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Umstrittenes Bauprojekt:Seniorenwohnstift nimmt Hürde

Münsings Gemeinderat beschließt Auslegung des Bebauungsplans

Von Benjamin Engel, Münsing

Das Projekt für ein Seniorenwohnstift am Ambacher Hang zwischen Simetsberg- und Pilotyweg ist eines der umstrittensten und meistdiskutierten in der Kommune. Damit es realisiert werden kann, hat der Gemeinderat den Flächennutzungsplan geändert und den Auslegungsbeschluss für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan gefasst. Auf dem baumbestandenen Hanggrundstück der früheren Wiedemann-Kurklinik will das Kuratorium Wohnen im Alter (KWA) eine Anlage mit bis zu 80 Wohnungen für Senioren errichten. Gleichzeitig wird es der Familie Wiedemann ermöglicht, ihr einziges noch im Besitz verbliebenes Haus im südöstlichen Teil des Areals abzureißen. Dort sollen zwei jeweils um die 240 Quadratmeter große Wohngebäude entstehen.

Dass die Kommune den Weg für die Wohnbaupläne der Familie Wiedemann freimache, kritisierten Tobias Eckart (Freie Wähler) und Thomas Schurz (CSU). "Das ist nur konsequent aus meiner Sicht", sagte Bauamtsleiter Stephan Lanzinger. Nur so stelle die Gemeinde ihre Planungshoheit sicher. Eine dem Wohnstift zugeordnete Nutzung lasse sich gewährleisten.

Als Kritikerin, aber nicht als Gegnerin des KWA-Vorhabens sah sich Christine Mair (Grüne). Dass dem Gemeinderat noch kein Durchführungsvertrag des Seniorenwohnstiftträgers vorliege, bemängelte sie. Vor einer Entscheidung müsse bekannt sein, ob die Tagespflege für Einheimische nutzbar sein werde. Gleiches gelte für ein Belegungsrecht der Kommune, Sonderkonditionen für Münsinger oder die Frage des öffentlichen Zutritts zum Parkgelände. Aus Ihrer Sicht sei der Simetsbergweg als Zufahrt viel zu schmal, betonte Mair.

Derzeit verhandelt die Gemeinde noch mit dem KWA über die Modalitäten des Durchführungsvertrags. Wie Georg Spieß, der Rechtsanwalt der Kommune, erläuterte, werde der Gemeinderat rechtzeitig eingebunden. "Ohne einen unterschriebenen Durchführungsvertrag wird es keinen Bebauungsplan geben." Dass die Zufahrtsstraße zu schmal sei, wies Spieß zurück. Straßenrechtlich habe sich die Kommune genügend Raum gesichert.

Für das Seniorenwohnprojekt hat das Büro des italienischen Stararchitekten Matteo Thun den Wettbewerb gewonnen. Das historische Waldschlösschenhaus bleibt erhalten. Mehrere lang gestreckte, teils erdbedeckte Gebäude sollen landwirtschaftliche Typologien aufgreifen. Grundsätzlich kritisch blieb Matthias Richter-Turtur (Grüne) gegenüber der Dimension. "Ich habe etwas gegen einen solchen Apartment-Komplex am Ostufer des Starnberger Sees", sagte er.

© SZ vom 23.07.2020

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