik und Feuervorführungen hatte die Stadt zum Kurparkfest organisiert. "Das ist sehr gut angekommen", erzählt Frey-Allgaier. Ein Problem: Es gibt nicht eben viele Anbieter von Lasershows. "Sie sind vom Preis schon noch um einiges höher", gab Ludwig Janker (CSU) im Kurausschuss zu bedenken.

Eine Ausdehnung der Feuerwerkverbotszone über den Kurpark hinaus ist vorerst jedoch nicht geplant. Das hat vor allem juristische Gründe. "Man kann ein Feuerwerk nur untersagen, wenn man dafür eine grundlegende Begründung hat", sagt Frey-Allgaier. Zum Beispiel gilt für die Marktstraße und für das alte Handwerkerviertel "Am Gries", dass sie "einen zusammenhängenden denkmalgeschützten Raum" bilden. Ansonsten dürfen Privatleute an Silvester - außerhalb solcher Zonen - auch weiterhin Raketen abschießen.

"Vorbildcharakter"

In Wolfratshausen hat Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) eigenständig beschlossen, dass die Stadt keine Feuerwerke mehr in Auftrag gibt. "Als Stadt sollte man mit einem gewissen Vorbildcharakter vorangehen", erklärt er. Schließlich habe der Stadtrat mehrheitlich das Volksbegehren für Artenvielfalt unterstützt und kürzlich auch den Klimanotstand ausgerufen. "Wir können nicht auf der einen Seite Umweltschutz fordern und wenn es uns selbst betrifft, machen wir es nicht", sagt der Bürgermeister. Deshalb gab es in diesem Sommer beim Flussfestival kein Feuerwerk, sondern eine Lichtshow. Strahler hätten eine "besondere Atmosphäre auf die Bühne und auf den Fluss gezaubert", schwärmt Heilinglechner.

CSU-Stadtrat und Kulturreferent Alfred Fraas ist staatlich geprüfter Großfeuerwerker und sieht das anders: Die Show beim Flussfestival habe ihn "nicht vom Hocker gehauen", sagt er. Deutlich aufwendiger seien richtige Lasershows. Die seien zwar mitunter spektakulär, mit einem Feuerwerk aber könne man sie nicht vergleichen. "Das sind zwei grundverschiedene Dinge", sagt Fraas, der nach eigenen Angaben auch einen Laserschein hat und eine solche Show programmieren könnte. Ans Umsatteln denke er aber nicht - auch wenn er als Pyrotechniker den Wandel in der Haltung gegenüber Feuerwerken spüre. Die machten zwar Lärm und setzten Feinstaub frei, sagt Fraas. Die von der DUH verbreiteten Zahlen seien allerdings "total daneben". Auch handle es sich beim Feinstaub der Raketen zum Großteil um lösliche Salze, die anders als etwa Reifenabrieb "in zwei, drei Stunden wieder weg sind". Fraas würde 2020 gerne wieder ein Feuerwerk beim Sommerfest der Musikschule an der Alten Floßlände zünden. Ob er gebucht wird, weiß er aber nicht.

Silvesterspektakel: An der Isarbrücke ist private Knallerei seit vergangenem Jahr verboten, es gibt ein Feuerwerk der Stadt.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Für Privatleute gibt es in Wolfratshausen kaum Einschränkungen. Sie dürfen bei besonderen Anlässen wie Hochzeiten oder Geburtstagen nach wie vor Feuerwerke beantragen, welche die Stadt im Regelfall auch genehmigt. An Silvester dürfen sie nach Herzenslust ballern, solange sie es nicht in der Altstadt tun, in der Feuerwerk per Allgemeinverfügung untersagt ist. Laut Heilinglechner soll das auch so bleiben, von zusätzlichen Verboten hält er nichts. "Der Bürger ist so mündig, dass er selbst entscheiden soll, ob er ein Feuerwerk möchte oder nicht", sagt er. Bei städtischen Veranstaltungen aber wolle er weiterhin darauf verzichten. Ob nach der Johannifloßprozession im kommenden Mai wie vor zwei Jahren Raketen in den Himmel geschossen werden, hängt also auch vom Ausgang der Kommunalwahl ab. Mit ihm als Bürgermeister, sagt Heilinglechner, werde es nach der nächtlichen Floßfahrt kein Feuerwerk geben.

Konzept liegt vor

In Geretsried haben sich Stadträte vor einiger Zeit im Kulturausschuss Gedanken gemacht, ob ein Feuerwerk anlässlich des Doppeljubiläums angemessen wäre, das im kommenden Jahr gefeiert wird. 70 Jahre wird es dann her sein, seit Geretsried Gemeinde wurde und 50, seit es zur Stadt erhoben wurde. Auf eine zentrale Knallerei auf dem Karl-Lederer-Platz wollten die Stadträte verzichten: "Ich lehne das ab", sagte der Grüne Volker Witte und nannte als Argumente die Feinstaubbelastung und das Leiden der Tiere. Karin Schmid (CSU) bekannte: "Ich liebe Feuerwerk", schränkte aber ein, sie lehne es "aus Umwelt- und Tierschutzgründen" ab. Schmid brachte die Idee einer Lasershow ein, doch auch die wurde sehr schnell verworfen.

