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Trinkwasser-Debatte:Abschlag ins Ungefähre

Die Golfplatz-Kritik aus dem Gesundheitsamt irritiert die Betreiber und die Wolfratshauser Lokalpolitik.

Gesundheitsamtsleiter Franz Hartmann irritiert mit seiner späten, aber heftigen Kritik am Golfplatz Bergkramerhof nicht nur dessen Betreiber und Mitglieder, sondern auch die Wolfratshauser Lokalpolitik. Umweltreferentin Gaby Reith (Grüne) verlangte am Mittwoch im Bauausschuss Auskunft über die Verhältnisse im Wasserschutzgebiet, doch auch Bürgermeister Helmut Forster (BVW) ist die Lage nach eigenen Worten unklar.

Hartmann hatte die Debatte über das Wolfratshauser Trinkwasser ausgeweitet, das zeitweise gechlort werden musste, nachdem in einer Probe eine Keimbelastung entdeckt worden war. Die Keime wurden in weiteren Proben nicht mehr nachgewiesen und haben nach der Überzeugung aller anderen Beteiligten auch gar nichts mit den Verhältnissen am Bergkramerhof zu tun, wo in Schächten Spuren von Abwasser gefunden wurden. Doch der seit 1993 bestehende Golfplatz liegt in der Kernzone des Wasserschutzgebiets, seit diese 2008 erheblich ausgedehnt wurde. Und in so einer Schutzzone sei ein Golfplatz wegen der Dünge- und Pflanzenschutzmittel grundsätzlich nicht zu dulden, sagt Hartmann, der das als medizinische, nicht als juristische Aussage verstanden wissen will.

Golfplatz-Betreiber Josef Hingerl und Anlagenleiter Marko Dresp sehen den Club zu Unrecht an den Pranger gestellt und verweisen auf Genehmigungen für alle Mittel. Speziell an Düngern verwende man pro Hektar außerdem sehr viel weniger als in der Landwirtschaft, da man nur kleine Bereiche intensiv bearbeite, während die meisten Flächen kaum oder gar nicht gedüngt würden. Hingerl wollte seine Sicht den Bürgern zuletzt in einer Informationsveranstaltung darstellen, die von den Medien - auch von dieser Zeitung - aber als reine Pressekonferenz verstanden und nicht öffentlich angekündigt worden war. "Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel", beteuerte Hingerl. Für den Golfplatz seien Natur- und Umweltschutz zentral, denn genau auf dem Naturerlebnis beruhe der Erfolg der Anlage.

Diese Anlage hat über die Jahre viele Genehmigungsprozesse durchlaufen, zuletzt 2011 die Änderung des Flächennutzungsplans zur möglichen Erweiterung von 18 auf 27 Bahnen. An diesen Verfahren waren stets auch das Wasserwirtschaftsamt und das Landratsamt beteiligt, zu dem Hartmanns Abteilung gehört. Er will trotzdem erst im April vom Golfplatz in der Schutzzone erfahren haben.

© SZ vom 10.05.2013

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