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Umweltprojekt:Wärme aus 99 Metern Tiefe

Mit ihrem Gewerbegrundstück im Nonnenwald setzen der Ingenieur Holger Fey und der Zimmerer Hardi Lenk auf Geothermie und leisten damit einen Beitrag zur Energiewende. Weitere Unternehmen sollen folgen

Das Rohr, das aus der Erde ragt, hat so gar nichts Besonderes an sich. Doch über diesen Anschluss wird in Zukunft Erdwärme nutzbar gemacht. Im Nonnenwald setzen die Zimmerei Lenk und das Ingenieurbüro Fey auf Geothermie. Mittels der Wärme aus 99 Metern Tiefe sollen künftig die beiden geplanten Türme auf dem Areal Nonnenwald 9 versorgt werden. Die Bohrung hat die Firma Geowell durchgeführt, deren Sitz sich auf dem Gewerbegrundstück nebenan befindet. Dass der Nachbar den Nachbarn mit Energie versorgt, sei nicht nur Beweis dafür, dass die Stadt Penzberg im Nonnenwald über einen innovativen Gewerbe- und Industriebereich verfüge, es sei vor allem ein deutliches Zeichen pro Energiewende, sagte Bürgermeisterin Elke Zehetner bei der Vorstellung des Projekts.

Die Firma Geowell hat schon mehrere Objekte in Penzberg mit Erdwärme versorgt. So auch das Penzberger Rathaus, die Sparkasse oder die Neubauten der Firma Krämmel an der Freiheit.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Hardi Lenk und Holger Fey, beides Penzberger Unternehmer und SPD-Stadträte, haben auf dem 5000 Quadratmeter großen Areal viel vor. Noch in diesem Jahr sollen die beiden Bürotürme aus Holz in einem ersten Bauabschnitt fertiggestellt und bezogen werden. Einen der dreigeschossigen Neubauten wird Fey komplett mit seinem Ingenieurbüro beziehen. Im zweiten wird Lenk sein Büro einrichten. Die weitere Nutzung sei noch offen, sagte Fey.

Die Türme werden mit Erdwärme versorgt. Die Firma Geowell, die seit August 2018 im Nonnenwald sitzt, hat pro Bürogebäude zwei Bohrungen unternommen. 99 Meter tief ist der Bohrkopf vorgedrungen. "Normalerweise bohren wir bis zu 300 Meter runter", sagte Geowell-Inhaber Frank Piecha. Aber für den Betrieb der Fußbodenheizung oder für die Warmwasser-Bereitung sei die geringere Tiefe völlig ausreichend. Vier Rohre wurden ins Erdreich getrieben. In ihnen wird ein Glykol-Wasser-Gemisch in die Tiefe gepumpt und wieder nach oben geholt. Das Gemisch hat eine Temperatur von acht bis zehn Grad. Zurück kommt es um zwei Grad wärmer. "Die Wärmepumpe nimmt sich diese zwei Grad und gibt sie dann ab", erklärte Piecha und fügte hinzu: "Alle 33 Meter steigt die Temperatur um ein Grad."

Geothermie2

Erdwärme nutzen: Claudia Herdrich, Geowell-Inhaber Frank Piecha, Holger Fey, Hardi Lenk und Bürgermeisterin Elke Zehetner (v.l.).

(Foto: Alexandra Vecchiato)

Für eine Tiefe von 99 Metern habe man sich auch deshalb entschieden, weil von 100 Meter an andere Genehmigungsverfahren greifen würden, so Piecha. "Von dieser Tiefe an gilt Bergbaurecht." Sechs bis sieben Stunden dauert eine Bohrung. "Man kann sagen: ein Tag, ein Loch." Wie viele Löcher in den Boden getrieben werden müssen, hängt von der Größe des Objekts ab, das mit Erdwärme versorgt werden soll. Geowell hat etwa auch die Firma Dobler, die ebenfalls im Gewerbegebiet Nonnenwald beheimatet ist, mit Erdwärme versorgt. Hierzu habe es elf Bohrungen bedurft, erklärte der Geowell-Inhaber. Mehr als 700 Projekte hat seine Firma im Penzberger Stadtgebiet betreut, darunter auch das Rathaus und die Sparkasse. Der Plan sei es, dass auch weitere Betriebe, die sich im Gewerbepark ansiedelten, über Erdwärme versorgen lassen, betonte Bürgermeisterin Elke Zehetner. "Das ist auch Wirtschaftsförderung und tut unserer Stadt gut."

Lenk und Fey planen auf dem restlichen Grundstück einen Gewerbehof. Dazu haben sie eine eigene Firma namens "Freiräume" gegründet. Entstehen sollen in zwei weiteren Bauabschnitten Büroflächen, Lager und Werkstätten. Die Flächen sollen flexibel zu nutzen sein. "Zum Teil werden wir die Flächen selbst nutzen, aber auch andere Unternehmen können sich einmieten", sagte Fey. Interessenten gebe es.

Das Thema "Energiewende" haben Lenk und Fey bei ihrem Projekt weiter im Blick. Hackschnitzelheizung und Photovoltaik sind in Planung. Auch im Bereich E-Mobilität wollen die beiden bei ihrem Projekt vorne dran sein.