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Trinkwasser:Eins zu Abermillionen

Bei Analysen wurden Belastungen mit einer Enterokokke im Rohwasser und mit zwei Enterokokken im Netz entdeckt. Dem Laien sagt dies erst einmal wenig. Und wenig scheint es auch zu sein.

Jan Dühring ist strikt darum bemüht, seriös mit dem derzeitigen Geretsrieder Trinkwasserproblem umzugehen. Wenn man dem Stadtwerke-Chef zuhört, hat man freilich den Eindruck, es gebe weniger ein Trinkwasserproblem als eins der Bewertung des Wassers durch das Gesundheitsamt.

Geretsried chlort das Trinkwasser seit 28. Oktober - nachdem in einer Probe eine geringfügige Belastung mit coliformen Keimen festgestellt worden war. Seitdem haben Stadtwerke und Gesundheitsamt 148 Proben genommen. Das sind in vier Wochen so viele wie bei regulärem Betrieb in eineinhalb Jahren. Man könnte also sagen, das Geretsrieder Trinkwasser sei unter bester Kontrolle. Es wurden dabei Belastungen mit einer Enterokokke im sogenannten Rohwasser (vor der UV-Bestrahlung) und mit zwei Enterokokken im Netz entdeckt. Dem Laien sagt dies erst einmal wenig. Und wenig scheint es auch zu sein.

Dühring betonte, er wolle nichts leichtfertig abtun. Enterokokken seien zwar überall in der Umwelt, dennoch könnten sie Indikatoren für eine fäkale Verunreinigung sein. Auf Aufforderung von Bürgermeisterin Cornelia Irmer (parteilos) trug er dann einen anschaulichen Vergleich vor. Es gebe wissenschaftliche Untersuchungen, wonach eine Verunreinigung von Trinkwasser mit Enterokokken durch Mücken entstehen könne. Und eine einzelne Mücke trage bis zu 300 000 Enterokokken in sich. Auch im menschlichen Darm treiben sich diese Bakterien herum: "Jeder von uns hat sie zu Abermillionen in sich." Und schließlich der Maßstab für Zamperl-Besitzer: "In einem Hundehaufen sind an die 200 Millionen Enterokokken."

Dem immer fidelen CSU-Stadtrat Hans Ketelhut entlockte dies die Zwischenbemerkung: "Wir haben also aus einer Mücke einen Elefanten gemacht." SPD-Stadträtin Edith Peter erkundigte sich eher rhetorisch, ob sie denn nun an der einen Enterokokke im Wasser sterben könne. Die Antwort lautete natürlich Nein. Und ob das Chloren des Wassers nicht am Ende schädlicher sei als die paar Bakterien? Nein, sagte FW-Stadtrat und Apotheker Bernd Emmerich: Das Chlor lasse sich ganz leicht durch Erhitzen entfernen.

Dühring würde dem "Probe-Marathon" und dem Chloren des Wassers gern kommende Woche ein Ende machen. Die Entscheidung liege aber beim Gesundheitsamt. Kommentar von Herbert Mieseler (SPD): "Dort sitzt die Kokke - in Tölz."