Umgestaltungen Die Mitte der Mitte soll dominant sein

Klötzchenspiele: Am hölzernen Stadtmodell probiert der Entwicklungsausschuss aus, wie sich das Zentrum optisch gelungen in die Höhe entwickeln kann. Dabei sind Hans Ketelhut, Sonja Frank, Heidi Dodenhöft, Bürgermeister Michael Müller, Kerstin Halba, Andreas Rottmüller (v.l.).

(Foto: Felicitas Amler)

Geretsried wünscht sich im Zentrum einen achtgeschossigen Sparkassen-Turm. Das Unternehmen will nicht so hoch hinaus.

Von Felicitas Amler

Der Sparkasse wächst in Geretsried eine besondere Bedeutung zu: Das neue Gebäude, welches das Unternehmen an der Ecke Karl-Lederer-Platz/Egerlandstraße errichten will, soll einen dominanten Akzent im Stadtzentrum setzen. Der Gestaltungsbeirat der Stadt aus Architekten und Stadtplanern empfiehlt "Volumen" und "Prägnanz". Ein sechs- bis siebengeschossiges Eckgebäude und ein fünfgeschossiger Anbau sollen die als "interessant und zukunftweisend" bewertete Entwicklung der neuen Mitte Geretsrieds bekräftigen. Der Entwicklungsausschuss des Stadtrats ist am Montagabend noch einen Schritt weitergegangen. Das Gremium wünscht sich an dieser Stelle einen achtgeschossigen Turm. Die Ecke sei "der Mittelpunkt unseres Zentrums", sagte Franz Wirtensohn (CSU) - das müsse optisch schon deutlich werden. Hans Ketelhut (CSU) unterstrich, man solle das Unternehmen ermutigen, "forscher zu planen".

So hoch hinaus will die Sparkasse allerdings nicht. Vorstand Christian Spindler zeigte sich am Dienstag zwar erfreut über die grundsätzlich positive Beurteilung des Vorhabens. Zu acht Geschossen sage er aber "spontan Nein", auch wenn dies erst noch im gesamten Vorstand diskutiert werden müsse. "Sieben Geschosse sind schon mehr, als wir ursprünglich vorhatten." Nun müsse man auch sehen, was die neuen Vorstellungen für die Kosten bedeuteten.

Die Sparkasse ist der erste Investor im Stadtzentrum, der sich nach der Krämmel-Gruppe, der Baugenossenschaft und der Gesellschaft Projekt KLP zu einer neuen Bebauung entschlossen hat. Klaus Kehrbaum, Architekt sowohl der Stadt als auch von Krämmel, hatte dies angeregt. Gleichzeitig hatte das Kreditinstitut eine Strukturreform beschlossen, wonach dem Standort Geretsried eine starke Position zukommt: Dort wird eines von landkreisweit sechs Beratungszentren eingerichtet. Spindler sagte vor einem Dreivierteljahr: "Wir haben die Pläne gesehen, wie das Geretsrieder Zentrum künftig aussehen soll, und da war für uns klar: Wir wollen nicht die graue Maus am Eck sein."

Wann aus dem dreigeschossigen Sechzigerjahrebau an der Egerlandstraße 49 bis 51 ein deutlich höheres, stadtbildprägendes Gebäude wird, ist aber noch offen. Ob die Sparkasse gleichzeitig mit der Baugenossenschaft (BG) ans Werk geht, die von 2020 an auf der anderen Seite der Egerlandstraße baut, sei noch nicht ausgemacht, sagte Spindler am Dienstag. "Das wäre sehr ambitioniert." Sicher sei nur, dass die Geschäftsstelle während der BG-Bauphase in die Beletage des dann fertigen Wohn- und Geschäftshauses der Krämmel-Gruppe am Karl-Lederer-Platz zieht. Denn die riesige Baustelle vor der Tür an der Egerlandstraße wolle man weder Kunden noch Mitarbeitern zumuten.

Die Stadt will auch das Quartier "Karl-Lederer-Platz Nord", also die Zeile zwischen Rathaus und Hermann-Löns-Weg, voranbringen. Der Entwicklungsausschuss schließt sich hier der Empfehlung des Gestaltungsbeirats an: Neben dem niedrigen Rathaus - der dreigeschossige Bau ist das ehemalige Verwaltungsgebäude der NS-Rüstungswerke in Geretsried - sollen nur fünf Geschosse ermöglicht werden. "Das tut dem Ganzen gut", sagte Stadtbaurat Rainer Goldstein. Wenn auf ein 3,90 Meter hohes Ladengeschoss vier Wohn- und Büroebenen folgten, ergäbe sich eine Gesamthöhe von etwa 16 Metern.

Der Ausschuss erörterte auch, dass all diese Vorstellungen nur Angebote an mögliche Bauherren sein können. Ob und wann tatsächlich neu gebaut werde, sei offen: "Wir werden Brüche haben", sagte Goldstein. Bürgermeister Michael Müller (CSU) erklärte, die Planung könne sich nicht nur an den benachbarten alten Bauten orientieren. Man müsse eben übergangsweise damit leben, "dass das im Moment dann vielleicht belämmert ausschaut, wenn wir ein großes neben einem kleinen Gebäude haben".