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Umstrittene Ehrenbürger Hitler und Hindenburg:Ohne Worte

Der Gemeinderat in Dietramszell distanziert sich nicht von der Ehrenbürgerwürde für Hitler und Hindenburg. "Wir können doch nicht unsere Geschichte umschreiben", sagt eine Gemeinderätin.

Ohne Diskussion hat der Dietramszeller Gemeinderat am Dienstag eine Entscheidung gefällt, die in der Region bisher beispiellos ist: Mit acht zu acht Stimmen lehnten es die Räte ab, sich von der Ehrenbürgerwürde, die Adolf Hitler und Paul von Hindenburg in Dietramszell verliehen worden war, zu distanzieren.

"Wir können doch nicht unsere Geschichte umschreiben", sagte Traudi Fröstl (CSU). Man müsse die Zeitumstände berücksichtigen und dürfe die damaligen Gemeinderäte nicht verurteilen. "Ich finde das lachhaft." Ob man sich auch von noch lebenden Politikern distanzieren könne, fragte Ingrid Grimm (FW) launig. "Da könnte man ein besseres Zeichen setzen, als bei diesen Uraltgeschichten."

Josef Hauser (FW) betonte, dass die Ehrenbürgerwürde ohnehin mit dem Tod einer Person erlösche. "Ich hätte das Thema nicht auf die Tagesordnung gesetzt." Bürgermeisterin Leni Gröbmaier (BLD) stellte klar, dass man frühere Gemeinderäte nicht verurteilen wolle. "Unsere Nachfolgegenerationen wird uns vielleicht vorwerfen, dass wir nichts gegen den Klimawandel getan haben, obwohl wir es gewusst haben." Andere Kommunen im Landkreis hätten sich in jüngster Zeit ebenfalls mit dem Thema beschäftigt. Die Entscheidung sei freilich jedem selbst überlassen.

Wortmeldungen für eine Distanzierung von der Ehrenbürgerwürde für Nazi-Funktionäre gab es nicht. Der ablehnende Beschluss wurde kommentar- und widerspruchslos akzeptiert. Nachdem kürzlich zwei Dokumente im Archiv aufgetaucht waren, die belegen, dass sowohl Hindenburg als auch Hitler die Ehrenbürgerwürde verliehen worden war, mussten die Gemeinderäte am Dienstag entscheiden, wie man mit dem schweren historischen Erbe umgeht.

Bürgermeisterin Gröbmaier (BLD) hatte den Beschlussvorschlag von ihrem Münsinger Amtskollegen Michael Grasl (FW) übernommen, "damit wir im Landkreis eine Linie fahren." Darin ist nicht von einer Aberkennung der Ehrenbürgerwürde die Rede, die laut Bayerischem Gemeindetag mit dem Tod der jeweiligen Person erlischt.

Grasl und Gröbmaier hatten den Vorschlag allgemeiner formuliert: Man wolle sich von den Beschlüssen zur Verleihung dieser Auszeichnung an Politiker der NS-Zeit durch damalige Gemeinderäte distanzieren, heißt es. In Münsing hatten die Gemeinderäte diese Formulierung einstimmig befürwortet, "um damit ein Zeichen der Mahnung und Erinnerung zu setzen". In Dietramszell sah man dafür offenbar keine Notwendigkeit.