Die U18-Wahl gibt Jugendlichen eine Stimme, auch wenn sie regulären Wahlen noch nicht teilnehmen dürfen, weil sie zu jung sind. Vor der Kommunalwahl waren sie wieder aufgerufen, ihr Votum abzugeben. Fast 2800 Heranwachsende stimmten zwischen 16. und 27. Februar an weiterführenden Schulen oder in Jugendzentren im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen über Landrat und Bürgermeister ab. Wer vermutet hat, sie würden anderen Politikern und Parteien den Vorzug geben als die Erwachsenen, der irrte sich. Die Ergebnisse der U18-Wahl ähneln dem Ausgang der Kommunalwahl am 8. März. Einige Unterschiede gibt es allerdings schon.
Thomas Holz (CSU) wäre auch bei der Jugend nicht auf Anhieb Landrat geworden, sein Vorsprung vor der Konkurrenz ist jedoch deutlicher. 43,8 Prozent der U18-Wähler votierten für ihn, dies sind 5,3 Prozent mehr als am 8. März. Sein ärgster Kontrahent Ludwig Schmid (FW) kommt bei den jungen Leuten weniger an. Er erreicht nur 20 Prozent (36,3 Prozent). „Das Ergebnis freut mich natürlich sehr, es ist für mich ein starkes Signal der jungen Generation in unserem Landkreis“, sagt Holz. CSU-Kandidaten hatten bei den unter 18-Jährigen nicht immer so klar abgeschnitten.

Dies wirft die Frage auf, warum dies bei dem 50-jährigen Christsozialen anders ist. Die Antwort von Holz: „Als dreifacher Vater kenne ich die Themen, die junge Menschen und junge Familien bewegen, nicht nur aus der Theorie.“ Er glaubt, er werde als Kandidat geschätzt, „der aus eigener Erfahrung weiß, worüber er spricht.“
Bemerkenswert ist, dass die U18-Wähler für alle jene Bürgermeister stimmten, die auch bei der Kommunalwahl vorn lagen. Und dies nicht nur in Gemeinden, wo lediglich ein Bewerber angetreten war. In Wolfratshausen kam Amtsinhaber Klaus Heilinglechner (BVW) auf 45,9 Prozent der Stimmen, Günther Eibl (CSU) auf 16,4 Prozent. Beide gehen am 22. März in die Stichwahl, allerdings lag der Abstand zwischen ihnen bei den Kommunalwahlen nur bei 7,6 Prozent.
Ein interessantes Bild ergibt sich auch in Geretsried. Dort hätten die Schülerinnen und Schüler dem Amtsinhaber Michael Müller (CSU) beinahe eine Stichwahl erspart. Er erreichte bei ihnen 49,5 Prozent der Stimmen, 6,4 Prozent mehr als bei der Kommunalwahl. Allerdings tritt er bei der Jugend nicht gegen Patrik Kohlert (Geretsrieder Liste) an, der nur auf 15,2 Prozent erhielt. 20,8 Prozent entfallen vielmehr auf Max Wiens (Max für Geretsried). Das dürfte vor allem daran liegen, dass der Polizeibeamte mit 24 Jahren selbst noch jung ist. Ihm trauen die U18-Wähler offenbar zu, die Wünsche und Probleme der Jugend besser zu kennen. Am 8. März landete Wiens bei 15,8 Prozent.

Ungewöhnlich ist außerdem, dass SPD-Bewerber in der U18-Wahl um einiges besser abschnitten als bei der Kommunalwahl. So landete Landratskandidat Klaus Barthel bei 12,9 Prozent und damit noch vor Andreas Wild (9,9 Prozent) von den Grünen. Bei den Kommunalwahlen vereinigte Barthel gerade einmal 4,8 Prozent der Stimmen auf sich. In Bad Tölz kam Michael Ernst dort mit 6,4 Prozent kaum über sein Ergebnis von 2020 hinaus. Bei den Jugendlichen erreichte er hingegen 17,9 Prozent. Und auch Renato Wittstadt in Wolfratshausen erzielte mit elf Prozent ein wesentlich besseres Resultat als die mageren 3,5 Prozent vom 8. März.
Insgesamt waren 9000 Jugendliche von 27 weiterführenden Schulen stimmberechtigt
Bei der U18-Wahl waren rund 9000 Jugendliche in den 27 weiterführenden Schulen des Landkreises ab der fünften Klasse stimmberechtigt. Die Beteiligung lag somit bei etwa 30 Prozent. Dies hat allerdings nur bedingt etwas mit Desinteresse zu tun. „In einigen Schulen war die Teilnahme aufgrund mangelnder Ressourcen nicht möglich“, erklärt Michael Heigl, Social-Media-Manager im Tölzer Landratsamt. Der Wahlgang für die unter 18-Jährigen solle das Verantwortungsbewusstsein stärken und die politische Bildung fördern. Damit zeige man Jugendlichen, „dass ihre Stimme zählt, auch wenn sie noch nicht wahlberechtigt sind“, betont Heigl. Mit der U18-Wahl würden demokratische Werte wie Beteiligung, Meinungsvielfalt und Respekt verankert.