Als ausgearbeitetes Konzept liegt eine Lasershow samt Lichtkunstinstallation im Rathaus der Gemeinde Eichenau (Landkreis Fürstenfeldbruck) vor. Dort lebt der international gefragte Lichtkünstler Georg Trenz, den man hierzulande spätestens seit der Ausstellung der Künstlervereinigung Lenggries (KVL) in diesem Sommer kennt. Dort hatte Trenz zusammen mit seinem Künstlerpartner Detlef Hartung eindrucksvoll das Anwesens an der Geiersteinstraße über zwei Etagen als Licht-Text-Raum gestaltet. In Eichenau hat Bürgermeister Peter Münster (FDP) Hartung und Trenz um ein Alternativkonzept für Silvester gebeten. Der Vorschlag, so Münster, mit Lasershow, verschiedenen Projektionen schon vor Silvester und Lichtinstallation sei aber wegen der Kosten von 10 000 bis 15 000 Euro im Gemeinderat abgelehnt worden. Der Bürgermeister betont: "Mir hätte die Variante gefallen."

Georg Trenz selbst erklärt, Lichtkunst allein sei für Silvester wohl nicht das Richtige. "Was wir machen, ist ja eher eine leise Arbeit." Damit könne man nicht in Konkurrenz zu der Knallerei gehen, die sich viele zum Jahreswechsel ausdrücklich wünschten. Die Idee, eine Alternative zu Feuerwerk zu finden, halte er dennoch für bestechend. Insbesondere das gemeinsame Zusammenkommen innerhalb eines Ortes finde er erstrebenswert. Was Trenz sich vorstellen könnte, hat er für Eichenau entworfen: eine Lasershow (laut Bürgermeister Münster liegen Angebote zwischen 6500 und 7000 Euro vor) plus eine feste Lichtinstallation auf dem Rathausplatz oder auf der Fassade dafür geeigneter Gebäude, die Jahr für Jahr variiert wird. Die Gemeinde könnte das nötige - wie Trenz sagt, durchaus teure - Equipment dafür sukzessive anschaffen und langfristig nutzen. Er stellt sich außerdem Projektionen vor, mit denen die kommunalen Vereine Rückblicke aufs Jahr geben. "Die Leute müssen mitgenommen werden", sagt er.

Vorschlag statt Verpflichtung

In der Stadt Penzberg im Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau mag man sich nicht generell auf Lasershows zu großen Anlässen festlegen. Jüngst hatten die Grünen im Stadtrat den Antrag gestellt, die Stadt möge in ihrer Vorbildfunktion für die Bevölkerung auf Feuerwerk zu Silvester verzichten. Zudem würde die Stadt all jenen Bürgern, die Raketen, Böllern und Krachern ebenfalls nichts abgewinnen könnten, eine Alternative bieten. Auch solle es künftig eine Lasershow statt des traditionellen Feuerwerks zum Abschluss des Penzberger Volksfestes auf der Berghalde geben. Die Grünen begründeten ihren Antrag zum einen mit der Feinstaubbelastung, die ein Feuerwerk binnen weniger Stunden verursacht. Zum anderen argumentierten sie damit, dass "Wild- und Haustiere massiv erschreckt" würden. Verbieten wolle man den Bürgern ihr eigenes Feuerwerk jedoch nicht, betonte die Fraktionsvorsitzende Kerstin Engel.

Die anderen Fraktionen im Penzberger Stadtrat konnten dem Antrag nichts abgewinnen. Auch die Verwaltung zog nicht richtig mit. Geschäftsführer Roman Reis führte die hohen Kosten für eine Lasershow an. Während die Grünen von 7000 Euro sprachen - was laut Engel den Ausgaben für ein großes Feuerwerk entspricht -, nannte Reis 15 000 bis 20 000 Euro, "wenn man es gescheit macht". Auch habe die Stadt nur ein Mal, nämlich zur Millenniumsfeier, selbst ein Feuerwerk veranstaltet. Sonst sei nichts geplant, auch nicht an Silvester 2020, wenn das Jubiläumsjahr zur 100-jährigen Stadterhebung endet. Hardi Lenk (SPD) fasste die Mehrheitsmeinung zusammen: Man könne gerne an die Bürger appellieren, auf ein Feuerwerk zu verzichten, da sich dies heutzutage nicht mehr schicke. Weil aber die Stadt selbst keines veranstalte, brauche es auch keine Lasershow als Ersatz.

Ein solches Lichtspektakel zum Abschluss des Volksfestes müsste vertraglich mit Festwirt Christian Fahrenschon vereinbart werden, so die Verwaltung. Die Mehrheit im Stadtrat sprach sich dagegen aus, ihn zu einer Lasershow zu verpflichten. Die CSU sprach davon, ihn nicht noch mehr gängeln zu wollen - in Anspielung auf den Streit um die Öffnungszeiten des Festzeltes. Man könne dem Veranstalter auch die hohen Kosten nicht zumuten. Es gibt daher nur einen Vorschlag an Fahrenschon, auf ein Feuerwerk zu verzichten und stattdessen eine Lasershow zu kaufen.

© SZ vom 16.11.2019
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